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Am Dienstag, den 17. November, erörterte Herr Oberlehrer Volger in einer Schulfeier im Anſchluß an die Siege bei Soldau, Lipno ꝛc. die Kriegslage und ſprach über die Pflichten der Zurückbleibenden.
Der 18. Dezember fand uns wieder zu einer Siegesfeier verſammelt. Herr Oberlehrer Dr. Seehaußen beſprach die entſcheidenden Siege in Polen und die Beſchießung der engliſchen Küſtenſtädte Scarborough und Hartlepool.
Am Mittwoch, den 12. Januar, verlas der Direktor vor den im Feſtſaal verſammelten Schülerinnen einige Dankesbriefe für Liebesgaben, erklärte das Merkblatt der Reichspoſtverwaltung für Feldpoſtſendungen und ging dann näher auf die Ernährungsfrage ein, indem auf den Weizen⸗ mangel hinwies und die Pflicht aller Zurückbleibenden betonte, an ihrem Teile durch Sparſamkeit im Verbrauch der knapper werdenden Vorräte zum Gelingen des großen Kampfes beizutragen.
An der am Sonntag, den 17. Januar, im Feſtſaal der Gewerbeſchule abgehaltenen Weih⸗ nachtsfeier des Vereins Jugendwohl, deren Reinertrag für wohltätige Zwecke beſtimmt war, be⸗ teiligten ſich die Schülerinnen der Herderſchule durch Chorgeſang und Aufführung des von herrn Kühne für unſere Weihnachtsfeier verfaßten Feſtſpiels: Germanias Weihnachten 1914.
Die Kaiſergeburtstagfeier vereinigte die Schulgemeinde am 27. Januar wie alljährlich im Feſtſaal. Herr Oberlehrer Dr. Seehaußen ſprach über den Urieg und die deutſche Dichtung. In die Rede waren Vorträge neuer, unter den Eindruck des Arieges entſtandener Dichtungen eingeſtreut.
Am 13. Februar fand aus Anlaß des Sieges Hindenburgs in Maſuren eine Schulfeier ſtatt, in welcher der Direktor einige Feldpoſtbriefe aus dem Weſten und Oſten und den Brief eines Seeoffiziers über die Beſchießung von Hartlepool vorlas.
hHerr Provinzialſchulrat Unruh beſuchte am 25. Februar die Herderſchule und wohnte dem Unterricht in den meiſten Klaſſen bei.
Der Geſundheitszuſtand der Schülerinnen m verfloſſenen Schuljahr war, abgeſehen von den üblichen Erkrankungen an Maſern und Keuchhuſten in der Vorſchule, zufriedenſtellend. Längere Erkrankungen im Lehrkörper kamen nicht vor.
Beſondere Deranſtaltungen und Sammlungen aus nlaß des Krieges.
hergabe von Räumlichkeiten: Das Lehrerzimmer und eine Alaſſe des Erdgeſchoſſes wurden der ſtädtiſchen Kriegsfürſorge zur Verfügung geſtellt; in dieſen Räumen iſt die Bezirks— ſtelle VIIl für die Dauer des Krieges eingerichtet worden.
Für die Wollſammlungen vom 2.—6. Oktober und vom 20.— 22. November wurde dem Ausſchuß ein Klaſſenzimmer überlaſſen, in dem die in unſerem Bezirke geſchenkten Sachen geſam⸗ melt und geſichtet wurden.
Beurlaubungen: Im Auguſt wurde eine Anzahl von Schülerinnen auf Wunſch ihrer Eltern beurlaubt, um dem durch die Mobilmachung eingetretenen Mangel an hilfskräften im väterlichen Geſchäft abzuhelfen oder die durch Sinziehung des Vaters anderweitig in Anſpruch ge⸗ nommene Mutter im Haushalte zu vertreten; einige Schülerinnen beteiligten ſich auch an der Her⸗ ſtellung von Verbandſtoffen.
Sammlungen: In den einzelnen Klaſſen wurde regelmäßig während der Ariegszeit Geld geſammelt, das faſt durchweg aus den perſönlichen Erſparniſſen der Kinder ſtammte. Es konnten bis zum 15. März aus dieſer Sammlung insgeſamt 365 M. an die Zentrale für Kriegs- fürſorge abgeliefert werden.
Liebesgaben(hauptſächlich Nahrungs- und Genußmittel) für die durchreiſenden Truppen wurden Anfang Auguſt in größerer Menge von den Schülerinnen geſammelt und der Zentrale für Kriegsfürſorge zugeführt.
Brötchen für die Verpflegung der durchreiſenden Truppen, und ſpäter der Verwundeten⸗ transporte, wurden von Anfang Auguſt an in der Weiſe geſammelt, daß jede Schülerin morgens ein Brötchen mit in die Schule brachte. Anfang Januar wurde dieſe Sammlung eingeſtellt, da die Zahl der Brötchen allmählich ſehr klein geworden war.
Von anderen Sammlungen ſind zu erwähnen: Anfang September brachten die Schülerinnen Einmachgläſer für die Lazarette in größerer Zahl mit, Anfang Dezember Stanniol, Zinntuben, Flaſchenkapſeln und Zigarrenabſchnitte; der Ertrag dieſer Sammlung zugunſten des Kreis-Krieger⸗


