Jahrgang 
1913
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Am 15. April 1912 begann das neue Schuljahr; am Vormittag fand die Prüfung der nach⸗ träglich für die Klaſſen I IX angemeldeten Schülerinnen ſtatt. In der anſchließenden Konferenz wurden die neuen Lehrkräfte, Herr Oberlehrer Voll und Fräulein Bathe, vorgeſtellt. Am Nach⸗ mittag um 3 Uhr wurden die für Klaſſe X angemeldeten Schülerinnen, im ganzen 29, eingeführt. Der Unterzeichnete ſetzte ſich in ſeiner Anſprache mit Lili Brauns SchriftDie Emanzipation der Kinder auseinander, wies auf deren Unrichtigkeiten und Übertreibungen hin und ſtellte feſt, daß die Kinder einer ſtrengen, aber dabei liebevollen Zucht bedürfen, wenn ſie tüchtige Menſchen werden ſollen, und daß ein vertrauensvolles Zuſammenarbeiten des Hauſes und der Schule unbedingt notwendig ſei.

Am 16. April, vormittags ½ 9 Uhr wurde das Schuljahr durch eine Andacht im Feſtſaal eröffnet. Der Unterzeichnete legte ſeiner Betrachtung das Wort des Apoſtels Paulus aus dem Ebräer brief zugrundeGehorchet euern Lehrern und folget ihnen uſw. Er betonte, da zwei neue Lehr⸗ kräfte in das Kollegium eintraten, daß die Lehrer nicht bloß Unterrichter, ſondern vor allem Erzieher ſein müßten, und das könnten ſie am beſten durch einen vorbildlichen Unterricht und durch einen muſtergültigen Wandel. Hierauf ſtellte er der Schulgemeinde die neuen Mitglieder vor und hieß ſie herzlich willkommen. Nach Verleſung der Schulgeſetze wurden die 28 neu eintretenden Schülerinnen darauf verpflichtet.

Die Zahl der Schülerinnen betrug bei Beginn des neuen Schuljahres 526; davon waren

440(83,65%) evangeliſch, 58(11,03%) katholiſch, 23(4,37%) iſraelitiſch,

5(0,95%) diſſidentiſch.

Es iſt alſo, worauf der Unterzeichnete ſchon im vorigen Jahresbericht hingewieſen hat, ein weiterer Rückgang(um 65) der Schülerinnen eingetreten. Neben dem Eingehen der IX. Parallelklaſſe ſind noch andere Gründe wirkſam, die im vorigen Jahresbericht(S. 29) aufgeführt ſind. Auch im nächſten Jahr wird die Zahl ſinken, da verhältnismäßig wenig Anmeldungen erfolgt ſind.

Am 8. und 9. Mai war Herr Provinzial⸗Schulrat Dr. Borbein aus Caſſel zur Reviſion der Schule anweſend und wohnte mit Herrn Stadtrat Dr. Ziehen verſchiedenen Unterrichtsſtunden bei. Am 8. Mai hielt er eine Konferenz ab, in der die ſchriftlichen Übungsarbeiten beſprochen wurden.

Am 15. Mai fand das Maifeſt ſtatt, das von herrlichem Wetter begünſtigt war. Gegen Abend erhob ſich ein Gewitter, das den lang erſehnten Regen brachte, aber keiner Klaſſe mehr ſchadete, da bereits alle in den Eiſenbahnzügen oder zu Hauſe waren. Die einzelnen Klaſſen hatten ſich folgende Ziele gewählt:

Kl. Ia Heidelberg, Kl. Vb Frankenſtein, Jugenheim, 1b Niederwalddenkmal und Rheinſtein, 2 VIa Sandplacken,

Ila desgleichen, VIb Lorsbach, Eppſtein,

IIb desgleichen, VIIa Bergen,

IIIa Eppſtein und Königſtein, VIIb Mönchsbruch,

IIIb Gelnhauſen und Lützel, VIIIa Mitteldick,

NYa Jugenheim, Felsberg, Auerbach, VIIIb Wilhelmsbad,

IVb Schlangenbad, IX Wilhelmsbad.

Va Wiesbaden, Platte, Niedernhauſen,