Jahrgang 
1909
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Am 21. August wurde im Auftrage des Kgl. Provinzial-Schulkollegiums durch Herrn Professor Jung aus Kassel der Zeichenunterricht einer Revision unterzogen.

Zu Michaelis wurde uns Herr Adalbert Grevel zur Ableistung des Probejahres zugewiesen; er erteilte im Winter physikalischen Unterricht in II, mathematischen und naturgeschichtlichen in III, und den deutschen Unterricht in IV.

Zu Beginn des Wintersemesters war der Direktor 3 Mal mit Schülern der oberen Klassen im Städelschen Museum, um ihnen die wichtigsten Stücke der Sammlung von Abgüssen antiker Bildwerke zu erklären. Am 20. November hielt er vor den Schülern der Prima, Sekunda und Obertertia einen Vortrag über den Freiherrn vom Stein und die vor 100 Jahren erlassene Städte-Ordnung; am 26. Junuar 1909 sprach er vor den Primanern und Sekundanern über Bismarcks Reichstagsrede vom 6. Februar 1888 und die damalige politische Lage. Im Mürz hielt Herr Professor Dr. Pelissier vor den Schülern derselben Klassen einen durch Lichtbilder erläuterten Vortrag über seine griechische Reise.

In der wissenschaftlichen Primanervereinigung, die im vorigen Jahre entstanden war, sind wiederum mehrere Vorträge, teilweise mit Lichtbildern, von Schülern gehalten worden: über die Entstehung der Stadt Frankfurt a. M., über Pheidias, Kaiser Heinrich IV., den Feldzug Napoleons von 1805, über das Luftschiff, über Felix Mendelssohn-Bartholdy. Drei Abiturienten haben größere freie Arbeiten eingereicht: über die Mathematik der Babylonier, über Walther von der Vogelweide, über Kaiser Heinrich IV.

Ferner ist zu berichten, daß sich neben dem Verein alter städtischer Gymnasiasten, welcher trühere Schüler des alten, ungetrennten städtischen Gymnasiums sowie der beiden daraus entstandenen Anstalten zu Mitgliedern zählt, im Laufe dieses Jahres ein Verein alter Lessinggymnasiasten gebildet hat, der sich ebenfalls das Ziel stellt, die Beziehungen untereinander und zur alten Schule zu pflegen und zu fördern, und gesellige sowie wissenschaftliche Veranstaltungen auf sein Programm gesetzt hat. Wir hoffen, mit beiden Vereinen rege und herzliche Beziehungen zu unterhalten.

2. Schulfeste.

Das Maifest wurde in gewohnter Weise durch Ausflüge der einzelnen Klassen am 2. Juni begangen.

Das Schwimmfest fand, wieder unter der Leitung des Herrn Professors Michelis, am 30. August unter lebhafter Beteiligung statt. Max Maier(Io) erwarb die Meisterschaft und erhielt den von Herrn Provinzial-Schulrat Dr. Baier von neuem gütigst gestifteten Wanderpreis.

Der für das Sedanfest in Aussicht genommene Ausflug nach Cronberg mufte leider des schlechten Wetters wegen aufgegeben werden. Statt dessen hielten wir eine Feier in der Aula, bei der Herr Oberlehrer Dr. Werner die Ansprache hielt. Die uns auf Befehl Sr. Majestät zugewiesene Prämie, Berners Geschichte des Preubischen Staats, wurde dem Untersekundaner Werner Thormann zugewiesen.

Bei Gelegenbeit des hier gefeierten Xl. Deutschen Turnfestes beteiligte sich die Anstalt an den gemeinsamen Freiübungen der Frankfurter Schulen, die am 14. Juli stattfanden; auch an der Wiederholung am 22. Juli nahm ein Teil der Schüler teil. Eine aus Schülern der Prima und Sekunda zusammengesetzte Mannschaft errang am 13. und am 16. Jali je einen Sieg im Schlagballwettspiel. Bei den Wettspielen der höheren Schulen, die im September stattfanden, errang die Mannschaft des Lessing-Gymnasiums im Eilbotenwettlauf den ersten Preis. Bei dem Wettrudern der Schüler höherer Lehranstalten, das, veranstaltet vom hiesigen Ruderverein, am 23. August auf dem Maine stattfand, fiel einem von den Schülern Roedig Ia, H. We insheimer Ia und v. Pelzer IInb bemannten Zweier ein Preis zu.

Eine Sammlung für die Zeppelinspende unter Lehrern und Schülern ergab den Betrag von 325 Mark.

Am 14. September gedachten wir in einer Schulfeier der am 13. September 1808 gestorbenen Mutter Goethes. Der Oberprimaner Walter Knoegel hielt eine Ansprache über ihre Persönlichkeit, vornehmlich unter Benutzung ihrer Briefe; ein Gedicht von Wilhelm Jordan auf ihr Grab wurde, mit Auslassungen, vorgelesen; Mozart'sche Musik leitete die Feier ein und schloß sie.

Am Samstag, den 14. November fand nach alter Sitte wieder eine musikalisch-dramatische Aufführung statt. Wir hatten die Antigone in der Übersetzung von Adolf Wilbrandt gewählt; wieder hatte das Mitglied des hiesigen Schauspielhauses, Herr Matthieu Pfeil, die Einstudierung des Stückes übernommen, während Herr Ferdinand Küchler, wie bisher, unser Schülerorchester leitete. Beiden Herren sind wir für die Hingabe, mit der sie ihre reiche Ertahrung in den Dienst der Sache stellten, und die freundliche, liebenswürdige