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I. Berufe mit akademiſcher Vorbildung.
Praktiſche Ausſichten auf Verwertung des theologiſchen Studiums ſind im weſentlichen nur im höheren Lehrberuf vorhanden. Die praktiſchen Ausſichten auf Verwertung des juriſtiſchen Studiums ſind beſchränkt und unſicher, die auf Verwertung des mediziniſchen Studiums ſind zu⸗ nächſt für Frauen günſtig, ſogar relativ günſtiger als für Männer. Die Dauer des Studiums beträgt mindeſtens 10 Semeſter, dazu kommt die Prüfung und die Abſolvierung eines praktiſchen Jahres⸗ Die Koſten für Kollegiengelder, Bücher uſw. betragen während der Studienzeit 3000— 5000 M., die für mediziniſches Mobiliar und Inſtrumentarium rund 1000 M. Die Ausſichten für das zahnärzt⸗ liche Studium ſind nicht ſchlecht. Studienzeit 7 Semeſter, Koſten(ohne Unterhalt) 2000 M., für Ausſtattung bei Selbſtändigmachung 2000— 5000 M.— Die Ausſichten für das pharmazeutiſche Studium ſind nicht ſchlecht. In der philoſophiſchen Fakultät iſt der höhere Lehrberuf faſt der einzige, der für Frauen in Frage kommt. Die Ausſichten ſind zur Zeit ſehr günſtig, werden ſich aber bald verſchlechtern.
II. Berufe ohne akademiſche Vorbildung.
Die ſeminariſche Lehrerin wird immer noch Anſtellung im Volksſchuldienſt finden. Die Ge⸗ hälter betragen 1200 bis über 2400 M., Wohnungsgeldzuſchuß 330 bis 550 M., dazu an manchen Orten Teuerungszulagen bis zu 500 M. Die Gehälter der Erzieherinnen ſind in der letzten Zeit ſehr geſtiegen und reichen von 500 bis 2400 M. bei freier Station. Die Prüfung als Sprachlehrerin bietet keine Ausſichten beruflicher Verwertung.
Die techniſchen Lehrerinnen(für Handarbeit, Hauswirtſchaft, Turnen und Zeichnen) haben vorläufig noch gute Ausſichten. Die Gehälter der Gewerbeſchullehrerinnen(höhere Ausbildung) betragen etwa 1600— 3600 M., die der techniſchen Lehrerinnen(kürzere Ausbildung) ungefähr 200 M. weniger als die der Volksſchullehrerinnen.
Die Kindergärtnerinnen müſſen ein Jahr die Frauenſchule beſucht, auf jeden Fall aber das Schlußzeugnis eines Lyzeums erworben haben, wenn ſie in ein Seminar eintreten wollen. Die Fachausbildung dauert 1 Jahr, in den Berufsſeminaren 1 ½ Jahre. Nach Abſchluß dieſer Aus⸗ bildung wird eine Prüfung abgelegt. Auf Grund dieſer Prüfung kann dann die Kindergärtnerin eine weitere einjährige Ausbildung durchmachen, durch welche ſie ſich nach erfolgter praktiſcher Be⸗ mühung in einer Anſtalt zur Prüfung als„Jugendleiterin“ vorbereiten kann. Sie kann dann An⸗ ſtellung bei der Leitung von Kindergärten, Kinderhorten und Jugendheimen finden. Die Gehälter der Kindergärtnerinnen an Anſtalten ſchwanken zwiſchen 90 und 200 M. monatlich, in Familien bei freier Station zwiſchen 30 und 50 M. monatlich. Die Intereſſen der Kindergärtnerinnenausbildung vertritt der Deutſche Fröbelverband, Fräulein Helene von Mumm, Frankfurt a. M., Untermainkai 4.
Die praktiſchen Ausſichten für künſtleriſche Berufe ſind nicht günſtig. Frauen mit mittel⸗ mäßiger Begabung ſollten ihnen fern bleiben; auch hervorragend Begabte müſſen mit einer langen Wartezeit rechnen. Die Schwierigkeiten der Bühnenlaufbahn ſind am größten und werden am häufigſten unterſchätzt. Die Genoſſenſchaft deutſcher Bühnenangehöriger in Berlin gibt nähere Aus⸗ kunft. Für die Muſikerin, konzertierende Künſtlerin und Muſiklehrerin, gewährt gleichfalls nur große Begabung und ſehr lange und gründliche Ausbildung Ausſichten auf ausreichenden Erwerb. Beamtenberufe(Lehrerinnen ausgeſchloſſen): Unter den wenigen Stellungen, die bisher den Frauen zugänglich ſind, kommt in erſter Linie der Poſt-, Telegraphen- und Eiſenbahndienſt in Betracht. Die Ausſichten auf Anſtellung ſind ſchwankend, weil Bewerberinnen nur„nach Bedarf“


