Schülerinnen, die an den Feſtſpielen teilgenommen hatten; vor dem Goethe⸗ und Schillerdenkmal fand eine Huldigung ſtatt, auf dem Markt nahm der Zug ſein Ende. Am 6. Auguſt, einem Sonntag, fuhren wir nach Eiſenach, beſichtigten bei einem Gang durch die Stadt die geſchichtlich merkwürdigen Gebäude und ſtiegen dann zur Wartburg empor, die eingehend gewürdigt wurde. Durch das Marien⸗ und Annatal und die Drachenſchlucht ging es dann empor zur Hohen Sonne und durch die Land⸗ grafenſchlucht zurück nach Eiſenach. Am Abend um 11¹⁰ langten wir mit dem Schnellzug in Frankfurt an. Das ganze Unternehmen verlief außerordentlich glücklich; die Schülerinnen erhielten eine Menge neuer Eindrücke, konnten ſich hineinverſetzen in die große Zeit von Weimar und empfanden in dem herrlichen Theater, wo ſie mit Hunderten von Schülern und Schülerinnen aus allen Gauen unſeres deutſchen Vaterlandes zuſammen ſaßen und den Worten echt deutſcher und germaniſcher Geiſteshelden lauſchten, daß uns alle ein Band umſchließt, daß wir uns, trotz mancher Verſchiedenheit, im innerſten Denken und Fühlen eins wiſſen. Den Herren aus Weimar, die die ganze Veranſtaltung ins Leben riefen, insbeſondere dem Schriftſteller Adolf Bartels, aber auch der ganzen liebenswürdigen Be⸗ völkerung von Weimar gebührt unſer aufrichtiger Dank. Der Unterzeichnete fühlt ſich weiter gedrungen, auch an dieſer Stelle ſeinen Kollegen Herrn Profeſſor Dr. Ellmer, Herrn Beil und Fräulein Wenzel ſeinen herzlichen Dank für ihre große Mühe auszuſprechen, die ſie mit der Vorbereitung und der Durchführung des Unternehmens gehabt haben; wenn trotz der großen Hitze und trotz der hohen Anforderungen, die an die Schülerinnen geſtellt wurden, alles ohne Unfall verlief, ſo iſt das den oben genannten Kollegen zuzuſchreiben. Ich möchte wünſchen, daß ſich auch im nächſten Jahr(1913) wieder genügend Teilnehmerinnen für die Nationalfeſtſpiele finden; die Unkoſten betragen, Taſchengeld eingerechnet, 40— 45 Mark.
Das Sedanfeſt wurde diesmal mit einer Feier in unſerm Feſtſaal begangen, an der die Klaſſen—VII teilnahmen; die Feſtrede hielt Herr Oberlehrer Dr. Traub und gedachte darin auch unſeres kurz vorher verſtorbenen Veteranen Kreuſcher.
Während der Herbſtferien unternahm Fräulein Grünebaum mit 10 Schülerinnen der 1b⸗Klaſſe einen zweitägigen Ausflug in den Speſſart; alles verlief ſchön und gut.
Beim Beginn des Winterhalbjahrs wurde Fräulein Frieda Bremer in ihr neues Amt eingeführt.
Am 20. Dezember nachmittags hielten wir unſre Weihnachtsfeier in dem Feſtſaal ab. Geſänge wechſelten mit Vorträgen der Schülerinnen ab. Die Anſprache für die oberen Klaſſen hatte Herr Profeſſor Dr. Ellmer übernommen.
Am Tage der Reichstagswahl(12. Januar) und der Stichwahl(22. Januar) fiel der Unterricht nach der dritten Stunde aus.
Am 27. Januar wurde Kaiſers Geburtstag in der herkömmlichen Weiſe gefeiert; die Feſtrede über Friedrich den Großen hielt die Oberlehrerin Fräulein Reishaus. An 14 Schülerinnen der Klaſſen I bis VII wurden Bücher verteilt.
Unterm 25. Januar wurden die Oberlehrer Geiſendörfer und Ratzel zu Poofeſſoren ernannt.
Am 9. Februar veranſtalteten wir einen Elternabend, an dem der bekannte Profeſſor Dr. theol. et phil. Friedrich Zimmer aus Zehlendorf-Berlin über„Frauenberuf und Frauen⸗ berufe“ ſprach. Er ging bei ſeinem Vortrag von der Tatſache aus, daß im Deutſchen Reich. nur rund 27% aller heiratsfähigen Mädchen heiraten. Für den Mann fallen Beruf und Ehe auseinander; für die Frau, wenn ſie Ehefrau iſt, fallen ſie zuſammen; denn die verheiratete Frau hat als Gattin, Mutter und Hausfrau ihren vollen Beruf. Das macht den großen, durch die körperliche und ſeeliſche


