Jahrgang 
1875
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dem Abglanz in ſeiner Schöpfung, ſollen wir, ſollen ſie ihren Schöpfer kennen lernen und ſich, in der ganzen Kleinheit der Menſchen⸗Spanne und in der ganzen Größe des Menſchen⸗Berufs! Im Anblick des Himmels die ganze Hoheit des irdiſchen Daſeins!

Die Himmel als Gottes Himmel erſchauen, als das Werk ſeiner Finger Mond und Sterne in von Gott gerichteten Bahnen, und in dieſer, von Gott geſchaffenen, Gott gehorchenden, und in dieſem empfangenen Sein und geleiſteten Dienſt heiterſtrahlenden Welt den Menſchen denken: wie nichtig er iſt, wenn er»Enosch« iſt, wenn er Gott nicht mehr als Schöpfer der Welt und als ſeinen Schöpfer denkt, und ihm nicht mehr als ſeinem Herrn und ſeinem alleinigen Herrn dient, und dagegen wie groß er iſt, wie Gott nahe in ſeiner ganzen irdiſchen Stellung, wenn er»ben Adam« iſt, reiner ungeſchwächter Sohn der von Gott zur Beherrſchung ſeiner Erdenwelt ihm ebenbildlich geſchaffenen Menſchheit die ganze Erdwelt ihm zu Füßen, von Gott ihm zu Füßen, das Schaf, das ihn nährt und kleidet, das Rind, das ſeine Arbeit treibt, das Waldthier, der Vogel der Luft, der Fiſch des Meeres und er ſelber über Oceane ſchreitend Und alles dies im Dienſte Gottes Kleinſtes und Größtes in Seinem Willen verwaltend, für Seinen Willen geſtaltend, zu Seinem Wohlgefallen vollendend, daß heller noch als an Himmels Höhen die Herrlichkeit Gottes überall auf Erden wiederſtrahle, dort oben die ſtrahlende Majeſtät, hienieden aber der von freien Geiſtern frei gedachte, von freien Geiſtern mit freier Huldigung gehegteName, und dieſer Name verherrlicht durch jeden Athemzug und Putsſchlag, durch jeden Geiſtesflug und jede Herzensregung, jedes Lippen⸗ wort und jede Muskelthat, durch jedes Gut und jede Blüthe und jede Geſtaltung der von Gottes Ebenbild im Dienſte Gottes umwandelten Menſchen⸗Erde Fühlen, daß vor dieſer Seligkeit eines Gott dienenden Menſchenlebens auf Erden die Seligkeit der um Gottes Thron Halleluja ſingenden Engelchöre ſchwindet das iſt das Gottes⸗ und Menſchen⸗Bewußtſein, das wir unſere Kinder im Anblick der Schöpfungsherrlichkeit finden laſſen und von dem aus wir mit unſerer Kinder⸗Erziehung die Welt in den Dienſt des Gottesreiches zurückerobern ſollen.

Nicht die Sehnſucht nach dem Sterben um als Engel um Gottes Thron zu ſchwärmen, ſondern die heitere Luſt am Leben um in kürzeſter oder längſter Friſt auf dem hienieden angewieſenen Poſten die friſch lebendige Arbeit eines raſtlos Gott dienenden Lebens zu vollenden, leschem schamajim (aus reinem Pflichtgefühl) an Erleuchtung des eigenen Geiſtes, leschem schamajim an Veredlung des eigenen Gemüthes zu arbeiten, Kenntniſſe und Fähigkeiten und Fertigkeiten und Mittel zu erwerben, um ein Haus auf Erden zu gründen, in dem alle gewonnenen Güter der Erde zu den edelſten, Gott erfreuenden Zwecken des großen Menſchheitsbaues verwendet werden, den er ſich aus den Geſchlechtern der Menſchenfamilie erbaut wiſſen will das iſt der Sinn jüdiſcher Frömmigkeit, der unſere Kinder und Greiſe zu frommen Seelen macht. Er wird ihnen die Erde und alles irdiſche Sein verklären und heiligen, wird ihnen die ganze irdiſche Welt erfüllt ſein laſſen von Gottes Kraft und Gottes Herrlichkeit und That gewordenen Gottes⸗Gedanken, es wird ihnen keine Kluft ſein zwiſchen Himmel und Erde, es wird ihnen vor Allem keine der Vermittlung bedürftige Kluft ſein zwiſchen dem Menſchen und Gott Gottes Hauch wird ſie erfüllen, Gottes Gnade wird ſie leiten und die Gewißheit, unter Gottes Auge die gottgewieſene Pflicht zu üben, wird ſie mit einer Seligkeit erfüllen, dievon der ganzen künftigen Seligkeit des ewigen Lebens nicht aufgewogen wird.(Aboth.)

Dieſe Frömmigkeit eines Gott huldigenden Pflichtlebens iſt aber auch endlich der einzige wirkliche und wahrhaftige Stifter und Bringer des Gottesreichs auf Erden, der einzige wirkliche und wahrhaftige Beſieger des einzig wirklichen und wahrhaftigen Feindes dieſes Gottesreichs, der Beſieger des Menſchenhaſſes und der Selbſtſucht!