Mitte Januar besuchte der bisherige Leiter des Frankfurter Schulwesens, Herr Stadtrat Medcbach, das Gymnasium, um sich von dem Direktor und dem Kollegium zu verabschieden— Die gegenseitige Hospitation von Kollegen war in diesem Jahre infolge andauernder Krankheitsfälle sehr erschwert, immerhin fanden einzelne Hospitationen statt.—
B) Festgemeinden:
Die Festgemeinden sollen den Eltern dauernd Einblid in unser Schulwesen bieten und Schule und Elternhaus verbinden. Aus diesem Grunde ist der Besuch dieser Festgemeinden seitens der Eltern sehr erwünscht, wie auch immer alle Freunde unseres Gymnasium dazu willkommen sind. Die Vorbereitung, die an den Fleiß unserer Schüler und an die Opferbereit- schaft der Lehrer erhebliche Anforderungen stellt, wird durch zahlreichen Besuch am schönsten belohnt und ist die not- wendige Voraussetzung für freudige Weiterarbeit. In diesem Schuljahr fanden verschiedene kleine Primaner=Tanzabende statt und fast allmonatlich eine Festgemeinde. Zunächst feier-⸗ liche Nufnahme der neuen Sexta, wobei die neugebadkenen Quintaner ihre lateinischen, deutschen, musikalischen und turnerischen Künste zeigten. Im Juni weihten wir die neue Aula und das neue Gartengelände mit musikalischen und turnerischen Darbietungen ein, während wir auf Reden zur großen Freude aller Erschienenen verzichteten.— Im August fand ein Fest der Gärtner statt, zu dem Herr Stud. Rat Dr. Schumann ein kleines Spiel gedichtet hatte, dessen Ein- studierung in den Händen von Frau Studienrat Ides gelegen hatte.— Im September war unsere alſjährliche Tagung: „Die Jugend hat das Wort“, bei der Schüler aller Klassen über die Freuden des Sommers berichteten.— Im selben Monat spielten wir zweimal das Satyrspiel von Sophokles „Die Spürhunde“, das dann in unserer Bearbeitung und unter Zugrundelegung der Burkhardtschen Musik auch vom Kasseler Gymnasium aufgeführt worden ist.— Unser Sportfest fand wie üblich auf dem gütigst zur Verfügung gestellten Gelände des Sportklubs 1880 statt.— Im November spielte unser collegium musicum erst im Rundfunk, dann betätigte es sich bei einer Festgemeinde, anschließend sprach der Direktor im Rundfunk über die Rolle, die der Kunst im heutigen Gym- nasium zukommt.— Im Dezember spielten wir an drei Abenden das Märchen vom Schweinehirt und der Prinzessin.— Im Januar fand eine große Elternversammlung wegen des geplanten Barackenbaues statt, worüber eine ausführliche Denk- schrift berichtet, deren Kosten in dankenswerter Weise Herr Dr. h. c. Alfred Teves übernommen hatte.— Im Februar fand eine griechische Festgemeinde statt, bei der Primaner Teile des ersten Buches der Ilias mit verteilten Rollen rezitierten und griechische Chöre sprachen, den Abschluß bildete ein heiteres Schattenspiel von der Zauberin Kirke, das uns Quintaner vorführten. Ende März: Abschiedsfeier der Abi⸗ turienten. Dreimal im Jahre versammelten wir uns zu Beginn der Schule vormittags in der Aula zu Andachten.
Der Blumenhandl. Heinrich Berg, Opernpl., sind wir zu herzl. Dank für wiederholte Nusschmückung unserer Nula verpflichtet.
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C) Besondere Veranstaltungen für die Schüler. Herr Oberstudienrat Dr. Franke leitete mit Herrn Studienrat Ernst eine Kunstfahrt der Primaner in die Gegend der Mosel mit dem TZiele Trier.
An der Tagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland in Goslar nahmen zahlreiche Schüler unter Leitung des Herrn Turnlehrer Weeber teil.
Herr Oberstudienrat Dr. Flechsenhaar leitete eine Ferienfahrt der Unterprima nach München.
Herr Studienrat Dr. Bornemann veranstaltete in den Weih- nachtsferien eine Skitour nach Mittelberg, an der etwa 20 Schüler teilnahmen.
Unter Leitung des Herrn Studienassessors Plettung machten die Obertertianer eine mehrtägige Kunstfahrt nach Rothenburg. Unser Plan, der diesjährigen Verfassungsfeier durch eine Rheinfahrt eine besondere Gestalt zu geben, um in Caub gemeinsam den Festtag zu begehen, wurde leider durch örtliche Maßnahmen durchkreuzt. Wir legten daher diese Rheinfahrt auf den 10. Xugust. Herrlichstes Wetter begünstigte die schön gelungene Fahrt, auf der Herr Dr. Franke die Festrede hielt.
Die wichtige Frage neuer Sachlichkeit im Bauen hat auch einen Kreis interessierter Schüler unserer Oberklassen be- schäftigt. Sie hatten Gelegenheit, an Vorträgen und Führungen teilzunehmen, für die wir den Herren Maler Leistikow, Prof. Lisker, Stadtrat May und Direktor Wichert zu Dank ver- pflichtet sind. Die Umgestaltung unserer Xula durch Herrn Prof. Elsässer gab dann dem Direktor Gelegenheit, die theoretischen Vorträge mit ihren überzeugenden Forderungen nun den Schülern an einem schlagenden Beispiel zu erläutern, das sie persönlich stark anging. Wer die frühere Xula mit der jetzigen vergleicht, wird von dem sieghaften Neuerungs- willen der heutigen Architekten überzeugt sein.
Durch Ausstellungen im Kunstverein, im Kunstgewerbe⸗ museum sowie durch die Gipssammlung in der Universität, durch Frankfurter und auswärtige Museen wurden die Schüler der Oberklassen mehrfach geführt.
Die Ausstellung über die moderne Wohnung im April sowie die Frankfurter Musikausstellung wurden von interessierten Schülern besichtigt. Am Ende der Frankfurter Musikaus- stellung versammelte der Direktor die Schulgemeinde in der Aula und wies auf die Bedeutung dieser Kulturtat hin, er gedachte dabei auch der ersten Verteilung des Goethe- Preises an Stephan George, den Vorkämpfer humanistischer Bildung.
In der für Schulen üblichen Weise feierten wir den Tag der Verfassung, an dem der Direktor, Hindenburgs 80. Geburtstag, wobei Herr Dr. Bornemann, Kleists 100, Todestag, wobei Herr Studienrat Dr. Schumann die Festansprache hielten. Bei der Reformationsfeier in der Katharinenkirche, an der viele evangelische Schüler verschiedenster Schulen teilnahmen, hielt der Direktor eine kleine Ansprache, und Schüler unseres Gymnasiums trugen Gedichte vor.
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