Jahrgang 
1915
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2. Klaſſen in der Heilmittelniederlage in Bockenheim Verbandszeug anfertigen ließ. Am 8. trat die ſchon erwähnte neue Unterbrechung des Unterrichts ein, da die Schule zur Einkleidung einer Kompagnie eines Erſatzbataillons benutzt wurde. Erſt am 11. konnte wieder eine geregeltere Tätigkeit beginnen. Trotzdem war die Arbeit manchen Störungen ausgeſetzt. Unſere Frauenſchülerinnen und die Schülerinnen der erſten Klaſſen halfen zum Teil bei der Verpflegung der durch Frankfurt kommenden Truppen, teilweiſe im Kriegskindergarten, teilweiſe in einer Lazarettküche, die übrigen taten Botengänge für die Kriegsfürſorge, alle aber ſuchten Beſchäftigung, wo ſie ſie fanden und zugelaſſen wurden. Als dann die Kriegsfürſorge mehr und mehr durch das Rote Kreuz ausgeübt und auf die Hilfe unſerer Schülerinnen verzichtet wurde, haben alle unverdroſſen in der Schule und zu Hauſe, vor allem aber in den Nadelarbeitsſtunden für unſere Soldaten gearbeitet. Was dabei an Liebesgaben angefertigt wurde, iſt erſtaunlich. Die fertigen Sachen, Stauchen, Strümpfe, Kopf⸗ ſchützer, Kniewärmer, Handſchuhe, Bruſt- und Rückenſchützer, die Billroth⸗Battiſtjacken, Wollſchutzdecken und andere Gegenſtände, wurden teilweiſe der Sammelſtelle für das 18. Armeekorps überwieſen, teilweiſe an Lazarette verteilt, teilweiſe beſtimmten Truppenteilen überſandt, die über die Sendungen mit voller Anerkennung, teilweiſe ſogar in Verſen, quittiert haben. Die Mittel zum Ankauf der für dieſe Zwecke verarbeiteten Wolle und anderen Stoffe wurde durch die Schülerinnen oder aus Beiträgen des Kollegiums, der Herren Direktoren Dr. Horn und Dr. Neubauer, des Vereins ehemaliger Humboldtſchülerinnen und der Schulkaſſe aufgebracht.

Außerdem beteiligten ſich unſere Schülerinnen durch reichliche Gaben an Kaffee, Zucker, Kakao, Schokolade, Tabak und anderen Nahrungs- und Genußmitteln an der Verpflegung der Truppentransporte, die durch unſere Stadt kamen, ſie ſpendeten bis Weihnachten jeden Tag große Mengen von Brötchen für die Verwundeten, ſie ſammelten unverdroſſen unter ſich für andere Zwecke der Kriegsfürſorge und Verwundetenpflege, und die oberen Klaſſen trugen durch ihre eifrige Tätigkeit weſentlich zu dem reichen Ergebnis der Wollſammlungen im Herbſt und vor Weihnachten bei. Auch nach Weihnachten waren ſie in derſelben Weiſe tätig. Dazu wurde Gold für die Reichsbank, Metall für die Herſtellung von Geſchoſſen, ſowie Geld zur Anſchaffung von Sanitätshunden und zur Be⸗ kämpfung von Ungeziefer geſammelt. Wir konnten, dank der unermüdlichen Bereitwilligkeit unſeres Schuldieners, des Herrn Georg Eſſinger, bis jetzt etwa 30,000 Mark an die Reichsbank, ſowie mehrere Zentner Metall abliefern. Bei den anderen Sammlungen unterſtützte uns unſere Sekretärin Frl. A. Traß in dankenswerter Weiſe. Man kann den Schülerinnen die Anerkennung nicht verſagen, daß ſie alles getan haben, was in ihren Kräften ſtand, um ihrerſeits dem Vaterlande zu dienen und nicht, wie ſich eine Schülerin der oberen Klaſſen in einem Bericht über ihre Tätigkeit äußert, das Gefühl zu haben, in ſo ſchwerer Zeit nur unnötiger Ballaſt zu ſein.

Unter dieſen Verhältniſſen iſt der Unterricht ſeit den Sommerferien des Vorjahres weiter⸗ geſührt worden, beeinflußt durch den Gang des Krieges, vor allem aber durch die Störungen, die die Einberufung der größeren Mehrzahl der männlichen Mitglieder des Lehrkörpers zum Dienſt mit der Waffe mit ſich brachte.

Am 20. Auguſt wurden wir mit der ganzen Stadt durch die falſche Nachricht vom Falle Belforts, die nach den Erfolgen von Lüttich und Namur durchaus glaubhaft erſchien, ſchwer getäuſcht. Am 22. verſammelte der Herr Direktor die Klaſſen 17 im Feſtſaal, um ihnen ein Bild von der Kriegslage zu geben. Am 27. fiel die letzte Stunde wegen des Sieges bei Tannenberg aus. Am 2. September wurde das Sedanfeſt durch Geſang und eine zeitgemäße Anſprache des Direktors gefeiert. Am 3. fiel der Unterricht nach der dritten Stunde wegen der Siege in Frankreich und Polen aus. Am 7. verließ uns Herr Oberlehrer Dr. Traub, am 9. Herr Geſanglehrer F. Hofmann. Am 29.