Jahrgang 
1914
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Herr Professor Dr. Fischer mußte wegen Erkrankung zu Beginn des Jahres um Entlastung bitten, die ihm auch von den Behörden gewährt wurde. 4 Stunden Mathematik in Quarta übernahm Herr Kandidat des höheren Lehramts Dr. Großkurth, 2 Stunden Naturkunde in derselben Klasse Herr Kand. d. h. L. Mies. Ferner erkrankte leider der eben bei uns eingetretene Herr Zeichenlehrer Moldenhauer. Er mußte zunächst vom Turnunterricht dispensiert und von Pfingsten bis zum Herbst ganz beurlaubt werden. Seine Vertretung übernahm im Zeichenunterricht Herr Fay, der uns bereits im vorigen Jahre ausgeholfen hatte, im Turnunterricht Herr Kand. d. h. Lehramts Schmidt. Auch im Winter konnte Herr Moldenhauer noch nicht die volle Arbeitslast übernehmen. Er erteilte 16 Stunden; den Turnunterricht mußte er aufgeben. Für das letzte Vierteljahr mußte Herr Gymnasial- lehrer Reil seines leidenden Gesundheitszustandes wegen beurlaubt werden. Seine Vertretung in Naturkunde (III, und VI) übernahm Herr Kand. d. h. L. Dr. Wenz, im Rechnen(V und VI) und in Naturkunde(V) Herr Kand. d. h. L. Scheibe, im Turnen Herr Kand. d. h. L. Schmidt.

In den beiden ersten Wochen des Winterhalbjahres war der Direktor beurlaubt, um an dem ersten geschichtlichen und staatswissenschaftlichen Fortbildungskursus für Oberlehrer teilzunehmen, der in Berlin stattfand.

Herr Kand. d. h. L. Eschelbach, der Ostern 1913 bei uns das Probejahr beendet hatte, verblieb zunächst auch ferner an der Anstalt, wurde aber im September zur Übernahme einer wissenschaftl. Hilfslehrerstelle nach Herzogenrath, Rheinpr. beurlaubt. Zur Ableistung des Probejahres wurden uns Ostern 1913 Herr Josef Kunz, im Herbst Herr Dr. Leonhard Eisner zugewiesen. Der erste erteilte im Sommer vornehmlich lateinischen, französischen, geschichtlichen und erdkundlichen Unterricht in IV, deutschen Unterricht in V und Turnunterricht in VI; im Winter deutschen Unterricht in V, erdkundlichen in IV, lateinischen in O III und griechischen in UIII. Herr Dr. Eisner gab griechischen Unterricht in UI, lateinischen in OII, geschichtlichen in O III, deutschen in IV und erdkundlichen in V.

Ostern 1914 wird im ÜUnterricht der Prima eine Anderung eintreten, die von einiger Bedeutung ist. Gestützt auf eine Bestimmung der Allgemeinen Lehrpläne, haben wir an die vorgesetzten Behörden die Bitte gerichtet, dem griechischen Unterricht, dem bisher 6 Stunden zugewiesen waren, 7 Stunden, dem lateinischen dagegen statt 7 nur 6 Stunden zuzuteilen, und unser Gesuch ist genehmigt worden. Der Antrag ist zunächst auf ein Jahr und für die Unterprima gestellt worden; doch hoffen wir, wenn sich die Einrichtung bewährt, sie auf den gesamten Primaunterricht erstrecken zu können und zu einer dauernden zu machen. Wir gehen von dem Wunsche aus, unsere Schüler in noch höherem Grade und in noch vertiefterer Behandlung, als es heute möglich ist, in die Schätze der griechischen Literatur einzuführen. Das Griechische ist auf dem Gymnasium neben dem Deutschen, der Religion, der Geschichte ganz besonders dazu berufen, den Schülern Anregungen zu geben, die in die Tiefen der Seele hinabreichen, ihnen Gedanken zu vermitteln, die sie dereinst zur Herausbildung einer eigenen Weltanschauung werden verwenden können; es ist in dieser Beziehung höher zu bewerten als das Lateinische. In erster Linie kommt es uns darauf an, die Lektüre Platons zu erweitern; weiter aber wird es möglich sein, auch größere Stucke von anderen griechischen Philosophen, als jetzt angängig ist, zunächst von Aristoteles, vielleicht auch von Epiktet und Mark Aurel in den Kreis der Lektüre hineinzuziehen. Zugleich wird sich die Möglichkeit ergeben, tiefer und gründlicher in die griechische Tragödie einzuführen und von den griechischen Lyrikern reichere Proben zu geben, als die jetzige Stundenverteilung gestattet. Andrerseits wird Vorsorge zu treffen sein, daß die Sicherbeit der Kenntnisse in der lateinischen Grammatik und Stilistik nicht gefährdet und daß das Wertvolle, was die lateinische Literatur Schülern bieten kann, auch ferner ausgeschöpft wird. Die Lektüre des Horaz und des Tacitus soll nicht geschmälert werden; von Cicero werden die philosophischen Arbeiten zu bevorzugen sein.

Am 9. August besuchte die gesamte Anstalt in zwei Abteilungen die Kriegsmarine-Ausstellung; am 10. Februar einen durch Lichtbilder erläuterten Vortrag über das Leipziger Völkerschlachtdenkmal. Am 22. August hielt Herr Dr. Johannes Werner(Abit. 1908) einen Vortrag vor Mitgliedern des Vereins ehemaliger Lessing- Gymnasiasten und Schülern unserer oberen Klassen über neuere Probleme der Erdbebenforschung, am 10. September Herr Dr. Ernst Majer-Leonhard(Abit. 1908) unter Vorzeigung von zahlreichen Lichtbildern über Phidias. Für die Schüler der oberen Klassen sämtlicher höheren Lehranstalten Frankfurts hielt Herr Dr. med. Eiermann am 12. Dezember in der Aula der Musterschule einen Vortrag über den Beruf des Arztes, am 9. Januar am selben Ort Herr Patentanwalt Dipl.-Ing. Weihe überDie akademisch-technischen Berufe. Alle diese Vorträge waren für unsere Schuler sehr anregend und lehrreich. Im Februar sprach Herr Dr. med. Bornemann wieder vor den meisten unserer Primaner in seiner warmherzigen Weise über die sexuellen Gefahren. Außerdem nahm im Laufe des Winters eine Anzahl von Schülern der höheren Klassen an Vorträgen teil, die Herr Dr. med. Gelhaar über die erste Hilfeleistung bei Unglücksfällen hielt, und die mit praktischen UÜbungen verbunden waren. Am 19. März endlich versammelten sich unsere Abiturienten mit denen der übrigen höheren Lehranstalten, um auf Anregung