Jahrgang 
1915
Einzelbild herunterladen

Prüfungen. Revisionen.

: 24

Und dann zuletzt: wir werden groß, indem wir deutsch werden. Ich kanns nicht ver- gessen: die Regimenter unserer Jungens die in den Tod stürmten mit demDeutschland, Deutsch- land über alles. Aber ob sie nun singen oder stürmen, die Zähne zusammenbeissen, Alte oder Junge, sie fühlen ohne Unterschied: Deutschland über alles.

Und wir wollen ihnen nicht nachstehen in der Deutschgesinnung. Unsere Sprache wollen wir reinhalten, stramm die Fremdwörter hinausschmeißen und da lieber etwas zu viel

tun als zu wenig. Deutsche Ware, deutsche Mode, deutsche Namen wollen wir allem andern vorziehen;

nicht immer wieder etwas köstlich finden, weils weit her ist; die Heimat fürs Höchste halten und was sie kervorbringt.

Deutsehes Wesen endlich, deutsche Kultur wollen wir immer völliger zu erfassen suchen. Luther, Kant, Goethe, Bismarck: die Wege wollen wir nachgehen, die sie gegangen sind, gegangen zu Gott, gegangen zur Welt, die sie gegangen sind zur deutschen Frömmigkeit, zur deutschen Sittlichkeit, zur deutschen Schönheit und Weisheit, zur deutschen Tat. Was wir ererbt von diesen Vätern haben, ringen wollen wir, es immer tapfer zu erfassen, daß wir wahrhaft deutsch werden und damit wahrhaft groß.

Das also sollen wir tun, die wir hierbleiben müssen: stark werden, vertrauen, geben, innerlich groß werden, das heißt einig, tief und endlich deutsch.

Neben diesen vielfachen Anregungen, die die ernste Zeit verlangte und die sicher für das empfängliche Gemüt der Jugend von bleibendem Werte sein werden, traten die Veranstaltungen zur wissenschaftlichen und künstlerischen Förderung der Schüler zurück. An den englischen Konversationsübungen, die von dem uns über- wiesenen Lehramtsassistenten Mr. Musgrave nach Ostern abgehalten wurden, hatten sich 60 Schüler der Oberklassen beteiligt. Nachdem England uns so schnöde den Krieg erklärt hatte, wurde Mr. Musgrave entlassen. Die von der Neusprachlichen Ver- einigung in früheren Jahren veranstalteten Vorträge fielen aus. Von der den Schülern gewährten Vergünstigung, die Aufführungen im Opern- und Schauspielhaus zu ermäßigten Preisen zu besuchen, wurde wiederholt Gebrauch gemacht. Der Physikalische Verein und die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft gewährten den Schülern der Oberklassen zu einigen ihrer Vorträge wieder freien Eintrittt.

Zu der durch den Herrn Minister angeordneten Notprüfung meldeten sich fast alle Oberprimaner. Am 7. August unterzogen sich Fassbender, Kern, Quehl, Sticherling, am 9. August Ringleb, der schon in Uniform war, mit Erfolg der mündlichen Prüfung. Vom 7. bis 11. August fand die schriftliche Prüfung für 21 Schüler statt, die sich als Kriegsfreiwillige mit Einwilligung der Eltern gemeldet hatten. Am 13. August legten sie die mündliche Prüfung ab und bestanden sämtlich. Am 9. Januar unterzogen sich die bei der Artillerie in Mainz eingetretenen Schüler Emge und Schilling der mündlichen Prüfung, desgleichen am 16. Januar Wernecke. Für die übrig gebliebenen 7 Primaner, von denen einer schon erfolgreich die Notprüfung abgelegt hatte, fand die schriftliche Prüfung von 8. bis 12. Februar statt. Die mündliche Prüfung wurde unter dem Vorsitz des Königlichen Kommissars, des Herrn Geheimen Regierungsrats Dr. Kaiser, am 2. März abgehalten. Als Vertreter der Stadt wohnte der allgemeinen Beratung Herr Stadtschulrat Dr. Lüngen bei. Sämtliche Schüler bestanden; fünf konnten von der mündlichen Prüfung befreit werden.

Am 23. Februar fand eine Revision des Zeichenunterrichts durch Herrn Professor Jung aus Cassel statt.