Jahrgang 
1915
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waren, konnten nun wieder etwas Pflege finden. Am 22. September besuchte uns Herr Geh. Rat Provinzial-Schulrat Dr. Kaiser, besichtigte das neue Schulhaus und wohnte dem Unterricht in einer Anzahl von Klassen bei. Am 29. September schloß das Sommer- halbjahr; von Erteilung von Zeugnissen mußte abgesehen werden.

Als Kriegsfreiwillige traten im Verlauf des Krieges ein: Jungmann(UI, erkrankt, De Sohäler wieder im Dienst), Secherling(CII, verwundet und dienstuntauglich, wieder bei uns),"nd der Krieg. Wolffrom(UI), Schermulü(OII, zum Gefreiten befördert), Klee(O Il!) und die Untersekundaner: Buck, Helbig, Hillmann(vermißt), Kehm, Kuhn, Schoß- mann k(erkrankt, als dienstuntauglich entlassen). Wir haben sie mit unseren wärmsten Wünschen entlassen und verfolgen ihr Kämpfen und Wirken mit herzlicher Teilnahme.

Während der Kriegszeit haben Mitglieder des Lehrerkollegiums, Schüler aller Klassen, Hufe bei ver- ängehorige und Freunde der Schule bei einer ganzen Anzahl von Veranstaltungen bereit- ichidenen willigst und erfolgreich geholfen.*) Ich gebe nachstehend eine Ubersicht, die zeigt, wie gen. vielseitig diese Betätigungen waren. Indessen bitte ich von vornherein entschuldigen zu wollen, wenn sie nicht so vollständig ist, wie sie sein sollte. Im Drange der Geschäfte wurde oft versäumt vorzumerken, wer uns hilfreich beisprang, und das Versäumte ließ sich später nicht immer mehr nachholen. Auch wünschten gar manche Helfer und Helfe- rinnen ungenannt zu bleiben. Geholfen haben Lehrer und Schüler verschiedener Klassen, wie auch Damen des Kollegiums: bei der Verpflegung und Lab ung durchkommen- der Truppen, u. 2. solcher, die ins Feld zogen, wie auch zurückkehrender, z. T. ver- wundeter an den Bahnhöfen, besonders Süd und West, auch in Höchst und Griesheim (2z. T. auch im Dienste der Kriegsfürsorge). Ebenso beim Empfang deutscher Lands- leute, die aus dem Ausland vertrieben waren, und bei anderen Anlässen, bei denen dieKriegsfürsorge von unserer Hilfe Gebrauch machen konnte. Als Radfahrer usw. be- tätigten sich Schüler für das Generalkommando und das Bezirkskommando; sie taten Botendienste am Ostbahnhof und anderwärts. Sie halfen in der Kaserne der 8l er und 63 er, in der Lehrschmiede und der Eisenbahnwerkstätte. Sie bemühten sich im Garnisonlazarett und in Privatlazaretten(auch im Kranken- haus in Cronberg und Höchst), im Sanitätsdepot, bei der Herstellung von Ver- bandstoffen. Sie wirkten mit fürs Rote Kreuz(für das sie schon am 10. Mai ge- sammelt hatten), und für das in der Schule immer wieder, mit besonderem Eifer einzelner Klassen durchAbsparungskassen, Beträge eingingen. Sie verkauften vaterlän- dische Schriften, Bilder und Karten. Sie zeichneten und malten selbst Feld- postkarten, deren Ertrag unserer Feldpost zu gute kam. Unser Chor wirkte bei unseren eigenen vaterländischen Veranstaltungen und bei anderen(z. B. Palmengarten) wiederholt mit. Karten hierfür wurden mit Eifer vertrieben.

Im Sommer und Herbst betätigten sich viele Jungen hier und auswärts auf dem Lande an Erntearbeiten und dann bei der Feldbestellung wie beim städtischen Ge- müsebau. Größere Schüler unterstützten ihre Lehrer bei der Brotgetreide- und Kartoffelaufnahme. Das Gleiche taten alle Klassen bei der Goldsammlung (Ergebnis zurzeit 15 220.), bei der zweiten Reichs-Kriegsanleihe, für die 60 275.(von der Sexta allein 12 700.) gezeichnet wurden, wozu noch 21 700. Schul-Kriegsanleihe traten. Für unsere Verhältnisse sehr ansehnliche Beträge.

Bei alledem wurde doch zu Weihnachten nicht versäumt wie in anderen Jahren der Armen zu gedenken, und die Herren Dr. Breuer und Schmidt, die wieder ihres Amtes walteten, fanden erfreulichen Beistand, so daß eine ganze Anzahl armer Familien bedacht werden konnte.

Eigene Veranstaltungen der Schule waren: UnsereFeldpostneben-Pusere Feld- stelle. Alsbald nach Kriegsbeginn entschlossen wir uns, für unsere alten Schüler post. (mochten sie kurz oder lange bei uns gewesen sein), die unter die Waffen traten, so- weit es uns möglich war zu erfahren, wo sie dienten, eine Verbindung mit der Schule herzustellen, ihnen Grüße und kleine Gaben zu senden, uns von ihnen über ihr Ergehen Nachricht zu erbitten und ihnen und uns die Freude zu machen, daß sie fühlten, wir edachten ihrer in Treue, und daß wir an unserem bescheidenen Teil mithalfen, unseren

riegern draußen ihren Kampf für die Heimat zu erleichtern. Wir sandten u. a.: Feld-

*) Nur bei einer Veranstaltung ergaben sich Anstände, die uns veranlaßten, auf weitere Beihilfe zu verzichten.