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verbandes, an der ſich viele Schulen beteiligten, betrug 576 M. In den Dezember fällt gleich⸗ falls eine Sammlung von Büchern und Zeitſchriften für die Lazarettbibliotheken, in den Februar eine zweite von Stanniol ꝛc. Eine Sammlung von Goldgeld, die Ende Februar eingeleitet wurde, brachte bis zum 15. März 15 460 M.
Der Verkauf von Prof. J. Richters Aufſatz: Die Jugend und der Krieg, brachte an unſerer Schule einen Erlös von 92 N. Der Reinertrag war für die im Felde ſtehenden Frankfurter Regimenter beſtimmt.
Frl. Marg. Seehaußen in Marburg hatte zugunſten des Marburger Jägerregiments einige Anſichtskarten entworfen, die von den Schülerinnen mit gutem Erfolge verkauft wurden; es gingen hierfür 92 M. ein.
Für die Kaiſergeburtstagsfeier hatte unſere Zeichenlehrerin Frl. Böhm zwei patriotiſche An⸗ ſichtskarten entworfen und ſie durch Druck vervielfältigen laſſen. Sie wurden von unſeren Schüle— rinnen eifrig an Angehörige und Freunde verkauft, ſo daß wir vom Erlös bis zum 10. März 150 M. an die Nationalſtiftung für die Hinterbliebenen gefallener Urieger abliefern konnten.
An den Wollſammlungen beteiligten ſich die Schülerinnen der Klaſſen II und III mit großem Eifer, indem ſie die Sachen von Haus zu hHaus einſammelten.
Lazarettbeſuche: Verſchiedene Klaſſen beſuchten wiederholt unter der Führung ihrer Lehrer und Lehrerinnen die Verwundeten in den Lazaretten und bereiteten ihnen durch den Vortrag von Liedern und Gedichten eine große Freude, auch verſäumten ſie es nicht, durch das Mitbringen von Obſt, Uuchen u. a. von ihrem Beſuche einen auch den Uörper labenden Eindruck zu hinterlaſſen.
Liebesgabenanfertigung: Der Nadelarbeitunterricht wurde ſeit der Mobilmachung ganz in den Dienſt unſerer kämpfenden Truppen geſtellt. Unter der Leitung ihrer Lehrerinnen fertigten die Kinder Strümpfe, Leibbinden, Pulswärmer, Handſchuhe, Ohrenwärmer, Rücken⸗ und Bruſtwärmier, Einlegeſohlen, wollene Decken, Uiſſen für Lazarette u. a. an, die in großer Menge an folgende Adreſſen verſchickt wurden: Erſatz⸗Bataillon des Inf.⸗Regiments 81 in Fr. a. M., Vaterländiſcher Frauenverein, Reſerve⸗Lazarett St. Avold in Lothringen, Landſturm⸗Bataillon Schlettſtadt, Nationaler Frauendienſt in Fr. a. M., Nationaler Frauendienſt in Königsberg i. Pr., Zentrale für Kriegsfürſorge in Fr. a. M. u. a. Durch die Beigabe von Schokolade, Keeks, Tabak, Zigarren, Zigaretten, Briefpapier nebſt ſelbſtgemachten Verſen ſuchten die Uinder unſeren wackeren riegern noch eine beſondere Freude zu bereiten, die dann auch in vielen Dankbriefen und ⸗karten ihren lebhaften Ausdruck fand.
Vortrag, Weihnachtsfeier: Am 21. November, abends 8 Uhr, hielt die Oberlehrerin Frl. Beyer vor einer zahlreichen Zuhörerſchaft im Feſtſaal einen Vortrag mit Lichtbildern über eine Radfahrt durch Belgien. Aus dem Reinertrag konnten je 100 M. an die Sammlungen für die Geſchädigten in Oſtpreußen und in Elſaß⸗Lothringen abgeliefert werden.
Unſere Weihnachtsfeier, deren Erlös ebenfalls für wohltätige Zwecke beſtimmt war, fand die Angehörigen unſerer Schülerinnen und Freunde der Schule am 21. Dezember in großer Zahl im Feſtſaal vereinigt. Aus der reichhaltigen Vortragsfolge ſei beſonders das von dem Herrn Uollegen G. Kühne verfaßte Feſtſpiel: Germanias Weihnachten 1914 hervorgehoben. Aus dem Erlös der Eintrittsgelder konnten wir nach Abzug der Unkoſten je 100 M. für den Verein Kinderhort und für die Nationalſtiftung für die Hinterbliebenen abliefern. Am folgenden Tage fand um 4 Uhr nachmittags eine Wiederholung der Weihnachtsfeier ſtatt, zu der ſich auf unſere Einladung hin ungefähr 145 Verwundete aus den Lazaretten des Oſtends und Oberrads eingefunden hatten. Am Schluß der Feier wurde einem jeden unſerer Gäſte, die mit großer Aufmerkſamkeit den Dar⸗ bietungen folgten, ein kleines Paket und ein Wiesbadener Volksbuch überreicht. Die Pakete ent— hielten Notizbücher, Bleiſtifte, Briefpapier, Feuerzeuge, Tabak, Zigarren u. a.; alles war von den Schülerinnen mit großem Eifer geſammelt und eingepackt worden. Mächtig hallte dann das dreifache Hurra, das der führende Feldwebel auf die Herderſchule ausbrachte, an den Gewölben wider und freudig erſtrahlten auch die Geſichter unſerer Schülerinnen, hatten ſie doch dazu beigetragen, den verwundeten Kriegern einige ſchöne Stunden zu bereiten.


