Jahrgang 
1929
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tung ihrer Kräfte. Mit einem Schlagballspiel enden die Spiele auf dem Sportplatz, und wir gehen wieder nach dem Kurhaus zurück. Das Sretdskor beginnt wieder zu spielen. Viele Eltern sind nun angekommen. Unter den schattigen Bäumen herrscht ein fröhliches Leben. Die Loseverkäufer eilen geschäftig umher und verkaufen Lose.Bei mir gewinnen Sie bestimmt etwas, so heißt's bei jedem. Na, man bezahlt seine 50 Pfennig und nimmt dafür drei Lose von dem Teller. Man öffnet das zugerollte Papierzettelchen: einmal nichts, zweimal nichts, jetzt wird man mißtrauisch, dreimal... doch etwas! Jetzt schnell zum Tombolastand.He, was ist Num- mer 4812Ein Buch! Doch wenigstens etwas. Freudestrahlend bringt man den Gewinn und zeigt ihn Stolz seinen Eltern. Nunmehr erfahren wir durch das Sprachrohr, daß das TheaterstückPeter Squenz auf- geführt wird. Auf einem Hügel steht die Bühne. Am Abhang sitzen oder liegen die kleinen Kinder, um nur recht nahe an der Bühne zu sein. Dahinter stellen sich die Eltern, Lehrer und anderen Festteilnehmer auf. Der Hauptdarsteller des Stückes ist am drolligsten. Schade, daß das Stück so bald zu Ende ist. Nach der Aufführung findet die Preisverteilung für die Wettkämpfe statt. Von unserem Herrn Direktor, Herrn Böttger und Herrn. Dr. Peters werden die Preise verteilt. Wie stolz sind die Schüler, wenn sie Erster im Wettkampf waren und als Belohnung einen Eichenkranz erhalten.

Allmählich wird es dunkel. Wir sitzen an unseren Tischen und unterhalten uns. Viele Eltern und Schüler gehen jetzt zum Kurhaus. Denn heute abend ist Tanz. Im Kurhaus läuft alles bunt durcheinander und sucht sich einen Platz. Manche finden keinen mehr und gehen lieber wieder ins Freie, denn im Kurhaus ist eine schreckliche Hitze. Das Orchester ve ziunit mit einem Walzer, wie es der Ansager angekündigt hat. Und nun, im lichtüberfluteien Saale drehen sich die Paare bei den Klängen unseres Orchesters. Jetzt wird ein Schla ger angesagt. Ganz besondere Aufmerksamkeit zieht wohl der Trompeter auf sich, der da vorne steht und mit unglaublicher Stärke die Töne aus seinem Instrument hervorzaubert. Auch tanzt einer ganz für sich allein mitten unter den Tanzpaaren und spielt Geige dazu. Man sieht, welch gute Stimmung herrscht. In der Pause laufen die Kellner mit ihren Servierbrettern umher und haben viel Arbeit, denn bei dieser Hitze gibts auch Durst. Leider ist die Zeit schon vorgeschritten, und ein Teil der Festteilnehmer bricht auf, um mit dem 9-Uhr-Zug nach Frankfurt zurückzufahren. Mit Lampions gehts zum Bahnhof. Welch schöner Anblick! Zwischen den dunkeln Bäumen leuchten die hellen Lichter hervor. Jetzt sind wir am Bahnhof angekommen. Was für ein Gedränge! Der Zug kommt an. Man stürmt auf ihn los, um nur noch einen Sitzplatz zu bekommen.

Bald sind wir wieder in Frankfurt. Es ist schon spät um 10 Uhr, und wir sind doch allmählich müde geworden. Aber das ist nicht schlimm. War es doch wunderschön auf diesem Fest, auf diesem ersten Waldfest unserer Schule, dem noch viele andere folgen mögen. Erwin Kester Ollle.

n. Unser Winterfest.

(Nach dem Wortlaut freiwilliger Schülerberichte aus VI OllI.)

