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III. Chronik.
I. Unterricht, Veränderungen im Lehrerkollegium.
Am 1. Mai begann das Schuljahr. Zugleich trat der neue Direktor Dr. Neubauer sein Amt an. Der Direktor des Königlichen Provinzial-Schul-Kolleginms zu Kassel, Herr Ober- und Geheimer Regierungsrat Dr. Paehler fuhrte ihn vor der versammelten Schulgemeinde mit einer Ansprache ein; er erinnerte an die Pflichten des Direktors, vornehmlich betonte er die Einheitlichkeit des Unterrichts. Nach ihm nahm der Vertreter der städtischen Behörde, Herr Stadtrat Grimm das Wort, um den neuen Direktor zu begrüssen. In seiner Antrittsrede sprach dieser den Staatsbehörden und dem Magistrat der Stadt Frankfurt für das ihm entgegen- gebrachte Vertrauen ehrerbietigen Dank aus und versuchte sodann den Inhalt des Begriffes Bildung, insbeson- dere das Bildungsziel höherer Lehranstalten darzulegen.
Dr. Friedrich Neubauer ist geboren im Februar 1861 zu Erfurt, besuchte das dortige Gym- nasinm und bestand zu Ostern 1878 die Reifeprüfung. Er studierte darauf 4 Jahre lang zu Halle a. S. klassische Philologie, Geschichte und Erdkunde, promovierte am 1. April 1882 und bestand das Staats- examen im Januar 1883. Das Probejahr leistete er von Ostern 1883 bis 1884 an der Lateinischen Haupt- schule der Francke'schen Stiftungen zu Halle ab, wurde an derselben Anstalt Ostern 1884 wissenschaftl- Hilfslehrer und Ostern 1885 ordentlicher Lehrer. Den Winter 1885/86 brachte er in Italien, vornehmlich in Rom zu. Michaelis 1895 übernahm er die Leitung der Pensionsanstalt der Francke'schen Stiftungen. Ostern 1899 wurde er zum Mitglied der wissenschaftlichen Prutungskommission für das höhere Lehramt zu Halle ernannt. Ostern 1903 wurde er als Direktor an das Königl. Gymnasium nebst Realschule zu Landsberg a. W. berufen.— Er hat verfasst eine Biographie des Freiherrn von Stein(1894); ein Lehrbuch der Geschichte in 5 Bänden;„Volkswirtschaftliches im Geschichtsunterricht“(1894); den Artikel über Methodik des Geschichtsunterrichts in Reins Encyclopädie der Pädagogik;„Die Zukunft des Gymnasiums“ (1900);„Was ist Deutsch?“(1903).
Die Mehrstunden, die durch die Teilung der Untersekunda sich ergaben, übernahmen im Sommer drei Mitglieder des mit dem Goethe-Gymnasium verbundenen Seminars, die Herren Keppler, Lieberknecht und Schieck. Zu Michaelis wurde uns der Aushilfsoberlehrer Herr Dr. Kähler überwiesen, der bisher an der Liebig-Realschule tätig gewesen war.
Herr Professor Dr. Berch hatte leider das Unglück, sich zu Anfang November bei einem Falle nicht unerheblich zu verletzen, und war gezwungen den ÜUnterricht auszusetzen; als sich gesteigerte Nervosität und Schlaflosigkeit als Begleiterscheinungen des Leidens geltend machten, musste er für den Rest des Schuljahres um Urlaub einkommen, der ihm von den vorgesetzten Behörden bewilligt wurde. Ihn vertrat im November Herr Kand. d. h. Sch. Schieck; vom 1. Dezember ab übernahmen die Herren Professor Dr. Jungblut, Oberlehrer Dr. Sprengel, Oberlehrer Dr. Werner und Oberlehrer Dr. Kähler den gröbßeren Teil seines Unterrichts; einige seiner Lehrstunden erteilte Herr Kand. d. h. Sch. Neppler, der zugleich zur Entlastung der genannten Herren herangezogen wurde.
Zu Ostern 1906 wird uns nun Herr Professor Dr. Berch endgültig verlassen. Er hat seine Versetzung in den Ruhestand beantragt, und sein Antrag hat die Genehmigung der vorgesetzten Behörden gefunden. Von 1864— 1865 war er an der Domschule zu Schleswig, von 1865— 1876 an der Kieler Gelehrtenschule tätig gewesen. Als bewährter, in der Schule von Georg Curtius herangebildeter Philologe, als tüchtiger Kenner der griechischen Tragiker wurde er 1876 an das städtische Gymnasium nach Frankfurt berufen und hat 30 Jahre an unserer Anstalt gewirkt. 1890 erhielt er den Professortitel, 1902 den roten Adlerorden IV. Kl. Wenn er uns jetzt verläßt, so darf er dessen gewiß sein, daß ihm die Anstalt ein dauerndes, ehrendes Andenken bewahren wird; seine Gewissenhaftigkeit im Beruf, seine treue und gütige Fürsorge für die Schüler, sein zuverlässiger Charakter, seine große Liebenswürdigkeit im Umgang werden nicht vergessen sein. Seine Majestät der König hat ihm bei
seinem Scheiden aus dem Dienst den Kronenorden III. Kl. verliehen. 4*


