Jahrgang 
1875
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glücklich deren Eltern und Kinder, in welcher dieSorge, die im Eingange unſeres Liedes ihren Ausdruck findet, dasHaus⸗Bauen jugendlicher Eltern nicht zu den ſeltenen Ausnahmen macht, in welcher die Verhältniſſe nicht ſo künſtlich hinaufgeſchroben, daß dem jungen Manne nur ſelten eine Hauſesgründung möglich iſt, und im tiefen Zuſammenhange damit die Mannesbruſt bereits fletrirt, welk und frühgealtert iſt, in welcher dem friſchen Kinde ein friſches unverlebtes, jugendkräftiges Herz entgegenſchlagen ſoll die künſtlichen Surrogate für Eltern⸗Erziehung, an welcher eine verbildete Zeit, wahrlich nicht zum Heile der Kinder, ſo reich iſt, und durch welche Väter und Mütter ſich der Laſt der Kindererziehung entheben, ſtehen im tiefen Zuſammenhange mit dem Unſegen, daß ihre Kinder keineKinder der Jugend ſind.

Allein, es iſt vor Allem Eine Betrachtung, die unſerm Liede den Segen derJugend-Kinder ſo nahe gelegt, die insbeſondere die Crreichung des Zieles aller KindererziehungPfeile in Helden⸗ hand von der Bedingung abhängig gemacht haben dürfte, daß ſie Kinder der Jugend ſeien. Es iſt dies die Kraft, ja die Alles vermögende Macht des Beiſpiels, die den mächtigſten Faktor in der Erziehung der Kinder bildet, und die den beſten Theil ihres Zaubers verliert, wenn die Kinder nicht Kinder der Jugend ſind. Sind die Söhne und Töchter Kinder jugendlicher Eltern, ſo gehören ſie als Jüngling und Jungfrau, als junge Männer und junge Frauen noch derſelben Welt wie Vater und Mutter an. Es iſt keine Kluft zwiſchen Kindern und Eltern, die den Söhnen und Töchtern das Leben der Eltern als die Denkungsart und Lebensweiſe einer untergegangenen Generation, eines durch die Entdeckungen und Erfindungen, durch ihre Erfahrungen und Ueberzeugungen der Neuzeit überwundenen Standpunktes betrachten läßt, und von vorn herein dem Leben der Eltern die Kraft des Beiſpiels für die Kinder raubt. Es haben die Eltern unter demſelben Einfluſſe, unter den Strö⸗ mungen desſelbenZeit⸗Geiſtes ſich gebildet, haben unter den verlockenden, verwirrenden und ver⸗ führenden Lehren und Beiſpielen derſelben Welt ihre Grundſätze gewonnen und bewahrt, ihre Den⸗ kungs⸗ und Lebensart gereift und gefeſtigt, haben dieſelben Kümpfe zu kämpfen, dieſelben Siege zu erſtreiten gehabt, und ſind unter denſelben Geſtaltungen der Zeit geworden, was ſie ſind. Ja, ſie ſind noch mitten in dieſem Kampf begriffen, Kopf und Herz ſind ihnen noch empfänglich für dieſelben Ideen, für dieſelben Reize, Leben und Schickſal haben ſie noch den Einflüſſen derſelben phyſiſchen und ſocialen Welt abzuringen da treten ihnen ihre heranreifenden und gereiften Söhne und Töchter als jugendliche Genoſſen zur Seite, kämpfen mit ihre Kämpfe, ſtreiten mit ihre Streite, feiern mit ihre Siege, lernen in heißen von ihnen mit beſtandenen Kämpfen des Lebens, die Kraft und die Wahrheit, den Segen und die Seligkeit der Grundſätze und der Lebensrichtung der Eltern koſten, das Leben macht ſie ſelbſt zu den ihrigen Und wie ſie die Lebenskämpfe der Eltern theilen, ſo ſind auch die Eltern die theilnehmendſten Genoſſen ihrer Lebenskämpfe Genoſſen und Freunde, Brüder und Schweſtern werden die Söhne und Töchter den Eltern, haben auf weiter Erde keine innigern, vertrautern Freunde, vor denen ſie keine Falte ihres innern Lebens verbergen, als ihre Eltern und es haben die Eltern keine innigern, vertrautern Freunde, mit denen ſie ihre theuerſten Anliegen berathen, als ihre Kinder den künftigen brüderlichen Freund, die künftige ſchweſterliche Freundin ſchaukelt der jugendliche Vater, ſchaukelt die jugendliche Mutter in dem neugeborenen Sohn und der neugeborenen Tochter auf dem Arme, ſie gehen einſt aus dem Leben und hinterlaſſen ſich in ver⸗ jüngten Ebenbildern vervielfältigt zurück: ſie haben in Wahrheit die älteſte Menſchen⸗Aufgabe gelöſt, die zu dem erſten Manne und ſeinem Weibe nicht nur: ſeid fruchtbar, zeuget Kinder, ſon⸗ dern: vermehrt undvervielfältigt euch ſprach, wiederholt euch durch Heranbildung und Erziehung in den erzeugten Kindern, macht eure Kinder zu euren Ebenbildern, und die eben mit dieſem n in tiefſter Wahrheit Elternpflicht und Aufgabe, Erziehungs⸗ und Bildungs⸗Geſchäft für alle Zeit gezeichnet.