Jahrgang 
1913
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III. Zur 6eſchichte der herderſchule.

Aus dem vorhergehenden Schuljahr haben wir noch nachzutragen, daß herr Provinzialſchul⸗ rat Dr. Borbein am 19. März das Schulgebäude eingehend beſichtigte und dem Unterricht in ſämtlichen Klaſſen und bei allen Lehrkräften beiwohnte.

Das neue Schuljahr begann am Montag, den 14. April mit Aufnahmeprüfungen. Am folgenden Morgen um 9 Uhr fand in der Aula die feierliche Aufnahme der zahlreichen, neu ein⸗ tretenden Schülerinnen ſtatt. Gleichzeitig begrüßte der Leiter im Namen der Schule die beiden neuen Mitglieder des Lehrkörpers, Herrn Oberlehrer Grüninger und hHerrn ord. Lehrer Dahl.

Über ihren Lebenslauf machen die beiden Herren folgende Angaben:

hugo Grüninger, evangeliſchen Bekenntniſſes, wurde am 6. Juni 1881 zu Mettenberg(Kreis Waldshut) im Großherzogtum Baden geboren. Die humaniſtiſche Ausbildung erhielt er auf den Gymnaſien zu Konſtanz und Raſtatt; an letzterem beſtand er im Juli 1902 die Reifeprüfung. Auf den Univerſitäten zu Freiburg i. B., Genf und Straßburg i. E. ſtudierte er Geſchichte, Erd⸗ kunde, Philoſophie und neuere Sprachen und legte am 2. November 1906 zu Straßburg die Prüfung für das höhere Lehramt ab. Machdem er ſeine praktiſche Ausbildung an der Reform⸗ ſchule in Mannheim erhalten hatte, wurde er zu Oſtern 1909 als Oberlehrer an die Luiſenſchule (Crzeum) zu Mühlheim(Ruhr) berufen. Zu Oſtern 1912 erfolgte dann ſeine Wahl als Ober⸗ lehrer an die herderſchule.

Wilhelm Dahl, evangeliſchen Bekenntniſſes, wurde am 30. April 1876 zu Windecken im Kreis hanau geboren. Er beſuchte zunächſt die dortige Volksſchule, ſodann von 18911893 die Präparanden⸗Anſtalt zu Uſingen und wurde im herbſt 1893 dem Seminar zu Schlüchtern über⸗ wieſen. Mach beſtandener Abgangsprüfung(28. Auguſt 1806) erhielt er vom 15. Oktober 1896 an ſeine erſte Anſtellung zu Fechenheim a. M., wo ihm auch nach Ablegung der zweiten Lehrer⸗ prüfung eine Lehrerſtelle endgültig übertragen wurde. Am 1. April 1901 ging er in den Schul⸗ dienſt der Stadt Frankfurt a. M. über und unterrichtete bis zum 1. April 1912 an der Wall⸗ ſchule. Im Dezember 1900 beſtand er in Caſſel die Prüfung für Lehrer an Mittelſchulen und Höheren Mädchenſchulen und wurde zum 1. April 1912 als ordentlicher Lehrer an die Herderſchule gewählt.

Außer dieſen beiden Herren konnte der Leiter noch Frau Helene Zettelmann, die ſchon im vorhergehenden Schuljahr als Hilfslehrerin an der Schule tätig geweſen war, als ſtändiges Mit⸗ glied des Lehrkörpers begrüßen.

Am 7. und 15. Mai fanden die von Kindern ſchon lange herbeigeſehnten Maiausflüge ſtatt und entführten die luſtigen Scharen bei günſtigſter Witterung in den Taunus und den Odenwald; die beiden unterſten Klaſſen begnügten ſich mit der nächſten Umgebung der Stadt.

Am 7. Juni wohnten ſämtliche Schülerinnen mit ihren Lehrern und Lehrerinnen den intereſſanten Vorführungen der Marquardſchen Beduinenkarawane im Zoologiſchen Garten bei. Mit großer Aufmerkſamkeit und oft lautem Beifall folgten alle den vielfach ſchwierigen und mit großer Gewandtheit ausgeführten Vorführungen.

Micht weniger Beifall, oft ſogar herzliche Freude, erweckte bei unſeren Kindern eine Kaſperle⸗ theater⸗Vorſtellung, die am 27. Juni von der Heidelberger Akademiſchen Geſellſchaft für Dramatik in unſerer Aula veranſtaltet wurde.

Seit dem Beginn des Schuljahres beteiligte ſich unſere Schule auch an der Pfadfinderinnen⸗ bewegung. Aus der leider noch geringen Zahl von Schülerinnen, die ſich zur Teilnahme meldeten, wurde die GruppeErika gebildet. Im Sommer hatte Frl. Rolfes die Führung der Gruppe übernommen, ſeit Anfang des Winterhalbjahres traten Frl. E. Deubel und Frl. Cl. Böhm an ihre Stelle. Wir benutzen die Gelegenheit, um die Eltern noch einmal auf das Segensreiche der Pfadfinderinnenbewegung aufmerkſam zu machen. Vielen Eltern iſt es durch die Ungunſt der Verhältniſſe oft wochenlang nicht möglich, ihre Töchter in die freie Natur zu führen. So kommen die Kinder oft auf lange Zeit nicht aus den Häuſermaſſen der Großſtadt heraus und ſind auf dieſe Weiſe von der ihnen ſo durchaus nötigen Verbindung mit der freien Matur abgeſchloſſen. Wenn auch die Schule großen Wert auf gemeinſame Spaziergänge legt, ſo iſt deren häufige Wiederholung unter der Leitung von Lehrern und Lehrerinnen ſchon aus ſchultechniſchen Gründen mit Schwierigkeiten verbunden.