Jahrgang 
1887
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19 III. Chronik der Anstalt.

Das Schuljahr 1886 87 nahm Montag den 3. Mai 1886 seinen Anfang mit der Aufnahme- Prüfung der neuangemeldeten Schüler. Wegen des ausnahmsweise späten Fallens des Osterfestes war die Dauer der Osterferien auf 2 ½ Woche ausgedehnt, wogegen zu Pfingsten nur am ersten und zweiten Feiertage der Unterricht ausgesetzt wurde. Die Sommerferien dauerten vom 4. Juli bis 1. August, die Herbstferien vom 26. September bis 10. Oktober, die Weihnachtsferien vom Mittag des 23. December 1886 bis 6. Januar 1887 inclus.

DasMaifest wurde am 21. Mai durch Spaziergänge in den Wald oder nach etwas weiter ent- fernten Punkten der Umgegend gefeiert. Wegen zu groſser Hitze muſste der Nachmittagsunterricht ausgesetzt werden am 10., 23., 26., 27., 30., 31. August und 6. September. Behufs Förderung des Schlittschuhlaufens wurde freigegeben der Nachmittag des 13. Januar und der des 1. Februar.

Am 3. September fiel der Unterricht wegen der an diesem Tage stattfindenden mündlichen Abi- turienten-Prüfung aus.

Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde am 22. März 1886 durch eine Schulfeier in üblicher Weise mit Festrede, Gesängen und Deklamationen festlich begangen. Die Festrede hielt Herr Oberlehrer Dr. Brittner. Der Sédantag wurde auch im verflossenen Schuljahre durch Ansprachen, Gesänge und Probe- Turnen mehrerer Klassen gefeiert. Der Schule wurde dieses Mal die Ehre zu Teil, dieses patriotische Fest unter der Teilnahme des Herrn Provinzial-Schulrat Dr. Lahmeyer zu feiern, welcher um diese Zeit be- hufs Abhaltung der Abiturienten-Prüfungen in Frankfurt weilte. Derselbe hatte die Schule bereits am 8. und 9. Juni behufs einer eingehenden Revision mit seiner Anwesenheit beehrt und hielt an dem auf das Sédanfest folgenden Tage die erste Entlassungs-Prüfung bei uns ab. Bei jeder dieser Gelegenheiten hatte die Schule Ursache, dem Herrn Provinzial-Schulrat nicht nur für das ihr erwiesene Wohlwollen, sondern auch für so manche wertvolle Anregung ihren Dank abzustatten.

Was die Veränderungen im Lehrer-Kollegium betrifft, so ist über die aus Gesundheits-Rücksichten erfolgte Pensionierung des Herrn Kreidel schon im vorigen Programm berichtet worden. Leider muls ich hinzufügen, daſs der Krankheit, welche ihn im Frühjahr 1885 befiel, seine sonst so kräftige Consti- tution, nach einigen Schwankungen, auf die Dauer nicht Widerstand zu leisten vermochte. Er erlag derselben wenige Monate nach dem Eintritte in den Ruhestand und wurde am 18. August von einem zahlreichen Gefolge seiner früheren Kollegen und Schüler zur ewigen Ruhe geleitet. Herr Oberlehrer Dr. Fritsch gab am Grabe den Gefühlen, welche Lehrer und Schüler der Klingerschule beseelten, Aus- druck. Das Lehrer-Kollegium betrauert in ihm einen biederen Freund und langjährigen, treuen Mit- arbeiter, der mit vollster Hingebung und ohne sich Ruhe zu gönnen in seinem Berufe gewirkt hat, bis die Kräfte ihm versagten. Seine Schüler blicken voll Trauer zurück auf einen geschickten und eifrigen Lehrer, der es so gut verstand, sie zur Ordnung zu erziehen, auf einen väterlichen Freund, der für jeden ein warmes Herz hatte. Friede seiner Asche!

Gleichzeitig mit Herrn Kreidel schied beim Beginne des Schuljahrs Herr Hinkel aus dem Lehrer- Kollegium, um einer ehrenvollen Berufung in das Rektorat einer städtischen Schule, der Annaschule, Folge zu leisten. Nachdem er 9 Jahre hindurch, unterstützt durch eine vielseitige Bildung und unge- wöhnliches Lehrgeschick, an der Klingerschule gewirkt hatte, begleiteten unsre besten Segenswünsche ihn in sein neues, schwieriges Amt.

Zu der in Folge dieser beiden Abgänge erforderlichen Ergänzung des Lehrer-Kollegiums wurde der eine Reihe von Jahren bereits an der hiesigen Bethmannschule thätige ordentliche Lehrer Herr

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