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Unseren ringen in dunkler, kalter, mühseliger Nacht? Wahrhaftig, nein! Wer ist denn besser dran? Wir etwa? die wir zu Hause bleiben müssen und schreiben und reden und lehren und lernen und rechnen und verwalten und sind doch nur mit halbem oder gar zerrissenem Herzen dabei und fluchen, daß wir zu jung sind oder zu alt oder aus irgend einem anderen Grunde nicht felddienstfühig; und dabei geht einem immer das Lied in der Seele herum:„Kein schönrer Tod ist in der Welt als wie vom Feind erschlagen“. Nein, bei Gott! glücklich sind, die draußen sein dürfen, die nicht viel denken, reden, schreiben dürfen, sondern tun, die im Kampf sich hingeben dürfen, die in Märschen, Entbehrungen, im Grauen sich opfern dürfen fürs Vaterland; und wenn sie bluten, gefangen werden, sterben— es ist so schlicht, wie alles Große schlicht ist, zo herz- befreiend.
Was sollen wir also tun? Zuerst alle weichlichen Gefühle aus der Seele reissen. Für weiche Gefühle ist jetzt nicht die Zeit: keiner gehört jetzt sich selbst an, nicht seiner Freude und auch nicht seinem Schmerz.
Was sollen wir weiter tun? Wir, die zu Hause bleiben müssen? Wir sollen den Kämpfern draußen helfen. Und das kann auf mancherlei Weise geschehen.
Einmal dadurch, daß wir denen draußen vertrauen. Vertrauen haben, wenn Siege ge- meldet werden, das kann jeder; wir müssen auch vertrauen, wenns einmal stockt, ja, selbst wenn Schlappen gemeldet werden. Angstliches Raunen steckt Zehntausende an. Fort damit. Hinter unsern Heeren muß ein Volk stehen, das an sie glaubt und an ihren Sieg. Und das ist so leicht für uns: wir wissen, wen wir hinausgeschickt haben, wir kennen die Männer und ihre Führer, wir kennen unsere gerechte deutsche Sache. Fort also mit dem ängstlichen Raunen, und fröhlicher Glaube in jedes Herz. Das wird unseren Soldaten wie ein Lichtmeer sein, das seine fröhlichen Strahlen in ihre Herzen gießt, sie froh und stark macht.
Aber nicht nur für ihre Seelen wollen wir tun, auch für ihre Leiber.— Warmes Unter- zeug wollen wir schaffen, Schokolade, Tabak, Strümpfe, Briefpapier usw. Wir wollen das heute Abend schaffen, insbesondere für unser Regiment 223. Und für solch ein ganzes Regiment brauchts heidenmätig viel Geld: 4-5000 Mark und noch mehr. Hernach soll gesammelt werden. Ich glaube nicht, daß einer stöhnen wird über das»ewige Geben“. Unser Bestes haben wir ja schon hin- gegeben, unsere Jungens, Brüder, Väter. Was verschlägt da das Geld, das wir ihnen und ihren Kameraden nachsenden wollen?
Aber weiter: Was sollen wir tun? Am Ende dieses Krieges liegt, wie wir unverrickbar glauben, der Sieg, und hinter dem Siege der Friede, und hinter dem Frieden die Heimkehr. Zehn- tausende kommen nicht wieder— gewiß, aber Millionen kehren zurück. Sie haben dem Tode ins Auge gesehen, ihnen hat sich das große, gigantische Schicksal gezeigt, das den Menschen erhebt, wenn es den Menschen zermalmt. Und mancher ist doch innerlich ernst, schwer, groß geworden in dem furchtbar großen Geschehen draußen. Und wenn die nun heimkommen, dann sollen sie hier ein nicht minder großes Geschlecht vorfinden. Und wie werden wir hier inner- lich groß?
Zuerst: indem wir einig werden.— Draußen liegt reich und arm, gebildet und weniger gebildet, Katholik und Evangelischer und Jude, Sozialdemokrat und Konservativer— alles liegt nebeneinander im Schützengraben, stürmt, marschiert, leidet nebeneinander. Unterschiede gibts nicht, alles ist ein Gedanke, eine Tat, ein Leben, ein Tod. Das soll so bleiben; wenn sie heim- kehren, da dürfen sie das alte Elend nicht wieder finden, daß Kaste, Partei, Konfession uns Deutsche auseinander zerren wie in fremde, feindliche Völker. Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern.
Dann werden wir groß, indem wir tief werden.— Die draußen spüren, wie das Einzel- leben ein Nichts ist und wie es Bedeutung nur gewinnt, wenn es mit ewigem Grunde zusammen- hängt. Nennt den, wie Ihr wollt. Nur fühlt, daß wir Einzelnen aus Ewigem kommen und zu Ewigem wandern. Daß keiner für sich da ist, jeder nur für andere und für ein unfaßlich Un- endliches vor und mit und nach uns. Unsere Feldgrauen draußen spürens; laßt uns schaffen, daß wirs auch spüren.


