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Am 23 Mai fiel auf Wunſch des Kuratoriums der höheren Schulen der Unterricht nach der dritten Stunde aus, weil an dieſem Tag der Grundſtein zur Kaiſerbrücke gelegt und der Oſthafen eingeweiht wurde.
Vom 24. bis 30. Mai dauerten die Pfingſtferien.
Am 29. Juni fand eine Aufführung der Akademiſchen Geſellſchaft für Dramatik aus Heidel⸗ berg(Kaſperletheater) ſtatt; es wurden vier Stücke von Pocci aufgeführt. Die Schülerinnen aus den Klaſſen I— VII ſahen zu und kargten nicht mit Beifall.
Am 12. Juli begannen die Sommerferien und endigten am 12. Auguſt.
Am 19. Auguſt fiel der Unterricht nach der zweiten Stunde aus; die Schule beteiligte ſich mit 180 Schülerinnen an der Spalierbildung beim Einzug Seiner Majeſtät des Deutſchen Kaiſers, der an dieſem Tag der Stadt Frankfurt einen Beſuch abſtattete.
Das Sedanfeſt ſollte in dieſem Jahr der Ordnung gemäß durch Klaſſenausflüge gefeiert werden; aber am Morgen regnete es ſo, daß die meiſten unterbleiben und auf einen ſpäteren Nach⸗ mittag verlegt werden mußten. Nur die Klaſſe Vb unternahm am Nachmittag des 2. September den geplanten Ausflug. Lehrer und Schülerinnen ſammelten am Sedantag 138,26 M. für einen er⸗ blindeten Veteranen.
Am 28. September begannen die Herbſtferien und endigten am 14. Oktober. Während der⸗ ſelben unternahm Fräulein Grünebaum, wie im vergangenen Jahr, mit 19 Schülerinnen ihrer Klaſſe(IIa) einen Ausflug und zwar diesmal ins Lahntal. Die Schülerinnen berichten darüber folgendes:
Vor Beginn der Herbſtferien überraſchte uns unſre Klaſſenlehrerin, Fräulein Grünebaum, mit der Mitteilung, daß ſie gegen Ende der Ferien mit uns einen zweitägigen Ausflug ins Lahntal unternehmen werde. Die Vorfreude verſchönte uns die ganze Ferienzeit.
Am 11. Oktober, morgens ½ 8 Uhr verſammelten wir uns am Hauptbahnhof. Wir waren neunzehn Schülerinnen unter Leitung unſrer verehrten Klaſſenlehrerin. Ferner hatte ſich unſerer fröhlichen Schar eine frühere Schülerin angeſchloſſen.— Wir fuhren gegen 7 Uhr ab; in Wiesbaden ſtiegen wir aus, und von da ging die Fahrt nach dem Chauſſeehaus. Hier begannen wir unſere Wanderung über die Hohe Wurzel nach Langenſchwalbach. Es war ein herrlicher Herbſttag: im Walde die gelbe und rote Färbung der Eichen und Buchen, das dunkle Tannengrün und darüber ein ſtrahlend blauer Himmel. Auf der Hohen Wurzel beſtiegen wir den Ausſichtsturm und bewunderten auch von hier den prächtigen Wald. Dann ging es weiter. Als wir nach Langenſchwalbach kamen, ſchien es, als ob das Städtchen ſchon im Winterſchlafe läge. Das Kurhaus und die Brunnen waren geſchloſſen, und die Gaſthäuſer ſtanden öde und verlaſſen da. Im„Ruſſiſchen Hofe“ machten wir kurz Raſt, nahmen aus dem Ruckſack das Mittageſſen und ließen uns Kaffee dazu geben. Erholt und gekräftigt zogen wir dann durch das liebliche Aartal mit ſeinen ſteilen Felswänden nach Station Hohen⸗ ſtein. Von hier aus warfen wir noch einen Rückblick auf die Burgruine Hohenſtein nebſt der kleinen gotiſchen Kapelle.
Selbſtverſtändlich traten jetzt auch die photographiſchen Apparate in Tätigkeit. Eine halbſtündige Eiſenbahnfahrt brachte uns zur Station Zollhaus i. N., und bald erreichten wir das Ziel unſeres erſten Reiſe⸗ tages, die Burg Hohlenfels. Zu unſrer großen Freude übernachteten wir in dieſer alten Ritterburg. Ein Teil iſt ganz zur Ruine geworden. Ein neuerer Anbau aber iſt noch gut erhalten und bietet Sommergäſten Unter⸗ kunft. Von unſern Zimmern, die in allen Winkeln des Hauſes zerſtreut lagen, genoſſen wir eine ſchöne Ausſicht. Bis zum Abendeſſen richteten wir uns in unſern Zimmern ein und beſuchten uns gegenſeitig in unſern Ge⸗ mächern. Dann vertrieben wir uns die Zeit mit Spielen. Nach einem vorzüglichen Abendeſſen und angenehmer Unterhaltung ſchickten wir Grüße in alle Welt und gingen zeitig zu Bett. Am andern Morgen ſtanden wir frühe auf. Wir öffneten die Fenſter und ließen die würzige Morgenluft ins Zimmer ſtrömen. Der Wald lag betaut. Wir konnten trotz leichten Nebels unten den einſam liegenden Gutshof erkennen; auf den Wieſen weideten die Herden.


