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Caſſian, Geographie, 3. Aufl., Frankfurt 1861, S. 166:„Jenſeits des Faro.“ Kützing, Das deutſche Land, Breslau 1861, Bd. I, S. 55:„Jenſeits der Alpen.“ Kugler, Die Altmülalp, Ingolſtadt 1868, S. 70:„Jenſeits des Pfahles.“
Der Zoologiſche Garten, XI. Jahrgang(1870) No. 4, S. 102(in einem Auf⸗
ſatze von Ferdinand Baron Droſte):„Jenſeits des breiten Kanals.“
Proſpectus der Zeitſchrift„Der Continent“, Berlin, Juni 1870, S. 2:„Zwiſchen
den Deutſchen diesſeits und jenſeits des Oceans.“
Frankfurter Nachrichten 1870, 13. Juli, S. 318:„Jenſeits des Tunnels.“
Frankfurter Journal 1870, 10. April, S. 1:„Dieſſeits und jenſeits der Leitha.“
Didaskalia 1874, 18. Febr.:„Jenſeits der franzöſiſchen Grenzen.“
Was werden wir nun ſagen? Lüßt ſich, angeſichts der vielen Beiſpiele, wo die Formen mit s als Präpoſitionen gebraucht ſind, jene Regel,„bei dieſen Wörtern als Präpoſitionen dürfe kein s am Ende ſtehen,“ noch aufrecht erhalten? Und wollte jemand auch vielleicht die aus Zeitſchriften oder fachwiſſenſchaftlichen Werken entnommenen Beiſpiele(deren Verfaſſer übrigens doch auch zumeiſt unter die Gebildeten zu rechnen ſind) als nicht muſtergültig verwerfen; wollte er ferner ſagen, auch Leſſing, der vor hundert und mehr Jahren geſchrieben, ſei jetzt nicht mehr maßgebend: würde der denn auch behaupten wollen, Goethe, Schiller, Humboldt, Görres, Platen hätten, indem ſie dieſe Formen gebrauchten, ſich Fehler gegen die deutſche Sprache zu Schulden kommen laſſen?
Ich glaube kaum!
Er würde zugeſtehen müſſen: Die Formen mit s am Ende werden auch von guten Schrift⸗ ſtellern als Präpoſitionen gebraucht, alſo iſt dies kein Fehler, alſo dürfen wir es auch thun. Ja noch mehr: er würde nicht einmal anerkennen, was Theodor Becker ſagt, daß nämlich dieſe Formen vorzugsweiſe als Adverbien gebraucht würden; denn ein Blick auf die Literatur zeigt, daß dies nicht der Fall iſt; und uns allen, inſofern wir nicht unſer Sprechen ſeit langer Zeit nach einer ſolchen Regel eines Grammatikers gemodelt haben, ſind die Formen mit s am Ende weit mehr mundgerecht als die andern.
Betrachten wir nun, wie es ſich mit dem zweiten Theile der vermeintlichen Regel verhält, nach welchem nämlich als Adverbien die Formen mit s am Ende gebraucht werden ſollen.
Daß dies in der früheren Zeit nicht der Fall war, haben wir bereits aus Grimm geſehen. Es ſind dort manche Beiſpiele angeführt:
„»Krone: dar zuo disiu schar gemein
jenhalp und dissit begunden singen widerstrit.⸗
»Wilh. v. Oestreich: jamer fröide wurden kunt hie dissit ouch.“«
„»Ludw. v. Thüringen: hie dissit, dort ouch über mer.-
„Luther, 4 Mos. 21, 13: und lagerten sich disseid am Arnon.
»Luther, 1 Sam. 14, 4: zween spitze felsen, einer disseid, der ander jenseid.«
»Tiedge: vom disseit ins jenseit schauen.«
Auch aus unſern Tagen ſind mir einige— wenn auch nicht viele— Beiſpiele dieſes Gebrauchs vorgekommen.
Bädeker, Italien, Thl. I, Coblenz 1868, S. 72:„Jenſeit plötzlich fruchtbares Land.“


