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Hugo Schmidt, Lehrer an Dr. Hoch's Konservatorium und Dozent an der Pädagogischen Akademie, diese vorbereitenden Kurse übernehmen, während unserer früherer Abiturient, Herr Dr. F. Hoff, wie bisher Einzelunterricht in Violine, Herr Siebrecht in Flöte in enger Verbindung mit der Schule erteilt. Es ist von größter Wichtigkeit, daß unser Collegium musicum sich rechtzeitig immer wieder durch frischen Nachwuchs verjüngt, ich bitte daher alle Eltern, diese neue Ein- richtung freundlich durch die Tat(Anmeldung der Söhne) unterstützen zu wollen. Eine Uberlastung der Schüler ist dabei ausgeschlossen, da es sich um wöchentlich 1 Stunde handelt, außerdem sind die an diesen Instrumentalkursen oder am Collegium musicum teilnehmenden Schüler ohne weiteres von der Teilnahme am Chorgesang befreit. Ubrigens können auch in der Beschaffung der Instrumente und in der Honorarfrage voraussichtlich große Erleichterungen eintreten.
Chor und Collegium musicum haben sich während der beiden letzten Jahre in verschiedenster Weise vor der Oeffentlichkeit betätigt. Wir möchten freilich nicht unterlassen zu betonen, daß sich der Xufgabenkreis unserer Musikgemeinschaften in der Ausschmüdkung von Schulfeiern und ähnlichen Veranstaltungen nicht erschöpft hat und es auch nicht soll. Die eigentliche Erziehungsarbeit liegt ja in der geschlossenen, nicht in der Richtung auf Oeffentlichkeit und Lob sich vollziehenden Musik- pflege, die in sich selbst ihr Ziel und ihren Lohn findet. Als Nebenfrucht redlichen Musizierens wird allerdings die leichtere Bewältigung gelegentlicher Sonderaufgaben reifen.
Davon sei in aller Kürze die Rede. Die Schulfeiern nach Möglichkeit verschönern zu helfen, war für Chor und Collegium musicum eine dankbare NXufgabe, namentlich sei die Mitwirkung bei der Aufführung des„König Oedipus“ und der „Spürhunde“ des Sophokles und bei dem„Märchen vom Schweinehirten und der Prinzessin“ erwähnt. In der Universität boten Schüler unseres Gymnasiums bei der Antrittsvorlesung des Privatdozenten Herrn Dr. Friedrich Gennrich die Musik- beispiele zu dem Thema„Moderne und mittelalterliche Musik“, Genannt sei auch das zweimalige Xuftreten im Frankfurter Sender(Rundfunk).
Wem es auffällt, daß in unseren Vortragsfolgen alte Meister so häufig zu Wort kommen, der mõge die Gründe hierfür etwa in dem Buche„Musik, ein Unterrichtswerk für die Schule“, herausgegeben von Rabsch und Burkhardt, Band 2, Seite 274, nachlesen. Im übrigen halten wir es mit Robert Schumann:„Ehre das Alte hoch, bringe aber auch dem Neuen ein warmes Herz entgegen!“ Dr. Burkhardt.
Neusprachliche Konyversation.
Als die ersten Mitteilungen über die Preußische Schulreform erschienen, war in dem Kreise der Freunde des Gymnasiums sofort die Sorge über die starke Zurückdrängung der neuen Sprachen laut geworden. Gerade am Frankfurter Lessing- Gymnasium haben sich verschiedene Eltern in einer Versammlung entschlossen, die energischsten Schritte beim Ministerium zu unternehmen, um eine derartige, gefährliche Entwidklung zu verhindern. Im letzten Augenblick ist denn auch eine erhebliche Verbesserung derart eingetreten, daß wenigstens die französische Sprache, die unbedingt in den Kulturbezirk des humanistischen Gymnasiums hinein gehört, ab Quarta bis Oberprima pflichtmäßig, wenn auch in zu wenigen Stunden,— im Anfangsjahr nur 3 und in den 4 obersten Klassen nur 2 statt, wie früher, 4 bezw. 3— unterrichtet wird, während der englische Unterricht, wie in früheren Jahren, in den letzten 3 Klassen freiwillig in 2 wöchentlichen Unterrichtsstunden erteilt wird. Die heutige Welt verlangt von jedem Gebildeten, daß er diese beiden neuen Sprachen wenigstens soweit beherrscht, daß er sich darin unterhalten kann und eine nicht zu schwere Lektüre selbständig bewältigt. Ganz unabhängig von der Bildungsfrage gilt es heute, diese praktische Forderung unbedingt zu erfüllen. Aus diesem Grundl betonen wir am Lessing- Gymnasium den Wert der neuen Sprachen sehr nachdrücklich, indem wir dem englischen Unterricht tunlichst alle unsere Schüler zuführen, sodaß wenigstens 4 Wochenstunden in modernen Sprachen fast allen Schülern der Oberklassen zur Verfügung stehen. Aber das genügt nicht, um die Forderung zu erfüllen, die das heutige Leben, vor allen Dingen Kaufmannschaft und Banken, an einen jungen Menschen stellen. Es darf der Wunsch geäußert werden, daß möglichst bald dem neusprachlichen Unterricht im regelmäßigen Lehrplan des Gymnasiums mindestens wieder so viel Zeit wie früher zur Verfügung stehe. Einstweilen aber haben wir, um jener Forderung gerecht zu werden, Konversationsstunden eingerichtet, die von Lehrern, deren Muttersprache Französisch oder Englisch ist, an unsere Schüler von Untertertia ab erteilt werden, Kurse, deren Finanzierung naturgemäß Sache der Eltern sein muß. Zu unserer großen Freude haben sich die Eltern in weitgehendem Maß dafür mit Rat und Tat eingesetzt, und es bedarf wohl nur dieses Hinweises, um alle Eltern zu ersuchen, ihre Söhne zum regelmäßigen Besuch der Stunden anzuhalten. Wir Neusprachler haben in einer Fachkonferenz bereits jetet den Wert und die Hilfe anerkannt, die diese Kurse der Pflege moderner Sprachen auf unserem Gymnasium bieten, und diejenigen Primaner, die bisher regelmäßig daran teilgenommen haben, können den Wert ebenfalls ermessen. Die Schule kann derartige Dinge nur einrichten und fördern, aber es stehen ihr keinerlei Zwangsmaßnahmen zur Verfügung. Umsomehr müssen wir die Eltern darum bitten, ihren Söhnen den Wert derartiger Kurse klar zu machen und sie zum regelmäßigen Besuche anzuhalten. Wir werden im kommenden Jahre mehrere Konversationsstunden öffentlich abhalten lassen und bitten die Eltern, durch ihre Anwesenheit sich von den erfreulichen Ergebnissen überzeugen zu wollen.
Dr. Werner


