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gereicht wurde. Wie mancher der zahlreichen Zaungäste mag sich mit verlangendem Herzen in unsere Gemeinschaft gewünscht haben!
Während des Winterhalbjahres wurde der Sportplatz von allen Klassen ebenso reichlich besucht. Allerdings mußten die leichtathletischen Ulebungen einem dem Winterbetrieb eigenen Uebungsbetrieb weichen. Entsprechend der kühleren Witterung traten die Kampfspiele in den Vordergrund. Zwischen rotweiß leuchtenden Toren huldigte unsre Jugend dem Fuß- oder Handballspiel. Die unteren Klassen ergötzten sich am Völkerballspiel.
Schon der diesjährige Versuch, auf einem besonderen Platze im Anschluß an das Schulgrundstüdck Leibesübungen in neu- zeitlichem Sinne treiben zu wollen, bedeutete einen vollen Erfolg, und im Interesse einer günstigen Entwicklung wäre es zu begrüßen, wenn sich die Schulbehörde weiter für unsere bescheidene Arbeit einsetzen wollte zum Wohle der Gesamtheit.
... Weeber Unterricht im Freien.(Siebe Umschlag, Bild 1)
Ein besonderer Vorzug unserer Schule“*) ist die Lage an der Peripherie der Stadt, die sie wenigstens jetzt noch innehat. Das neu erworbene Gelände ermöglicht es uns, die daraus entspringenden Vorteile unseren Schülern erst recht nutzbar zu machen. An anderer Stelle schreiben wir von dem Wert des Schülergartens und des Sportplatzes, aber ein Wort sei auch dem Unterricht im Freien gewidmet, den wir während der besseren Jahreszeit reichlich betrieben haben. Wir tun das nicht, weil es eine Modesache oder eine behagliche Angelegenheit ist. Das letztere ist es für den Lehrer jedenfalls nicht in jeder Hinsicht. Die Schwierigkeit, die Disziplin aufrecht zu erhalten, ist entschieden größer als im geschlossenen Raum. Denn die Versuchung, sich ablenken zu lassen, tritt an den Schüler draußen natürlich leichter heran, wenn sie auch besonders stark nur in den ersten Stunden zu sein pflegt, in denen der Unterricht im Freien erteilt wird. Geradezu unmöglich ist dies, wenn etwa gleich daneben eine andere Klasse turnt oder spielt. Selbstverständlich kann man auch Klassenarbeiten nicht draußen schreiben lassen. Sonst aber kann wohl jeder Unterricht im Freien erteilt werden, besonders bei kleinerer, leicht zu übersehender Schülerzahl. Der Xufenthalt in frischer, gesunder Luft, statt in der uns allen bekannten Schulstuben- lufft ist nicht bloß für den Körper vorteilhafter, sondern er erhöht auch die geistige Nufnahme und Arbeitsfähigkeit und gleicht so jenen unleugbaren Nachteil leichterer Ablenkungsmöglichkeit aus. Immerhin, es darf natürlich zu diesem Unterricht kein Lehrer gezwungen werden. Es ist auch sorgfältig darauf zu achten, daß keine Schädigungen der Schüler durch allzu starke unmittelbare Einwirkung der Sonne eintreten können. Wir lehnen es ferner ab zu gestatten, daß die Schüler zu diesem Unterricht in halbbekleidetem Zustand erscheinen. Im übrigen aber können wir sagen, daß diese Art des Unterrichts sich bei uns bewährt und eingebürgert hat. Dr. Schumann.
*) Vergl. hierzu auch das Buch von Dr. Wolff, Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 1928, vornehmlich S. 292/3, wo sich auch unsere Abbildungen wiederfinden.
Schulgarten(Siehe Uumschlag, Bild 2)
Aus kleinen Anfängen im vergangenen Jahr entwickelte sich der Schülergarten zu einer vorbildlichen Anlage. Nach lang- wierigen Verhandlungen gab die Stadt das angrenzende Odland frei und ließ es für unsere Zwecke herrichten. Kein Wunder, daß die erste Bearbeitung sich noch weit in das Sommerhalbjahr hineinzog. Wir mußten den Betrieb erst in unserem alten Schulgarten aufnehmen, und als wir am 25. Juni die Neuanlage den Eltern vorführten, da waren erst wenig Beete in Angriff genommen. Aber unter der tatkräftigen Anleitung des Herrn Oberüber hub bald ein Wachsen und Blühen an, daß Jung und Alt seine Freude hatte. Da wurden Beete gehackt und gerecht, sie sollten glatter werden als zuvor(manchmal kam es auch umgekehrt), da wurde gesät und gepflanzt, da mußte gegossen werden, wenn es der Himmel nicht genügend tat. Und dann hatten wir doch die große Raupenplage. Wie sah unser schöner Kohl aus! Aber schon halfen uns die Schlupfwespen, und am Ende war doch noch mehr als nur Stengel und Strünke da. Am 7. Sept. feierten wir dann ein vorläufiges Erntefest mit den Eltern. Auf den Tischen waren Blumen und Früchte des Feldes aufgebaut, und unter Gesang kamen die kleinen Gärtner mit ihren Erntekränzen anmarschiert. Die Fleißigsten wurden prämiiert. Die Arbeiten im Garten hörten auch dann noch nicht auf, unsere Gemüsebeete erholten sich sichtlich, aber die Pracht der Blumen schwand mehr und mehr, und als die Herbstferien kamen, ging es ans Abräumen, die Arbeit war für dieses Jahr getan. Ies.
Skitour
Am zweiten Weihnachtsfeiertag setzten wir uns— 21 Lessinggymnasiasten in friedlichem Bunde mit 13 Wöhlerschülern— auf die Bahn, um im kleinen Walserthal(im Vorarlberg) den hierzulande so spärlichen Schnee zu genießen. Als wir tags- darauf unser Reiseziel, Mittelberg, erreichten, mußten wir zwar feststellen, daß der Schnee etwas reichlicher und weniger verharscht hätte sein können, machten uns aber doch wohlgemut ans Werk, zumal die herrliche Alpenlandschaft, die reine Luft und die liebevolle Sonne unsere Erwartungen nicht enttäuschten. Und wenn auch in den zehn Tagen unseres Auf- enthaltes nicht weniger als 14 Bretter den Wesg alles Irdischen gingen— erst in den drei letzten Tagen bekamen wir den rũdksichtsvolleren weichen Neuschnee—, so haben wir doch, von dem Ubungshügelbetrieb abgesehen, mehrere schöne Touren mit noch schöneren Abfahrten machen können, ferner auch zu Fuß manchen genußreichen Spaziergang unternommen (u. a. einen Besuch der mit märchenhaften Eisgebilden geschmückten Breitachklamm). Besonders erfreulich war, daß uns kein Unfall die ungezwungene Freude trübte und daß wir auch nicht verhungert sind, was uns bei dem übermenschlichen Appetit der ersten Tage als Schredegespenst drohend vor Augen stand. Dr. Bornemann.


