Jahrgang 
1908
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III. Chronik.

I. Lehrerkollegium. Unterricht.

Das Schuljahr begann am 9. April. Die Zahl der Klassen betrug 11; Unterprima und Untersekunda waren geteilt.

Als Aushilfsoberlehrer war uns Herr Oberlehrer Hertting zugewiesen, der vorher an dem Real- gymnasium in Witten a. d. Ruhr tätig gewesen war..

Während einer militärischen UÜbung, die vom Anfang des Schuljahres an bis zum 8. Mai dauerte, wurde Herr Professor Michelis durch den uns zugewiesenen Herrn Probekandidaten Hentschel vertreten.

Herr Professor Dr. Knoegel mußte wegen Erkrankung von Anfang des Schuljahres an bis zum 17. Mai dem Unterricht fernbleiben; seine Vertretung wurde von Mitgliedern des Lehrerkollegiums übernommen.

Herr Oberlehrer Ankel nahm vom 21. bis 30. Mai an einem archäologischen Kursus in Bonn und Trier teil.

Im Mai und Juni wurde der evangelische Religionsunterricht von Herrn Oberkonsistorialrat D. Ehlers einer Revision unterzogen.

Für das Winterhalbjahr wurde Herr Oberlehrer Dr. Werner beurlaubt zum Zwecke eines Studien- aufenthalts in Frankreich. Zu seiner Vertretung wurde uns Herr Aushilfsoberlehrer Dr. Perdisch zugewiesen.

Herrn Professor Dr. Jungblut wurde ein vierwöchiger Urlaub zu einer Reise nach Rom und Neapel bewilligt; seine Vertretung übernahm das Kollegium.

Am 8. und 9. Dezember fanden wie bereits im vorigen Jahre französische Theateraufführungen unter der Leitung des Herrn Theaterdirektors Roubaud für die Schüler und Schülerinuen der hiesigen höheren Lehr- anstalten in der Aula des Lessing-Gymnasiums statt. Es wurden gegeben:Le bourgeois gentilhomme,Les précieuses ridicules undLe gendre de Mr. Poirier.

Von Ostern 1908 ab hört Herr Dr. Höxter auf an unsrer Anstalt israelitischen Religionsunterricht zu erteilen. Die Anstalt schuldet ihm für seine treue und eifrige Tätigkeit vielen Dank. Seine Stunden übernimmt Herr Rabbiner Dr. Lazarus.

Herr Professor Dr. Pelissier hielt im Dezember vor den Schülern der oberen Klassen einen Vortrag über die Frankfurter Landwehr; Herr Professor Michelis erläuterte ihnen im Januar die Wandtafeln zur Alkoholfrage, die Kraepelin und Gruber herausgegeben haben. Ferner sprach Herr Dr. Geisow, ein früherer Schüler des Städtischen Gymnasiums, vor unsern Schülern einmal über das Radium, ein zweites Mal über Dante, wobei er eine Reihe von Stellen aus seiner eigenen Übersetzung des Dichters rezitierte. Die Anstalt ist den vortragenden Herren zu lebhaftestem Danke verpflichtet.

Zu Beginn des Schuljahres hat sich eine Wissenschaftliche Primaner-Vereinigung gebildet, in der Vorträge gehalten und besprochen werden. Die Zusammenkünfte sind zwanglos; ein Vorstand steht an der Spitze, bei dem die Vorträge angemeldet werden. Der Zweck ist, ein freies, lebendiges wissenschaftliches Interesse anzuregen und zu fördern. Die im Laufe des Jahres gehaltenen Vorträge bezogen sich teils auf geschichtliche Dinge(z. B. die Schlacht bei Mars-la-tour, 1848, Oliver Cromwell), teils auf naturwissenschaftliche(die Ent- stehung des Lebens, nach Reinke; die Schlafkrankheit, mit Lichtbildern), teils auf kunstgeschichtliche(Böcklin, mit Lichtbildern), auf Literaturgeschichtliches(Grillparzer), auf Koloniales(Südwestafrika, mit Lichtbildern); auch z. B. über die Entwickelung der Stenographie und über moderne Schußwaften wurde gesprochen. Wir hoffen, daß diese Einrichtung sich weiter ausbauen lassen und zur Förderung des geistigen Lebens unter den unserer höheren Klassen dienen wird.

Damit steht im Zusammenhange, daß mehrere der diesjährigen Oster-Abiturienten freie Arbeiten ein- gereicht haben, teils über literarische Themen(Tasso, Faust II. Teil, Novalis, Werther), einer auch über ein philosophisches Thema(Der Aufbau von Kants Ethik).

Der stenographische Unterricht wurde wieder von Schuülern erteilt, Carl Dönges(II!) und Heinz Laquer(II1); es bestanden 3 Übungsabteilungen. Die Zahl der stenographierenden Schüler der Austalt beträgt 69( 23%).

Schülern