Jahrgang 
1883
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Bildungsstoff zuführen und sein Urteilsvermögen entwickeln und ausbilden. Daher werden mit dem Lesen Sacherklärungen verbunden, Inhalt und Zusammenhang der Lesestücke gründlich erörtert und die Schüler angehalten, kurze Lesestücke nachzuerzählen. Einige Gedichte werden, nachdem sie in der Schule wie die prosaischen Lesestücke behandelt und so für das Erlernen vorbereitet wurden, memoriert. Zur Einäbung der Rechtschreibung dienen Dictate. Zu schrift- lichen Ausarbeitungen werden besonders die Bildungen einfacher Sätze benützt.

In Quinta befolgt der Unterricht dieselben Grundsätze wie in Sexta. In grammatikalischer Beziehung tritt zu dem Pensum der vorigen Klasse, welches wiederholt wird, die Erweiterung des einfachen Satzes durch Apposition, Attribut und adverbiale Bestimmungen, ferner die gründ- liche Behandlung der Declination und Conjugation, sowie das Wichtigste über den Gebrauch der Conjunctionen und Präpositionen. Ubungen im Lesen(Paldamus, mittlere Stufe, I. Cursus), Nach- erzählen, Memorieren, Rechtschreiben und Satzbilden finden wie in der vorhergehenden Klasse statt; ausserdem werden kurze Fabeln und Erzählungen, welche vorher gründlich besprochen wurden, schriftlich wiedergegeben.

In Quarta wird die Lehre vom zusammengesetzten Satze und den Hauptarten der Neben- sätze durchgenommen und die Satzlehre überhaupt dadurch zum rechten Verständniss gebracht, dass Sätze und nicht zu schwierige Satzverbindungen der Lesestücke analysirt werden, wobei zugleich auf die Interpunctionslehre besondere Rücksicht genommen wird. Bei der Behandlung prosaischer und poetischer Lesestücke(Paldamus, mittlere Stufe, II. Cursus), welche im übrigen dieselbe bleibt wie in den vorhergehenden Klassen, werden die Schüler noch besonders angehalten, den Inhalt der gelesenen Stücke in kurzen und bestimmten Umrissen wiederzugeben. Derartige Recapitulationen des Inhalts der Lesestücke, sowie Wiedererzählungen des in anderen Unter- richtsfächern behandelten Stoffes werden auch zu Aufsätzen benützt. Zur weiteren Einübung der Orthographie dienen Dictate.

In Unter-Tertia erstreckt sich das Lehrpensum besonders auf eine gründliche Behandlung der schwereren Nebensätze und die Befestigung der Schüler im richtigen Gebrauche der Präpositionen und Conjunctionen, ausserdem wird die ganze Satzlehre wiederholt. Die grammatikalischen UÜbungen schliessen sich auch in dieser Klasse an den Lesestoff(Paldamus, obere Stufe, I. Cursus) an, bei welchem die poetischen Stücke des Lesebuchs, Balladen und Romanzen, bevorzugt werden. Bei der Erklärung der Lesestücke werden kurze Notizen über die Schriftsteller, über die Darstellungsgattung und das Versmass angefügt. Bei den Nacher- zhlungen wird auf gewählteren Ausdruck, strengen Zusammenhang und richtige Verbindung der Sätze Gewicht gelegt, so dass dieselben den UÜbergang zum freien Vortrag bilden. Alle 4 Wochen wird ein Aufsatz gemacht, welcher ganz in den Gränzen der Reproduction zu halten ist, und dessen Inhalt sich vorzugsweise auf den historischen oder sprachlichen Unterricht bezieht, indem Biographien berühmter Personen, Schilderungen wichtiger historischer Vorgänge, Über- setzungen aus dem Französischen, Darstellungen des Inhalts poetischer Lesestücke etc. als Auf- gaben gegeben werden. In der Klasse selbst werden die Aufsätze vorher durchgesprochen und die Dispositionen klar gestellt. Ebenso wird auch bei den Lesestücken die ganze Anordnung und der innere Zusammenhang der Teile hervorgehoben, so dass damit eine Vorschule für die Bildung von Dispositionen und für die mehr selbständigen Aufsätze der oberen Klassen gegeben wird.

In Ober-Tertia bilden hauptsächlich Balladen von Bürger, Schiller, Göthe etc. den Lesestoff(Paldamus, obere Stufe, I. Cursus), bei dessen Erklärung einerseits die verschiedenen