Jahrgang 
1912
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Am 19. Mai erlitt eine liebe Schülerin, Edith Roſenberg(Kl. VIIb) durch einen Unglücksfall den Tod. Sie beſuchte unſere Schule im vierten Jahr, war treu und fleißig, ſtrebſam und fröhlich und verſprach, eine tüchtige Perſönlichkeit zu werden. Das Lehrerkollegium nahm an dem tiefen Schmerz der Eltern den innigſten Anteil, der Direktor und einige ihrer Schulfreundinnen folgten dem Sarge.

Am 24. Mai fand unſer Maifeſt ſtatt, das diesmal leider nicht durch das Wetter begünſtigt war; am Morgen war es trüb mit einigen Sonnenblicken, am Nachmittag gegen 2 Uhr fing es an zu regnen, ohne daß dadurch das Vergnügen der Teilnehmerinnen beeinträchtigt wurde. Die einzelnen Klaſſen hatten ſich folgende Ziele gewählt:

Kl. l a 1 Kl. Vb Gelnhauſen,

1b) Heidelberg, VIa Hohemark⸗Saalburg,

Ila Niederwald⸗Bingen, VIb Cronberg,

IIb Darmſtadt⸗Erzhauſen, VIIa Mitteelddick,

IIIa Jugenheim⸗Felſenmeer⸗Auerbach, VIIb Cronberg,

1IIb Melibokus⸗Auerbach, VIII a ¹

IVa Niedernhauſen⸗Neroberg, VIIIb Homburg,

IVb Königſtein⸗Glashütten, IX a Niederrad,

Va Die Saalburg, IXb den Hirſchgarten bei Homburg,

3 Kl. X den Lohrberg(am 16. 6.)

Am 7. Juli begannen die Sommerferien; wegen zu großer Hitze wurden nach den Ferien die drei erſten Tage freigegeben, ſo daß der Unterricht erſt am Freitag, den 11. Auguſt begann. An dieſem wie auch am folgenden Tage wurde wegen der großen Hitze nur in den erſten 3 Stunden unterrichtet, am 14. Auguſt wurden 3, am 15. 4 Stunden gehalten, vom 16. ab alle Stunden.

In der letzten Ferienwoche(1.6. Auguſt) wohnten 20. Schülerinnen der erſten Klaſſen den Nationalfeſtſpielen in Weimar bei. Die Führung hatten Herr Beil und Fräulein Wenzel übernommen, die auf das beſte von Herrn Profeſſor Dr. Ellmer, einem geborenen Weimarer, unterſtützt wurden. Der Unterzeichnete ſtieß am 2. Auguſt zu ihnen, die imGroßherzog von Sachſen und in einigen Privatwohnungen vortrefflich untergebracht waren. Am 1. Auguſt reiſten die Schülerinnen von Frankfurt ab, kamen gegen 4 Uhr nach Weimar und hörten an demſelben Abend im Großherzoglichen Hoftheater Hebbels Nibelungen l und II. Am 2. Auguſt vormittags wurden nach einem beſtimmten Plan die Sehenswürdigkeiten der Stadt in Augenſchein genommen, am Abend Shakeſpeares Othello genoſſen. Der 3. Auguſt war theaterfrei; wir benutzten den Tag zu einem Ausflug nach Jena, ſtiegen vom Weimar⸗Geraer Bahnhof auf den Forſt, überblickten von da das Schlachtfeld auf dem Landgrafen⸗ berg und das Saaletal mit ſeinen Burgen, ſtiegen dann wieder in die Stadt hinab und beſuchten das Zeiß'ſche Volkshaus, Schillers Gartenhaus, den Burgkeller, machten einen Rundgang um den Graben (Univerſität, Botaniſcher Garten, Bibliothek, Gaſthof zum Bären) und landeten endlich in der Kirche von Wenigenjena, wo ſeinerzeit Schiller getraut wurde. Nach einer Erholungspauſe imParadies fuhren wir nach Weimar zurück und beteiligten uns an der geſellſchaftlichen Unterhaltung im Garten derArm⸗ bruſt. Am 4. Auguſt begannen wir unſere Beſichtigung mit dem Beſuch von Goethes Gartenhaus, wo wir uns durch einen Photographen aufnehmen ließen; dann ging es zum Wittumspalais und zum Muſeum. Der Nachmittag wurde durch einen Ausflug nach Tiefurt ausgefüllt; am Abend ſahen wir im Theater GrillparzersWeh' dem, der lügt. Am 5. Auguſt beſuchten wir das Goethehaus am Frauenplan, die Fürſtengruft und Schloß Belvedere. Nachmittag 5 Uhr begann das Theater, wo SchillersRäuber aufgeführt wurden. Daran ſchloß ſich ein Fackel- und Lampionzug der Schüler und