Jahrgang 
1928
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2. Aufführungen.

a) Am 21. Januar 1928: Die Liebigschüler als Dichter, Maler und Komponisten. Vortragsfolge: Einleitende Worte, Waldemar Kramer O la.Der König in Thule, Wilhelm Bender UlIb, am Klavier: Hans Heinrich. GCedichte, llans Zidkler O la,Die Spinne, vorgetragen von Herbert Frede,In der Grünsteinschleiferei, vorgetragen von Walter Scheler. Tanz für Klavier, Wal⸗ demar Kramer O la. Hochzeitsgedicht, Heinz Wohlgemuth UIIla. Streichquartett, Heinz Sadk Ullb. (1. Violine: Waldemar Kramer, 2. Violine: Hans Börner, Viola Luise Sagebiel, Cello: Georg Sack). Gedichte, Emil Horst U Ib,Frühling,Nacht,An Frankfurt, vorgetrag. von Wilhelm Bender. Zwei Stücke für Klavier, Helmut Keller UIb. 1. Szene aus dem 2. Akt des DramasNero Emil Horst UIb,(Nero: Kurt Wohlgemuth, Isaak: Fritz Weiß, Freunde Neros: Georg Sack, ein Klagechor). Tonstück für Violine, Waldemar Kramer O la. Zwei Chöre, Pleinz Sack U lb, Spälherbst, Text von Emil Horst,Herbstklage, Text von Eugen Schaefer. Gecdichte, Fritz Weiß Olb,Kennst Du das Land,Xufruf zum Bauernkrieg Freies Spiel auf dem Harmo- nium, Xlexander Morawietz O la. Moderner Tanz: Slowfox, Paul Georgy Ola.(Klavier: Paul Georgy, 1. Violine: Franz Kirchner, 2. Violine: Hans Börner, Cello: Georg Sack, Harmonium: Alexander Morawietz, Saxophon: Herbert Frede, Schlagzeug: Alfons Wiesner). Bostonserenade, Julius Grieger Ula,(Klavier: Julius Grieger, 1. Violine: Franz Kirchner, 2. Violine: Hans Börner). l'ichtbildirvortras: Malerei in unserer Schule, Kurt Wohlgemuth Ola, Lichtbilder von Henry Selig- mann O la.. 3 Frankfurter Nachrichten v. 25. Januar 1928:Die Liebigschüler als Dichter, Maler und Komponisten Etwas pessimistisch stand man vielleicht zunächst der Ankündigung dieser Veranstaltung am Samstag- abend im Restsaal der Liebig-Oberrealschule gegenüber. Aber es wurde eine angenehme Ueber- raschung. Ganz aus dem Kopfe der Schüler entsprungen, ohne irgendwelche Mithilfe der Lehrer- schaft ausgeführt, stand der Abend im Zeichen des neuen Geistes unsecer Schuljugend. Es kam dabei wenig auf die Horm, auf ein Mehr oder Minder an beherrschender Technik an, das Wertvolle, das auf jeden der zahlreichen Gàste einen tiefen Eindrude schuf, war das Ringen junger Menschen um Gestaltung der sie bewegenden Probleme, um Ausdrud ihrer inneren Erlebnisse. Dabei war es gleichgültig, ob der kleine Untertertianer mit feinem, verlegenem Stimmchen sein selbstverfaßtes Hochzeitslied oder dieGroßen aus der Prima mit gewandter Sicherheit ihre Kompositionen und Dichtungen vortrugen. Wohl war man manchmal von der Leistung an sich überrascht, aber wer tiefer sah, bemerkte hinter der vollbrachten Leistung ein ungleich wertvolleres Wollen, einen Willen, der neue Mößlichkeiten und Wege bahnt, auf denen die so häufig verlästerteJugend von heute aufwärts schreiten wird. Epische und lyrische Darbietungen wechselten mit musikalischen Vorträgen, und sogar eine Szene aus einem Nero-Drama wurde rezitiert. Die jungen Autoren und Kompo- nisten werden ihre Freude an dem lebhaften Beifall des Publikums gehabt haben. Ein Lichtbilder- vortrag über die Malerei in der Schule beschloß die wohlgelungene Veranstaltung. Zieht man in Betracht, daß die Hauptlast der Verantwortung auf den Schülern lag, die in wenigen Tagen in die schweren Examensnöte des Abiturs steigen werden, so kann man ihrem idealistischen Streben nach Verbindung zwischen Schule und Oeffentlichkeit nur umsomehr Anerkennung zollen. Es bleibt zu hoffen, daß dieser Abend seine Nachfolger haben wird.

