Jahrgang 
1912
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stützung des Elternhauses bei unserer Arbeit erbitten. Die Hausarbeit wird nicht vermehrt werden, aber natürlich ist es jetzt besonders wichtig, daß sie sorgfältig geleistet wird, weil jede Feststellung eines Versäumnisses hierin den ganzen Unterricht aufhält. Sodann ist den Direktoren von der Behörde aus- drücklich aufgegeben worden, dafür zu sorgen, daß die auf 45 Minuten fest- gesetzte Unterrichtszeit keinerlei Verkürzung erfährt. Wenn eine solche Ver- kürzung für die erste Unterrichtsstunde des Vormittags vermieden werden soll, so genügt es nicht, daß die Schüler erst im letzten Angenblick vor Beginn des Unterrichts das Gebäude betreten, sondern sie müssen, damit der Unterricht selbst pünktlich beginnen kann, sich mindestens 5 Minuten früher in der Schule einfinden. Hierbei erbitten und erwarten wir die hilfreiche Unterstützung seitens des Elternhauses.

Ein Buch hat oft einen Menschen auf seine ganze Lebenszeit gebildet, oder ver- dorben. In Erinnerung an dieses ernste Wort Herders hält es die Schule für ihre Pflicht, auf die Unterhaltungslektüre der ihr anvertrauten Jugend ein wachsames Auge zu richten. Deshalb legt sie auf sorgfältige Auswahl der für die Schülerbibliothek bestimmten Bücher das größte Gewicht und erhebt ihre warnende Stimme vor Gefahren, welche infolge schlechter Lektüre der Jugend drohen.

Neuerdings macht sich nun in den Schaufenstern einer großen Anzahl

von Papiergeschäften, Zigarrenläden, Kolportagebuchhandlungen und in Zeitungs- ständen eine umfangreiche Schundliteratur breit.

Durch Inhalt, Ausstattung und Preis stellt sich diese verwerfliche Literatur als eine unheildrohende Gefahr für unsere Jugend dar. Der Inhalt ist aufregend, abenteuerlich und oft pikant; die geschilderten Abenteuer sprechen aller Wirklichkeit Hohn und rauben den unverständigen Lesern den Sinn für die tatsächlichen Verhältnisse des Lebens. An der unnatürlichen Darstellung wird dann die jugendliche Phantasie in zügelloser Weise entzündet, es erwacht die verderbliche Neigung, auch solche wagehalsige Streifzüge zu unternehmen, zu Kampf und Streit, sowie auf Raub auszuziehen und als kühne Helden Ruhm und Ehre zu gewinnen. Die zum Ankauf reizenden Umschlagszeichnungen dieser Schundware stellen in grellen Farben eine aufregende, gewöhnlich ver- brecherische Szene der Geschichte dar, über welcher sich dann ein möglichst abenteuerlich klingender Titel befindet. Die Rückseite des Umschlags dient ent- weder der Reklame der Schundschriften oder gar zur Veröffentlichung von Anzeigen schlimmster Art. Der Preis der Schundhefte beträgt dabei nur 5 bis 20 Pfg., je nachdem neue oder antiquarische Exemplare verlangt werden; dabei verleitet gerade der billige Preis des einzelnen Bandes häufig die Jugend zur Anschaffung einer großen Anzahl solcher Machwerke.

Oft genug hat die Schule leider die Wahrnehmung des schlechten Einflusses der Schundlektüre auf die Schüler machen müssen, und die Tagesblätter berichten immer erneut von Fällen, wie jugendliche Gemüter durch Berührung mit derartigen Erzeugnissen auf schlimme Wege und selbst mit dem Strafrichter in Konflikt geraten.

Um solchen gefährlichen Verirrungen unserer Jugend vorzubeugen, bedarf es deseinmütigenund verständnisvollen Zusammenwirkens von Haus und Schule. Daher richten wir an alle Eltern unserer Schüler die dringende Bitte, unter keinen Umständen solche Schundlektüre