Jahrgang 
1928
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Unsere Palästra.(Dazu siehe auch Umschlagbilder)

Zu Weihnachten 1926 teilte uns der Direktor freudestrahlend mit, daß wir mit Beginn des Schuljahres 1927 eine Palästra haben sollten. Bald wurde auch das Modell des zu erwartenden Sportplatzes gezeigt: Rundbahn für den Lauf, Spiel=- und Sportwiese, Plantschbecken, Aufenthalt- und Unterrichtsraum, Leider konnte der Plan in seiner ursprünglichen Form nicht ganz eingehalten werden. Das an den Nordhof grenzende Gelände, vorher ein wüster Lagerplatz, wurde durch Vermitt- lung der Schulbehörden von den Eltern unserer Schüler gepachtet mit der Bestimmung, dort einen Sportplatz und einen Schülergarten erstehen zu lassen. Der Platz ist so groß wie unsre beiden getrennt liegenden kleinen Schulhöfe, auf denen die Durchführung eines neuzeitlichen Turn⸗ und Sportbetriebes unmöglich war, dazu sind beide Höfe geteert. Trotz der geringen Größenverhältnisse 30 5 m wurde unsre neue Uebungsstätte, einem neuzeit- lichen Sportbetrieb entsprechend, benutzt. Es war uns möxglich, folgende Uebungsarten zur Durchführung zu bringen: Dauerlauf, Hürdenlauf, Diskus- und Speer- wurf, Kugel⸗ und Steinstoßen, Hoch⸗, Weit⸗, Drei- und Stabhochsprung. Die Raumverhältnisse gestatteten uns, diese Sportzweige fast immer zum größten Teile

gleichzeitig vornehmen zu können: Vom grünenden Schülergarten her flog der schlanke Speer, er kreuzte sich mit dem schwirrenden Fluge des Diskus, an der Springgrube hob sich der Stabhochspringer an die Im- Grenze, und etwas abseits sauste die schwere Eisenkugel wuchtig in den Sandboden. Die Riegen konnten sehr klein sein, wodurch der einzelne sehr oft zum Ueben kam. Welche Fülle von Beobachtungen konnte man machen, wenn man sah, wie der Uebende seinen ganzen Willen daran setzte, alles aus sich herauszuholen, um zu seiner persönlichen Höchstleistung zu kommen!

Sextaner wie Primaner betraten die Palästra stets in der heute allgemein anerkannten und zulässigen Sportkleidung: Kurze, schwarze Hose bei nacktem Oberkörper, bei kühlem Wetter und im Winter kommt der Trikot in den Schulfarben schwarzrot hinzu. Abgehärtete turnten selbst im Winter noch unbekleidet, es hat Ihnen nichts geschadet. Wir alle haben uns in dieser leichten Ubungskleidung unter der Einwirkung der kraftspendenden Sonnenstrahlen bei unsrer Sportbetätigung innerlich wie äußerlich freier und behaglich gefühlt.

Auch in den Ferien lag die Palästra nicht vereinsamt. Allen Schülern, denen die Eltern keine größere Erholungsreise gewähren konnten, stand der Platz täglich offen. Es war ihnen ganz frei überlassen, was sie unter Aufsicht treiben wollten. Und wirklich kamen viele, denen man es von ihren zufriedenen Gesichtern ablesen konnte, wie befreit sie sich fühlten von der Sorge der Schule. Was wurde nun alles nach Herzenslust getrieben! Die Schüler der Oberklassen arbeiteten vornehmlich an der Vervollkommnung der ihnen besonders liegenden Leistungen im Sport, ohne die anderen Ubungsarten, die jeder schmecken soll, zu vernachlässigen. Die übrigen Schüler ergaben sich mehr dem Tummeln in Form von Kampf=- und Nedkspielen. Meinte es die Sonne zu gut, so zog man sich zeitweise in den kühlen- aslaltae den Schatten auf unsre Liegematten zu- Le2 rück und nahm ein nützliches Buch aus AEEGi unsren Bibliotheken zur Hand, oder er-

freute sich an Belehrungs- und Unter⸗ haltungsspielen. Bei günstigem Winde ließen wir Freiballons starten. Zur Vesper- zeit schlürfte man behaglich sein Tässchen Mokka, zu dem sogar mehrmals Kuchen

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