Jahrgang 
1910
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Das Maifest wurde in gewohnter Weise durch Ausflüge der einzelnen Klassen am S. Juni begangen.

Das Schwimmfest fand in der Kleeblatt'schen Bade-Anstalt, wieder unter Leitung des Herrn Pro- fessor Michelis und unter Teilnahme vieler alter Schüler und Freunde der Anstalt, am 22. August statt. Zahlreiche Meldungen lagen vor, und eine lange Reihe von Preisen konnte verteilt werdeu. Die Meisterschaft und damit den von Herrn Provinzial-Schulrat Dr. Baier gestifteten Wanderpreis erwarb zum zweiten Male Max Maier(I1).

Das Sedanfest feierten wir auf dem uns von Herrn General von Bissing wieder gütigst zur Verfügung gestellten Rennplatz am Oberforsthaus. Unter Musikbegleitung zogen wir hinaus. Herr Oberlehrer Steiger hielt die Ansprache, die mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland endete. Es folgten Stabübungen der sechs oberen Klassen und darauf cein Wett-Turnen. Den ersten Preis errang sich Rudolf Siegert(Ia), den zweiten Karl Weinsheimer I, b). Beiden wurden aus der Baierstiftung wertvolle Bücher überreicht. Bei dem Wett-Turnen der höheren Schulen, das wie gewöhnlich im Herbst stattfand, erhielten die Schüler Heinrich Weinsheimer(I), Karl Weinsheimer(I b), Amandus Vogler(III!) und Giovanni Kayser(III) Preise.

Am 10. November begingen wir das Andenken Friedrich Schillers. An der städtischen Huldigungs- feier vor dem Schillerdenkmal nahmen teil der Direktor und eine Abordnung von drei Oberprimanern mit der Schulfahne, die am Schillertage 1859 gestiftet worden ist. Um halb zwölf Uhr vereinigten sich die Schüler und zahlreiche Freunde der Anstalt in der Aula. Herr Professor Dr. Schoenemann hielt die Ansprache. Er gab zunächst eine kurze Schilderung der Heimatstadt des Dichters. Marbach a. N., und insbesondere des dortigen Schillerhauses und-Museums. Darauf erinnerte er an die bevorstehende Jahrhundertfeier der Universität Berlin und Wilhelm von Humboldts Anteil an ihrer Gründung. Von hier aus wandte er sich seinem Thema zu, den Beziehungen Schillers zu W. v. Humboldt. Er skizzierte in Kürze den Entwickelungsgang des letzteren, schilderte seinen innigen persönlichen und brieflichen Verkehr mit dem Dichter und suchte zu zeigen, inwiefern der jüngere Freund auf Schillers Philosophie und Dichtung anregend und bedeutungsvoll gewirkt habe. Wie Humboldt das Wesen Schillers aufgefaßt und dargestellt habe, wurde an der Hand derVorerinnerung zu dem Briefwechsel nachgewiesen. Den Schluß bildete ein kurzer Hinweis auf die Humanitätsidee, wie sie sich in Schillers und Humboldts Denken gestaltet hatte.

Am Abend vor Beginn der Weihnachtsferien begingen wir wieder unsere aus Gesang, Deklamation und Vortrag von Instrumentalmusik bestehende Weihnachtsfeier.

Kaisers Geburtstag feierten wir in diesem Jahre in etwas anderer Form als sonst; als Festredner traten die Abiturienten Dönges, Bethge, Krebs, Laquer und Volger auf, von denen jeder über ein bestimmtes Stück aus der Geschichte Bismarcks berichtete. Auch die Deklamation bezog sich zum Teil auf die Persönlichkeit dieses Mannes. Das Hoch auf den Kaiser brachte der Direktor aus. Die uns zugewiesene Kaiserprämie wurde dem Abiturienten René Wallau, eine audere, uns bereits früher vom Kgl. Provinzial-Schulkollegium zugegangene Prämie dem Abiturienten Max Maier verliehen.

Die beiden Vereine früherer Schüler, der Verein ehemaliger Städtischer Gymnasiasten, zu dem auch die früheren Angehörigen des Goethe-Gymnasiums gehören, und der Verein ehemaliger Lessing-Gymnasiasten, veranstalteten mehrere Zusammenkünfte, und wir blieben mit ihnen in reger Beziehung. Der letztgenannte Verein veranstaltete insbesondere mehrere Vortragsabende und eine gröbere, stark besuchte gesellige Vereinigung, die durch eine wohlgelungene Aufführung eingeleitet wurde.

4. Prüfungen.

Zu Michaelis hatte sich ein Oberprimaner zur Prüfung gemeldet, der sie auch bestand. Den Vorsitz fuhrte der Direktor, als Vertreter des Kuratoriums war anwesend Herr Senior Professor D. Bornemann.

Zu Ostern hatten sich 25 Oberprimaner zur Prüfung gemeldet, welche die Prüfung bestanden, und von denen 12 von der mündlichen Prüfung befreit wurden. Den Vorsitz führte der Direktor, das Kuratorium wurde wieder durch Herrn Senior Professor D. Bornemann yertreten.