Die Schule während des Krieges.
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Stolz erfahren, wie unsere Helden draußen sterben für das Vaterland; wir bemühen uns auch hier unsere Pflicht zu tun und nicht unwürdig zu sein derer, denen wir verdanken, daß wir hier wohnen können wie im Frieden. Möge jeder von uns sich stets aufs neue prüfen, Lehrer wie Schüler, damit wir gereinigt und geläutert hervorgehen aus dieser schwersten Prüfung und der ersehnte und erhoffte Sieg uns reif findet für die neuen hohen Aufgaben, die wir Deutsche dann zu lösen berufen sind. Schwach ist unsere Kraft, und die ungeheure Shannung gar manchesmal mehr, als wir glauben ertragen zu können. Der Alltag will sein Recht. ir treiben von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag, was uns die liebe Gewohnheit zu treiben gelehrt hat. Und wir verlangen von dem ungeheue- ren Geschehen um uns vielleicht nur den Kitzel stets neuer Aufregung und Befriedi- gung: Sieg und Fahnen und Jubel und— schulfrei. Wenn wir sie aber sehen, unsere Eeldgrauen, vielleicht noch mit den Spuren des Lebens im Schützengraben und des Kampfes im Felde auf ihrem Kriegsgewand, im Schmucke des Eisernen Kreuzes, mit dem ernsten, tiefen, verinnerlichten Blick, der kündet von den Stunden, in denen sie dem ehernen Schicksal ins Auge sahen, in denen der Tod rings um sie Ernte hielt, dann weht uns alle ein Hauch an vôn dem Unendlichen, Ewigen, und wir ahnen, was diese Zeit bedeutet, und welch hohes Werk sich vollzieht in dieser hehren Schicksalstunde.
Mit Beginn des Krieges wurden zu den Fahnen gerufen: die Herren Oberlehrer Baumann, Buschmeyer, professor Dr. Franz, Oberlehrer Dr. Perdisch, Rich- ter, Semiller, Sendler, Probekandidat Dr. KRichters, wiss. Hilfslehrer Proe- scholdt; im Verlaufe traten weiter ein: Herr Gesanglehrer Caesar(0. September), dann Herr Professor Dr. Bothe(freiwillig, 16. Oktober) ferner Herr Aushilfslehrer Dr. Thüre(1. März). Seiner Einberufung sieht noch entgegen Herr Oberl. Dr. Kleint.
Den Heldentod fürs Vaterland starb am 10. Oktober bei St. Mihiel Herr Oberl. Dr. Sendler. Er gehörte uns an als Probekandidat von Ostern bis Herbst 1906 und als Oberlehrer seit dem 1. April 1908. Die Zeit war kurz, seine Wirksamkeit reich und ge- segnet. Er war unermüdlich tätig, um sich wissenschaftlich fortzubilden. Von wiederholtem Studienaufenthalt auf Helgoland und in Rovigno brachte er für die Wissenschaft, für sich und für uns wertvolle Ausbeute mit, die ihn noch lange beschäftigen sollte. Der Sencken- bergischen Naturforschenden Gesellschaft, wo er fleißig arbeitete, gehörte er als Sektionär an. Auf allen Gebieten seiner Tätigkeit bei uns strebte er vorwärts, rastlos bemüht sich und seine Schüler wie unsere Schule zu fördern. Mit ganzer Seele war er Anhänger des Realschulwesens. Seine Amtsgenossen und seine Schüler verdanken ihm wertvollste Hilfe und Förderung und werden seiner in Liebe und Dankbarkeit eingedenk bleiben. Seiner Familie war er der liebevollste Gatte und Vater.
Mit heller Begeisterung zog er hinaus ins Feld, um fürs Vaterland zu streiten. Der Adjutant seines Bataillons schreibt:„Er hat an meiner Seite den Heldentod gefunden. An einem Drahthindernis angekommen, hörten wir die Rufe unserer Kameraden jenseits des Hindernisses. Mit den Worten:„Wir müssen unseren Kameraden helfen“, versuchte er über das Hindernis hinweg zu gelangen. Hierbei traf ihn das tödliche Geschoß. Sein heldenhafter Tod soll uns ein Ansporn sein ihm an Mut und Tapferkeit gleichzukommen.“ — Er war unser.—
Verwundet wurden die Herren Baumann, Perdisch, Semiller; die beiden ersten tun wieder Dienst, der letzte ist noch nicht genesen.
Befördert wurden: Caesar und Richters(Gefreite), Baumann, Perdisch, Sendler(Leutnant), Buschmeyer(Oberleutnant), Franz(Hauptmann). Das Eiserne Kreuz erkämpften sich: Proescholdt, Richter, Semiller.
In den Monaten August und September mußten wir in der Schule von der Hand in den Mund leben. Das Kollegium war auf nahezu die Hälfte zusammengeschmolzen. Es galt bei allen möglichen Anlässen zu helfen. Viele Schüler wurden hierfür in die Stadt und nach auswärts beurlaubt. Zuweilen waren nur wenige Jungen in einer Klasse zur Stelle, da die anderen alle irgendwo Hilfe leisteten. Auswärtige konnten nur unregelmäßig oder oft gar nicht kommen, da die Züge sie nicht beförderten. Wir halfen uns, so gut und schlecht es ging. Vom 10. August ab unterstützte uns freiwillig Herr Kandidat dr Keul(ein alter Schüler), und Chemie und Naturbeschreibung, die ganz verwaist gewesen