b) Am 25. Februar 1928: Rokoko⸗=Abend. Vortragsfolge: 1. Nus dem Orchester-Trio Nr. l von Stamitz. a) Allegro, b) Menuett(Schülerorchester). 2. Tanz: Menuett aus demKuhreigen von Kienzl. 3. Professor Gellert: 3 Gedichte(Gellert: Hans Schubert). 4. Zwei Arien des Papa- geno aus derZauberflöte von Mozart. a)Der Vogelhändler bin ich ja, b) Ein Mädchen oder Weibchen(Papageno: H. Flaskamp, am Klavier: W. Bender). 5. Trio von Haydn(Am Klavier: W. Bender, Violine: Hans Börner, Cello: Georg Sada). 5. Menuett in X von Boccherini(Schüler- orchester). 7. Das Band, ein Schäferspiel von Gellert. Personen: Galathee-Luise Sagebiel, Daphne- Elisabeth Krauß. Doris-Elfriede Heiderich. Montan- Wilhelm Bender. Myrtill-Heinz Sadk. 8. Tanz: Gavotte von Gossec. 90. Kindersymphonie von Haydn. Leitung: W. Bender. An- schließend: Tanz-Unterhaltung.Der Urfilm.

Frankfurter Nachrichten vom 25. Februar 1928:Ein Band soll das Schulfest schlingen um Eltern- haus und Schule. Elternhaus und Schule, die gemeinsame Arbeit am Kinde leisten, sollten einander näher gebracht werden durch die Schüler und Schülerinnen. Aber diesmal nicht in ernster Arbeit, sondern durch ein kleines, fröhliches Fest, das die Schüler den Eltern und der Schule Sgaben Es war erstaunlich und erfreulich zugleich, wie gut das Unterfangen gelungen war. Denn es ist ein Unter- fangen, mit jugendlichen Kräffen, die erst entdeckt und erprobt werden müssen, ein Rokokof st zu veranstalten. Leicht wird es den jungen Leuten nicht gefallen sein, solche Leistungen hervorzubringen, zumal Ostern in so bedrohliche Nähe gerücdkt ist. Aber alle gaben ihr Bestes und trugen mit allen Kräften zum Gelingen des Ganzen bei. Von Anfang bis zu Ende des Rokokofestes war alles stilecht. Wohl am besten wirkte der Oberzeremonienmeister, der mit unnachahmlicher Grandezza seiner hohen Stellung gerecht wurde. Die Menuette und Gavotten des Hofballetts waren von einer entzückenden Anmut, Herr Professor Gellert(Hans Schubert) war sogar in eigener Person anwesend und brachte, von seinem Können und seiner Bedeutung überzeugt, einiges aus seinen Werken sehr wirkungsvoll zum Vortrag. Ihm zu Ehren wurde dann sein SchäferspielDas Band vom Foftheater aufgeführt. Die Darsteller Wilhelm Bender, Heinz Becker) und besonders die Dar- stellerinnen(L. uise Sagebiel, Elisabeth Krauß und Elfriede Heiderich) gingen ganz in ihren Rollen auf und spielten mit bezauberndem Charme. Den Löwenanteil des Abends bestritt das Schüler-