Jahrgang 
1874
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Petermanns Mittheilungen 1870, S. 323, Sp. 2:Jenſeit entdeckten wir Land. Frankfurter Journal 1870, 26. Juli, S. 1:Aller Güterverkehr mit jenſeit iſt via Mannheim zu leiten.

Auch dieſen Gebrauch möchte ich nicht für falſch erklären.

Aber müßte nicht ein Schriftſteller oder überhaupt jeder, der ſchreibt ſich gleich bleiben, und immer im gleichen Falle entweder die eine oder die andere Form gebrauchen? Wären nicht in dieſer Beziehung Luther, Leſſing(wenn anders die Stellen aus ihm bei Engelien richtig angeführt ſind), Goethe, Schiller eines Fehlers zu zeihen?

Nein!

Worauf beruhte denn die Nöthigung, immer dieſelbe Form zu gebrauchen? Darf nicht ein Schriftſteller baldjetzt, ſtatt, die Quelle, der Athem, des Falls, das Wehen des Windes ſagen, bald jetzo, anſtatt, der Quell, der Odem, des Falles, des Windes Wehen? Warum denn nicht? Und ſo darf er als Präpoſition auch einmal jenſeit, ein andermal jenſeits ſagen, wie es ihm gerade paßt.

Den Grund für das allmählich immer ſtärkere Eindringen des nach Grimmunſtatt⸗ haften, aber doch nun einmal vorhandenen s wöchte ich, wie oben ſchon angedeutet, im Wohl⸗ laut finden. Meiſt folgt auf dieſe Wörter als Präpoſitionen der beſtimmte Artikel; es würden alſo zwei Zungenlaute auf einander folgen und leicht in einander verſchwimmen; das s ſcheidet ſie, ſo daß jeder von ihnen deutlicher zu ſeinem Rechte kommt.

Das Ergebnis dieſer ganzen Unterſuchung wäre ſomit folgendes:

Urſprünglich ſo lehren uns die Brüder Grimm hatten dieſe Wörter, mochten ſie nun als Präpoſitionen oder als Adverbien gebrancht werden, kein s am Ende. Bereits im 16. Jahr⸗ hundert(Luther) tritt das s hie und da auf; allmählich mehr und mehr; und zwar ſowohl beim Adverb als bei der Präpoſition. Eine Scheidung der Formen nach den Wortarten iſt un⸗ begründet. Das s am Ende iſt übrigens noch nicht ſo vorherſchend geworden, daß der Gebrauch der andern Formen ſowohl beim Adverb als bei der Präpoſition als Fehler gelten könnte. Es herſcht hierin Freiheit!

Dieſes Ergebnis gilt für die heutige Zeit. Ob auch noch nach hundert Jahren, oder ob ſich dann vielleicht durch den Gebrauch ein ſolcher Unterſchied feſtgeſtellt hat, daß er in eine Regel gefaßt werden kann, und daß die Vernachläſſigung dieſer Regel als ein Fehler zu rügen wäre, das können wir heute noch nicht mit Beſtimmtheit wiſſen. Denn die lebende Sprache verändert ſich ja beſtändig.

In dem im Jahre 1539 in Straßburg gedrucktenNewen Kreutter Buoch von Hieronymus Bock(1498 1554) leſen wir Buch 2. Kap. 38 folgende Beſchreibung derGroß Klapperroß(Papaver Rhoeas, Ackermohn, Klatſchroſe, in Frankfurt allgemein Klapperroſe ge⸗ nannt):Die groß vnnd gemeyn Klapper Roſa, iſt nichts andeſt dann eyn wild Magſamen geſchlecht... Dann es gibt eyn gäle farbe, ſafft oder milch. Vnd gewint kraut dem gemeynen Magſamen vaſt gleich, doch kleyner vnd ſchmeler. Die bletter dieffer zerſpalten wie Wegwart. Die oberſte bletter am ſtengel vaſt kleiner vnd zerkerfft wie eyn kleine ſäg. Der ſtengel, kraut vnnd neben äſt, ſind ganz horecht(haarigJ.... Der knopff am ſtengel iſt mit zweyen grünen horechten häutlin beſchloſſen... So bald die Roſa erfür wil, fallen die zwey grüne horechte blettlin von eynander, vnd dringt alſo

die ſchone ritz rote Roſa herfür.... Die bletter an der Roſen fallen bald ab, als dann ſicht man Mittlere Bürgerſchule. 3