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Im November sprach Herr Pfarrer Wintermann über die Grundgedanken des neuen evangelischen Gesangbuches, dessen erfolgreiche Durchführung zum guten Teil von der Schule abhängig sein dürfte.
Mehrmals im Jahre haben wir Wettbewerbe im Seichnen ausgeschrieben, und die besten Arbeiten mit schönen Büchern belohnt. Bei der Weihnachtsfeier haben wir zur Erinnerung an unsere unvergeßlichen Kameraden, Karl Klamberg und Wolfgang Ziehen, sowie als Stiftung der Nachbarhilfe an Primaner und Sekundaner drei wertvolle Bücher verteilen können.
Im Winter fand ein Primanerabend unter Leitung des Direk- tors statt, an dem wir uns über den Plan einer Haus- und Hofordnung unterhielten. Leider lassen sich die teilweise recht vernünftigen und zweckmäßigen Vorschläge erst dann durch- führen, wenn unser Gymnasium wieder uns gehört und nicht mit fremden Schülern überlastet ist.
Fräulein von Hirschheydt, die auch bei der Aufführung der „Spürhunde“ mitgewirkt hat, las wiederum im Laufe des Jahres in verschiedenen Klassen ausgewählte Stücke deutscher Poesie und Prosa vor.
Die Unterprimaner hatten im Winter Gelegenheit, Samstag nachmittags mit den Sekundanerinnen der Elisabethenschule unter Leitung von Fräulein Humbert das Tanzen zu erlernen. Zum Faschingstanz hatten die Schüler unter der Leitung von Herrn Pietz eine lustige malerische Nusschmückung der Aula unternommen, einen höchst reizvollen Versuch.
Hefr Pietz hielt Freitags nachmittags eine besondere Schreib- stunde nach der Sütterlin⸗Schreibweise ab, woran zahlreiche schlechte Schreiber der Unterklassen teilnahmen.
Auf Weihnachten verteilten wir an alle Schüler ein sorgfältig ausgearbeitetes Verzeichnis solcher Bücher, deren Lektüre für humanistische Gymnasiasten erwünscht erscheint. Das Kollegium hat dieses Verzeichnis nach reiflichster Erwägung auf Wunsch vieler Eltern herausgegeben und hofft, daß es nun von den Eltern auch in der erstrebten Weise benutzt wird.
Wie im Vorjahr haben wir an unsere Schüler verbilligte Plätze für die Frankfurter städtischen Theater verteilen können, eine Sonderspende in Höhe von 50.— Mark seitens der Stadt ermößlichte es uns, an einzelne Schüler Freikarten auszugeben. In diesem Jahr haben vorschriftsmäßig 9 Wandertage statt- gefunden.
Aufgabenfrei war für alle Klassen mit XNusnahme der Primen der Samstag Nachmittag, eine Einrichtung, die sich trefflich bewährt hat und von Eltern, Lehrern und Schülern dankbar begrüßt wird.
Obligatorischer Schwimmunterricht für die Schüler der Quinta und Quarta fand im Winterhalbjahr statt, von 51 Schülern erlernten 43 das Schwimmen. Die Schüler wurden kostenlos mit der Straßenbahn zum und vom Schwimmbad befördert. Am freiwilligen Baden im Sommer nahmen 102 Schüler teil, im Winter 48.
Stiftungen: Mit gebührendem Dank sind folgende Geschenke zu verzeichnen: 1. Zwei Bratschen von Herrn Keiffenheim und Herrn Dr. Mayer. 2. Die antike Kunst, herausgegeben von Rodenwald im Propyläen-Verlag, von Herrn Direktor Neumann, 3. 1 Glas mit Salzen von Frau Dir. Drewald, eine elektrische Klingel von Kunkelmann U. I., physikalische Ap- parate von unserem früheren Abiturienten Simonis, Krystall- modelle von Dr. Weller und kleinere Gaben.
Herr Universitätsprofessor Dr. Linke schenkte der Schule vor Weihnachten folgende Xpparate zur Errichtung einer kleinen Wetterbeobachtungsstation: ein gewöhnliches Thermometer, ein Barometer, ein Maximum- und Minimum-Thermometer, einen Feuchtigkeitsmesser, einen Meßzylinder für Regenhöhe und eine Windfahne. Der Direktor übertrug in einer Ansprache vor versammelter Schulgemeinde die Aufsicht über die In- strumente und das tägliche Ablesen des jeweiligen Standes der Obersekunda. Die Eintragung der Beobachtungsreihen erfolgt in vorgedruckten Tabellen. Daran schließt sich die kurvenmäßige Auswertung. Alle 14 Tage wechseln die 3 Be- obachter ab. Auf diese Weise werden alle Schüler der Klasse in die Grundbegriffe der Wetterbeobachtung eingeführt. Die Leitung hat Herr Studienrat Ernst.
Barbeiträge: a) Für die Witwen⸗ und Waisenkasse des Goethe- und Lessing-Gymnasiums wurden in früheren Jahren von Eltern der neu eingetretenen Kinder Gaben überreicht. Wir wären dankbar, wenn dieser alte Brauch wieder in Ubung kommen wollte. In diesem jahr haben wir mit Dank zu verzeichnen: Herr Sanitätsrat Dr. de Bary 100 Mk., b) Dis⸗ positions-Fonds. PFierüber wird an anderer Stelle berichtet.
Ferienordnung für das Schuljahr 1928/29.
Schluß des Unterrichts
Beginn des Unterrichts
Dienstag, den 17. April Dienstag, den 5. Juni Dienstag, den 31. Juli Minwoch, den 10. Oktober Dienstag, den 8. Januar 1920
Ostern. Samstag, den 31. März Pfingsten Freitag, den 25. Mai
Sommer Donnerstag, den 28. Juni Herbst. 3 Freitag, den 28. September Weihnachten. Samstag, den 22. Dezember Ostern. Mittwoch, den 27. März 1929


