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Am 21. November 1905 waren 100 Jahre verflossen seit der Geburt des hervorragenden Schulmannes und Gelehrten Johannes Classen, der von 1853— 64 an der Spitze des städtischen Gymnasiums gestanden und bei seinen Schülern ein reiches Maß von dankbarer Verehrung hinterlassen hat. Seine Söhne schenkten der Anstalt sein Bild, für das wir auch an dieser Stelle den lebhaftesten Dank aussprechen.
Am 5. Juni starb der Sextaner Hans Neubauer bei einer Operation des Blinddarms. Die Schule hielt eine Trauerandacht ab, bei der Herr Oberlehrer Schuster Worte des Gedächtnisses sprach; an der Beerdigung nahm ein großer Teil der Schulgemeinde teil. Er hatte ein fröhliches, inniges, liebevolles Gemüt.
Im August hielt Herr Rentier Padjera vor Schülern unserer oberen Klassen einen sehr anregenden Vortrag über ein von ihm selbst hergestelltes Modell der Wartburg und über Burgenbau überhaupt. Der hiesige Kunstverein gestattete in zuvorkommender Weise, daß unsere Schüler kostenfrei zuerst eine Ausstellung Menzel'scher Bilder und Handzeichnungen, dann die Steinhausen-Ausstellung besuchen durften. In der letzten Schulwoche vor Weihnachten sprach Herr Dr. med. Amelung aus Königstein in eingehender und lehrreicher Weise über die verderblichen Folgen des Mißbrauchs des Alkohols. Herr Oberlehrer Ankel hielt im Laufe des Winters 6 Vorträge über die Baukunst des Mittelalters, die durch Lichtbilder erläutert und von einer Ausstellung von Abbildungen begleitet waren und den Hörern vielfältige Anregung boten. Für alle diese Darbietungen wird der aufrichtige Dank der Anstalt ausgesprochen.
För stenographischen Unterricht(System Stoltze-Schrey) bestanden im Winter mehrere Schüler- abteilungen, die unter der Leitung der Schüler Laquer(I.b), Maier(Ieb) und Bonnet(IIi) standen.
II. Schulfeste.
Am 9. Mai' 1905 feierte das Gymnasium das Gedächtnis Friedrich Schillers. Die Festrede hielt Herr Oberlehrer Dr. Sprengel; er suchte die Bedeutung der Schillerfeier in der Gewinnung eines persönlichen Verhältnisses zu diesem großen Genius und entwarf in grossen Zügen ein Bild seiner Persönlichkeit und seiner in der idealen Vereinigung von Freiheit und Sittlichkeir wurzelnden Weltanschauung; insbesondere wurde für die Jugend der junge Schiller gezeichnet. Der Chor sang Chöre aus der Romberg'schen Glocke, die übrigen Teile des Gedichtes wurden deklamiert.
Das Maifest fand am 23. Mai statt; in gewohnter Weise machten die Klassen Ausflüge in die Umgegend.
Auch in diesem Jahre fand ein Wettschwimmen statt, es wurde im August unter der Leitung des Herrn Oberlehrers Michelis in der Kleeblatt'schen Badeanstalt abgehalten; die Meisterschaft erwarb, wie 1904, Rehorn II.
Mit dem zu Frankfurt abgehaltenen Kongress für Volks- und Jugendspiele war am 16. September cine Vorführung von Turnspielen verbunden, die unter der Oberleitung des Herrn Turninspektors Weiden- busch stand und an der sich auch das Lessinggymnasium beteiligte. An den Wettspielen, die sich daran an- schlossen, nahmen drei Abteilungen unsrer Schüler teil, eine für Fussball, eine ältere und eine jüngere für Schlagball; unsere Anstalt erhielt den zweiten Preis. In dem Wettturnen, das einige Tage später statt- fand, erhielten folgende Schüler Preise: Meisner(Iia), Bailly(L.a), Stein(I.b), Götze(II!), Forell(III).
Am 1. und 2. September machten die drei oberen Klassen unter Führung der Herren Professor Dr. Knoegel, Professor Dr. Fischer, Oberlehrer Michelis, Turnlehrer Reil und des Direktors eine zwei- tägige Turnfahrt. Wir fuhren mit der Bahn über Wiesbaden nach Zollhaus und wanderten über Katzen- ellenbogen und durch das Jammertal nach der Arnsteiner Mühle, wo wir den Abend und die Nacht zubrachten. Am nächsten Morgen gingen wir das Lahntal abwärts nach Nassau; am Denkmal des Freiherrn vom Stein hielten wir unsere Sedanfeier ab, indem wir der Persönlichkeit des großen deutschen Staatsmannes gedachten. Dann zogen wir über die Höhe nach Braubach, machten hier kurze Rast, setzten über den Rhein und erreichten Boppard, wo ein fröhliches Mittagessen stattfand. Gegen Abend kehrten wir mit der Bahn zurück.
Für die übrigen Klassen fand am 1. September in der letzten Vormittagstunde eine Sedanfeierstatt, bei der Herr Oberlehrer Dr. Flechsenhaar eine Schilderung der Ereignisse des 1. u. 2. September 1870 gab.
Am letzten Abend vor dem Beginn der Weihnachtsferien begingen wir bei Chorgesang, Deklamation und musikalischen Vorträgen vor dem brennenden Lichterbaum unsere Weihnachtsfeier.


