Jahrgang 
1915
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Feloͤberg; Ul. V: Köppern Capersburg Nauheim; Kl. IV: Zwingenberg Melibokus Fels⸗ berg Auerbach; Al. IIl: CangenWolfsgarten MönchsbruchRaunheim; Al. II: Rüdesheim BingenSchloß Rheinſtein Aßmannshauſen Jagdſchloß Niederwald⸗Denkmal Rüdesheim Dampferfahrt nach Biebrich, von dort mit der Bahn nach Frankfurt.

Am Samstag, den 27. Juni, beſuchten ſämtliche Klaſſen unter der Führung ihrer Lehrer und Lehrerinnen die Vorführungen einer Truppe Miltalbewohner im Soologiſchen Garten.

Die Sommerferien begannen am Freitag, den 3. Juli. Fröhlich verabſchiedeten ſich alle von einander, in der freudigen Ausſicht, nach getaner Arbeit und treu erfüllter Pflicht einige Wochen in Freiheit und Fröhlichkeit verleben zu können. In Sonnenſchein gebadet lagen Deutſchlands Gauen in tiefem Frieden, und niemand ahnte, in welch ernſter, feierlicher Stimmung wir uns einen Monat ſpäter wiedertreffen ſollten. In der Zeit der Hochflut entflammter Vaterlandsliebe und kriegeriſcher Begeiſterung verſammelten wir uns am Dienstag, den 4. Auguſt, im Feſtſaal, um in einer ernſten und erhebenden Feier unſeren Wünſchen und Hoffnungen Ausdruck zu geben, vor allem auch derer gedenkend, die in den blutigen Kampf hinauszogen, Weib und Uind, Haus und hHof vor den tückiſchen Feinden zu ſchützen. Mit einem dreifachen, jubelnd aufgenommenen Hoch auf den Kaiſer, das deutſche heer und die deutſche Flotte und das geliebte Vaterland ſchloß die Anſprache des Direktors. Am folgenden Tage fiel der Unterricht aus, da S. M. der Kaiſer für das ganze Land einen Buß⸗ und Bettag angeornet hatte.

Von den Lehrern der Herderſchule waren herr Dr. Seehaußen und Herr Dahl dem Ruf zu den Fahnen gefolgt. Herr Dr. Seehaußen wurde als Erſatzreſerviſt nach Mainz eingezogen; leider erkrankte er dort Anfang September und mußte aus dem heeresdienſt entlaſſen werden. Mit dem Beginne des Winterhalbjahrs konnte er zu unſerer Freude ſeinen Unterricht wieder aufnehmen. herr Dahl ſtand bis Ende Dezember als Wehrmann in einem Metzer Fort, von wo er nach Flandern kam. Dort beteiligte er ſich an den Kämpfen um Vpern, erkrankte aber im Januar infolge der großen Strapazen und weilt zurzeit zur Erholung in Kortryk. Wir wünſchen ihm von Herzen baldige völlige Geſundung!

Herrn Oberlehrer Grüninger war vom Kuratorium der höheren Schulen ein Stipendium für einen Studienaufenthalt im Ausland gewährt worden, und er hatte den Monat Juli zu Studienzwecken in Boulogne ſ. M. zugebracht. Bei Kriegsausbruch gelang es ihm, im letzten Augenblick über Belgien die deutſche Grenze zu erreichen. So konnte die Lehramtsbewerberin Frl. Enders, die für die Vertretung des Herrn Oberlehrers Grüninger vorgeſehen war, den Unterricht des Herrn Oberlehrers Dr. Seehaußen übernehmen. Als Stellvertreter des hHerrn Dahl gelang es, Herrn Georg Uühne von der Städtiſchen Fortbildungsſchule zu gewinnen, der durch die Schließung dieſer Schule frei geworden war. Sowohl Frl. Enders als auch herr Rühne haben den von ihnen gegebenen Unterricht ehrenamtlich erteilt, ihnen ſei an dieſer Stelle nochmals unſer herzlicher Dank für ihre Bereitwilligkeit und ihren Opfermut ausgeſprochen. Mit dem Schluß des Sommer⸗ halbjahrs verließen uns beide, Frl. Enders, um ſich dem Studium an der hieſigen Univerſität zu widmen, während Herr Kühne nach der Wiedereröffnung der Fortbildungsſchule ſeine frühere Tätigkeit wieder aufnahm; er hat uns aber noch dadurch zu beſonderem Danke verpflichtet, daß er während des Winterhalbjahrs den Geſangunterricht unſerer oberen Klaſſen übernahm und in aufopfernder Weiſe für die Vorbereitung unſerer Schulfeiern tätig war.

Am Samstag, den 29. Auguſt, verſammelten ſich die Schülerinnen nach der 4. Stunde im Feſtſaal, wo ihnen vom Direktor der Aufmarſch unſerer Truppen und ihr Vormarſch an der Hand von Narten erklärt wurde.

Am Mittwoch, den 2. September, fand eine Schulfeier im Feſtſaal ſtatt. In ſeiner Anſprache beſprach der Direktor die jüngſten Erfolge unſerer Truppen gegen die Franzoſen. Am folgenden Tage wurden die Kinder nach der 2. Stunde auf die Bedeutung des Sieges in der Champagne aufmerkſam gemacht, der Reſt des Vormittags war ſchulfrei.

Das Sommerhalbjahr wurde am Dienstag, den 29. September, geſchloſſen. Von der Er⸗ teilung von Zeugniſſen wurde auf Veranlaſſung des Herrn Miniſters abgeſehen.

Das Winterhalbjahr begann am Donnerstag, den 15. Oktober, mit Aufnahmeprüfungen. Am folgenden Morgen verſammelten ſich die Lehrerſchaft und die Schülerinnen zu einer kurzen Eröffnungsfeier im Feſtſaal. Der Direktor wies in ſeiner Anſprache auf die Arbeit des kommenden Halbjahrs hin und beleuchtete dann die Kriegslage mit beſonderer Betonung der durch den Fall Antwerpens geſchaffenen neuen Verhältniſſe. Mach der Feier begann der Unterricht.