Jahrgang 
1914
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Morgen gingsin die Schule. Unseren Schülern fiel besonders auf, daß die Schule erst so spät beginnt, daß die Schüler in der Klasse beim Antworten nicht aufstehen, und daß viele Schüler sehr leise sprechen. Am nächsten Morgen folgten die Be- sichtigungen des Towers und der Tower Bridge unter sachkundiger Führung. Da- nach kam der Höhepunkt der ganzen Veranstaltungen, die Einladung zum Lunch in der Guildhall(dem Rathaus der Londoner City) durch Sir Charles Wakefield, einen Alderman der City. Dieser Herr, dem als Großkaufmann gute Beziehungen zwischen Deutschland und England sehr am Herzen liegen, geht von dem richtigen Standpunkt aus, daß man schon die heranwachsende Jugend miteinander bekannt machen muß, damit keinerlei falsche Vorurteile gegen das fremde Land entstehen. Außer unseren Schülern und denen der K. C. S., die in Frankfurt waren, waren Schülervertreter der großen Londoner Schulen eingeladen. Unter den sonstigen An- wesenden waren viele Freunde von Sir Charles, englische Generäle, Parlamentarier, Geistliche, ein Vertreter der deutschen Gesandtschaft und der deutsche Generalkonsul, Direktoren einiger großer Londoner Schulen und viele Zeitungsvertreter, darunter auch Vertreter deutscher Zeitungen. Auf die herzliche Begrüßungsansprache des Gastgebers, in der er die Bedeutung derartiger Schülerfahrten hervorhob, dankte ich, indem ich einen kurzen Überblick über die Entstehung des Schüleraustausches zwischen England und Frankfurt gab und die Hoffnung aussprach, daß bald mehr Londoner Schulen einen derartigen Schüleraustausch mit deutschen Schulen ein- richten möchten. Nach heræzlicher Verabschiedung trennten wir uns von unseren freundlichen Gastgebern. Nach der Besichtigung der Guildhall und der St. Paul's Cathedral, von deren Kuppel wir einen herrlichen Blick über London hatten, folgten wir einer Einladung zum Tee beim Lord Mayor(Oberbürgermeister) von London im Mansion House.

5 Am Donnerstag Nachmittag hatte Mrs. Brown zu einemGartenfest einge- laden. Leider regnete es, und das Gartenfest konnte nicht stattfinden. Aber trotzdem fühlten wir uns alle in den behaglichen Räumen des großen Hauses bei Tee, froher Unterhaltung, Gesang und Tanz sehr wohl. Abends waren wir im Theater auf Ein- ladung von Sir Edgar Speyer. Man spielteA Tale of two Cities. Martin Harvey, ein alter K. C. S. boy, spielte die Hauptrolle. Nach der Vorstellung bewillkommnete er uns sehr herzlich auf der Bühne. Am Freitag Nachmittag besuchten wir den Kgl. Marstall und waren zum Tee in den Kgl. Automobilklub eingeladen, dessen prächtige Klubräume uns gezeigt wurden.

Am Samstag hieß es Abschied nehmen von unseren gütigen Gastgebern. Man hatte uns von Anfang an aufs herzlichste empfangen. Die Tage, die unsere Jungen in London verbrachten, werden ihnen unvergeßlich bleiben. Es wurde ihnen ein glänzender, man könnte fast behaupten, zu glänzender Empfang bereitet. Sie hatten Gelegenheit, einen Blick in das englische Familienleben zu tun, sie lernten aus eigner Erfahrung mancherlei von den Sitten und Gebräuchen des englischen Volkes kennen, sie hatten ferner Gelegenheit, Vergleiche zu ziehen zwischen einem mächtigen, fremden Land und ihrem eignen, sie konnten die in der Schule erworbenen Sprachkenntnisse verwerten und erweitern und fanden dabei zugleich auch den