Jahrgang 
1915
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5. Am Sedantage wurde eine kurze Feier in der Aula veranstaltet. Sie begann mit dem Gesange Wir treten zum Beten und schloß mit derWacht am Rhein. Der Unterprimaner Hitzel trug das markige Sturmlied von Ernst Zahn vor. Die Ansprache hielt der Direktor.

Die Eröffnungsandacht zu Beginn des Winters hielt Herr Prof. Dr. Koob. Er schloß sie an den Spruch an:Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet.

Am 21. November, dem Tage vor dem Totenfest, hielt der Direktor eine Ansprache an die Schüler in der Aula. Er gedachte zuerst der Gefallenen, insbesondere mit dankbaren Worten herzlicher Verehrung des Herrn Pfarrers Otto Zurhellen, ging dann zu den schweren Verlusten über, die das Vaterlaud erlitten hatte durch die Eroberung von Tsingtau durch die Japaner und den Untergang derEmden, sprach über den allgemeinen Charakter dieses Krieges, über die Welt des Hasses und der Lüge, die uns umgibt, das Verhalten der Neutralen, über die Bedeutung, die die Erhebung des Islams für diesen Krieg hat; er suchte sodann den Schülern die wirtschaftliche Seite dieses Krieges an Einzelheiten klar zu machen, besprach den Aushungerungsplan der Engländer, die bei uns getroffenen wirtschaftlichen Maßnahmen, und schloß mit dem Vortrag des Gedichtes von Rudolf Alexander Schröder:Heilig Vaterlaud!

Im Dezember beteiligten sich zahlreiche Schüler der oberen Klassen an einer Aufführung des Oberlyzeums, die vor Verwundeten stattfand, teilweise als Sänger, teilweise als Deklamanten vaterländischer Gedichte, endlich als Schauspieler. Unter Leitung des Herrn Direktor Prof. Kellerwaren das kleine Stück von Louis Schneider:Kurmärker und Picarde, wobei Georg Ellmer(U I) den Kurmärker spielte, und dieTorgauer Heide von Otto Ludwig eingeübt worden; bei diesem Stück beteiligten sich Franz Hitzel(L 1), Ludwig Bach (U D), Arthur Born(U I), Otto Giesen(O ID), Ulrich von Möllendorft(O II) u. a. mehr. Franz Calvelli-Adorno(U I) spielte zwei Stücke auf der Geige. Die Aufführung wurde vor einem zahlenden Publikum wiederholt und brachte einen guten Ertrag, der für Zwecke der Kriegsfürsorge verwandt wurde.

Am 22. Dezember fand die Weihnachtsfeier statt. Herr Herborn leitete den Chor; zwei Damen, Frau Reichwein-Herborn und Frau Gertrud Bäßgen, erfreuten uns, indem sie Weihnachtslieder von Cornelius und Stübing sangen; die von Schülern vorgetragenen Gedichte bezogen sich teils auf das Fest, teils auf das pedrohte Vaterland. Unter den Gästen waren mehrere frühere Schüler unserer Anstalt, die als Verwundete oder Verletzte hier weilten, 5 davon geschmückt mit dem Eisernen Kreuze. Nach einer kurzen Ansprache des Direktors schloß die Feier mit gemeinsamem Gesang des LiedesO du fröhliche, o du selige.

Die Neujahrsandacht hatte Herr Prof. Dr. Flechsenhaar übernommen. In der sich daran schließenden Ansprache warf er die Frage auf, wie sich die Schüler der großen Zeit würdig erweisen können: auf wirtschaft- lichem Gebiete und noch mehr auf ethischem Gebiete.Wer jetzt, wenn der Vater im Felde steht, mehr als sonst in eisernem Fleiß treue Pflichterfüllung und willige Entsagung übt, der Mutter gern gehorcht und sich der jüngeren Geschwister liebevoll annimmt, der stiftet in seiner Umgebung reichen Segen und erwirbt sich einen unverlierbaren Schatz fürs ganze Leben.

Am 9. Januar hielt Herr Prof. Dr. Knoegel eine Ansprache über das Thema:Was hat uns in diesem Kriege Tacitus' Germania zu sagen?In der heiligen Not der Zeit, davon ging er aus,besinnen wir uns auf unsre letzten Wurzeln, das Echte und Kernhafte in uns; wir wollen uns heute der Führung des Tacitus anvertrauen, insoweit wir aus seiner Germania das Wesen des Germanen erschließen können, vor allem diejenigen Seiten, die der Bedeutung des Germanentums in der Weltgeschichte ihr charakteristisches Gepräge geben. Er sprach von der Gottesauffassung der Germanen, ihren sittlichen Anschauungen, der Wehrhaftigkeit des Mannes, der Gefolgstreue, endlich von der von Tacitus gerügten Uneinigkeit, die heute in großer Zeit überwunden sei. Er schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß in den beiden Klassen, in denen er jetzt die Germania gelesen habe, der gesteigerte Ton, auf den die Schrift gestimmt sei, der sichere und tiefe Blick für die letzten Kräfte des Germanentums, die unverkennbare Ahnung seines weltgeschichtlichen Berufs, im Einklang mit der Hoch- spannung vaterländischer Gefühle, wie sie heute auf Jung und Alt in gleicher Stärke einströmten, für alle Beteiligten ein dauerndes Vermächtnis sein möge.(Die Rede ist abgedruckt in der Konserv. Monatsschrift.)

Die Kaiser-Geburtstagsfeier fand am Nachmittag des 26. Januars statt. Der Grundgedanke war, den Charakter des großen Krieges in Gedichten und Prosastücken zum Ausdruck zu bringen, die durch Schüler vorgetragen wurden; die Auswahl hatte Herr Prof. Dr. Sprengel getroffen, der auch sämtliche Vor- bereitungen übernommen hatte. Die Schlußansprache hielt der Direktor; er redete über die großen Eigenschaften unseres Kaisers. Das Programm war folgendes:

I. Deutschlands Kaiser und Volk im Weltkrieg: 1. Lied(Chor)Der Herr ist mein Hirt. 2. Die Thronrede des Kaisers(Georg Ellmer, U I). 3. Lied(Chor)Was ist des Deutschen Vaterland? II. Deutschland und Oesterreich im Weltkrieg: 4.Reiterlied von Gerh. Hauptmann(Kerber, U II);Der deutsche Feldpost- gruß von Rud. Alex. Schröder(Sachs, U II);Bundesweihe von Rich. Schaukal(v. Arnim, U II); 5. Lied(VI)