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Drohnen—— Daran mangelt's nicht! Dem Bienenheer entspräche unser Mitarbeiterstab, der edlen Honig in den Waben unseres Korbes zusammenträgt. Aber dieser Stab ist noch kein Heer. Ob die meisten Bienen noch als Larven verpadkt in den Zellen schlafen? Wer weiß? Wir wollen einmal anklopfen, vielleicht werden sie wach!
Schon im Februar 1926 hieß es an dieser Stelle:„Jedes Mitglied(des Liebigschulvereins) müßte es als seine Pflicht anseben, unsere Zeitschrift zur denkbar besten zu machen und die Arbeit nicht nur einigen wenigen zu überlassen. Wir wollen doch nicht in den Fehler von Sportveranstaltungen verfallen, wo Zehntausende zwei sich abstrampelnde Elfermannschaften mit Hohn oder Beikall überschütten.“.
Die beiden nächsten Jahre brachten ständige Fortschritte. Das Papier ist heute sehr gut, der Inhalt wird immer vielgestaltiger. Im November 1925 wurden die ersten Bilder veröffentlicht. Es waren drei Aufnahmen vom Bocdkenheimer Storchnest, die Herr Professor Dr. Drevermann freundlichst überließ. Ihr Drud befriedigte uns jedoch noch nicht, der Raster trat zu stark hervor. Ein Jahr später, im Dezember 1926, brachte die Bühnennummer der damaligen Ula wieder eine Menge Bilder, diesmal auf gutem Kunstdruckpapier, aber auch sie waren nicht einwandfrei. Seit Juni 1927 ist unsere Zeitschrift regelmäßig mit Bildschmuck ausgestattet, die Reproduktionen sind seitdem durchaus ansprechend und befriedigend.
Auch neue Freunde erwarb sich der Bienenkorb. Den Mitgliedern des Liebigschulvereins wurde er allmählich vertraut, und er hat ihren Ratschlägen und Artikeln viel zu danken. Ein Teil der Schüler dagegen steht der Zeitschrift noch etwas zurückhaltend gegenüber, viele haben eine unbe- Sründete Scheu vor dem„Gedrucktwerden“ und können sich nicht überwinden, ihren Beitrag dem wohlmeinenden Stift des Schriftleiters anzuvertrauen. Was hilft fruchtlose Kritik im Hintergrund? Besser machen, Anregungen geben und Beiträge liefern ist viel wertvoller. Das wird von der Schülerschaft auch in wachsendem Maße erkannt. Ohne besondere Mäühewaltung konnte der Plerausgeber zu Anfang jedes Monats die Zeitschrift in folgender Form erscheinen lassen: Mindestumfang 16 Seiten, davon 3 Seiten Inserate, 2 Seiten Mitteilungen des Liebigschulvereins, der Rest ist Text, der von Schülern geschrieben wird. Seit Juni 1927 enthielt jedes Heft Bilder. Die Juni=Nummer erscheint wegen der großen Ferien als Doppel-⸗ Nummer. Der„Bienenkorb“ hat den besonderen Vorzug, daß die Beiträge von Schülern geschrieben werden und daß so- wohl Leitung als auch Ausgestaltung unserer Seitschrift vollständig in den Händen der Schüler liegen. Der Inhalt der Nummern wird so vielgestaltig gehalten, daß er jedem Leser etwas ihn Interessierendes bringt. Auf diese Weise hoffen wir, unsere Schulzeitung allmählich jedem jetzigen und früheren Liebigschüler zur vertrauten, unentbehrlichen Freundin zu machen. Ein Erfolg für sich waren die Nummern, die von einer Klasse allein herausgegeben wurden. Der„Bienenkorb“ ist der gegebene Tummelplatz für selbständige geistige Schöpfungen der Schüler. Wir fühlen uns als Gemeinschaft, dies beweist das Bestehen der Schulzeitschrift, die uns nun weiterführen soll zur Vertiefung des organischen Gemeinschaftsgefühls durch freiwillige Mitarbeit, wenigstens aber durch herzliche Anteilnahme an dem, was die Tätigen geschaffen haben. Otto Schales! Man versteht, wie aus dieser Selbsttätigkeit der Schüler der Plan erwachsen konnte, den ein Oberprimaner folgendermaßen umreißt:
Die Liebigschüler dichten, malen und komponieren.(Siehe auch unter 2). Lange suchten wir nach einem treffenden Namen für den Abend, an dem unseren Eltern und Lehrern gezeigt werden soll, was wir Schüler auf den Gebieten der Musik, Dichtung und Malerei schaffen können. Wir dachten daran, das Wort Kunst zu gebrauchen. Doch das führt leicht dazu, daß man unsere Arbeiten mit den Schöpfungen anerkannter Meister vergleicht. Man wird dann bekritteln, statt daß man versucht das, was der Schüler in einem Gedicht oder Tonstück ausdrücken will, in Verbindung mit seinem Empfinden zu bringen. Daß man darüber nachdenkt, warum es der Primaner liebt in Moll zu spielen, warum der Tertianer gern phantastische Dinge malt, und warum sich der Sekundaner in lyrischen Gedichten an ein unnahbares, göttergleiches Wesen wendet.— So haben wir nun den Liebigschüler waghalsig neben die drei Musen gesetzt. Hätten wir vielleicht mit dem knetbaren Fremdwort Dilettantismus spielen sollen? Auch bezeichnet man doch seine persönlichen Schöpfungen nicht gerade als Kitsch.—
Als ich daran ging, die besten Schülerarbeiten zusammenzutragen, boten sich mir Widerstände, die ich für wichtig genug halte, mitzuteilen. Da waren einige, die es ablehnten, mitzumachen, teils aus eitler Bescheidenheit, teils mit der Begründung, ihre Werkchen zeugten von so tiefem inneren Erleben, daß sie keinem Srößeren Kreise preisgegeben werden dürften. Wieder andere sprachen von einem falschen Ehrgeiz, der durch diese„Uraufführungen“ gewedkt würde. Die Unterprimaner, die nächstes Jahr eine ähnliche Veranstaltung vorhaben, bitte ich aus diesen Einwänden zu lernen.
Es klänge zu altklug, wenn ich für diesen Abend werben wollte und sagte, daß da den Erziehern Gelegenheit zum Studium der Jugendpsyche gegeben sei. Wir Schüler wollen uns nur freuen, wenn sich am 21. Januar, abends 8 Uhr, recht viel Eltern, Lehrer und Freunde in unserem Festsaale einfinden und unseren Schöpfungen verständnisvoll zuhören. Waldemar Kramer. Der sehr stark besuchte Abend bot dichterische und musikalische Erstlingsfahrten und einen die reich beschickte Bilderausstellung einleitenden Lichtbildervortrag. Die stolze Bescheidenheit der ganzen Veranstaltung fand allseitigen Beifall auch bei der günstigen Kritik, der die richtige Ein- stellung nicht ganz leicht fiel. Der Reinertrag von 250 Mk. kam der Instrumenten⸗Stiftung zugute.