Die Tage der mühseligen Proben waren beendet. Nun sollte unser Winterfest freudig begangen werden. Am 23. März, ausgerechnet zwei Tage nach Frühlingsanfang, feierte unsere Schule ihr Winterfest. Zuerst wollte niemand so recht Karten kaufen, denn es war kurz vor Ostern. Für uns Schüler ist Ostern ia ein Schreck- gespenst. Auch viele FEltern denken mit heimlichem Grauen an die Versetzung. Aber es sollte ja keine Eltern- besprechung werden, nein, die Eltern sollten sich einmal mit der Schule als eine Familie fühlen, wie der Herr Direktor in der Aula gesagt hatte. Die Schule wollte einmal die ganze Schulgemeinde zusammenbringen mit allen Schülern und Eltern, auch die Freunde der Schule sollten kommen. Auch die verlorenen Söhne kamen, mancher vielleicht zum letzten Male, zur Mutter Schule und folgten dem alten Spruch:Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Die Schüler sollten Eintrittskarten verkaufen. Die beiden Klassen, die am meisten verkaufen würden, sollten einen besonderen Wandertag bekommen. Es gab jeder zum Fest sein Bestes her, dachten doch einige sogar, dadurch ihre Versetzung leichter zu erlangen. Die Vorfreude war schon groß, das Fest selber übertraf aber alle Trartunren Für mich war es das erste Mal, daß ich an einem so Schönen Feste teilnehmen durfte. Um 7 ½ Uhr fing das Fest an. Am Eingang des Zoologi- schen Gartens verkauften Schüler die Programme. Im Vorraum standen die Herren Kartenkontrolleure aus den Primen in hochfeinem Anzuge. Im Saale ging es schon vor 7 ½ Uhr sehr lebhaft her, da jeder einen guten Platz haben wollte. Die Gäste bestaunten die Tombolagewinne. Die Gewinne waren wirklich schön. Schüler hatten sie gestiftet. Aller Bewunderung erregte der Photographenapparat und ein Riesenschinken. Außerdem waren auch berühmte Gemälde, schöne Vasen und viele Flaschen Wein dabei und Bücher bis zu den aller- kleinsten. Der Elternbeirat hatte die Gewinne aufgebaut und wollte sie für die Lose verschenken nach dem Spruche: Geben ist seliger als nehmen. Immer zwei Schüler zusammen bekamen zwei Teller in die Hand gedrückt, den einen für die Lose, den anderen für das Geld. Dann schwirrten die Losverkäufer den ganzen Abend wie die Bienen in den Sälen umher. Den Loskäufern wurde vor allem der Kodak und der große Schinken angepriesen, aber sie mußten sich meist mit anderen niedlichen Sachen trösten. Ich habe alle meine Lose an den Mann gebracht und hatte am Ende 33 Pf. Defizit, dann holte ich mir meine Gewinne, die aus einer Blumenvase und einem Päckchen Kakao bestanden.

Um ˙8 Uhr herrschte auf einmal Totenstille. Unser sehr verehrter Kapellmeister Herr Otte war aufgestan- den und wurde stürmisch begrüßt. Jetzt begann der Taktstock zu tanzen. Das Lied von der Glocke wurde ge sungen. Das Orchester setzte ein und begleitete Primaner Faller bei seinem Sologesang, und der Primaner Licht deklamierte. Zum Schluß flogen die Haare des Herrn Otte, und der Beifall war groß.

Dann wurden die Turngeräte aufgestellt. Zum Klang des Hoch-Heidecksburg-Marsches marschierten die Turner in geordneten Reihen auf, Herr Böttger im weißen Turnanzug voran, und hinter ihm die Turner im blau-weißen Turnanzug. Erst wurden Sprünge über den breit- und dann längsgestellten Tisch ausgeführt. Jeder Turner fand den Beifall der Gäste, besonders ein Schüler, der im Uebereifer nicht nur über den Tisch, sondern über das ganze Podium hinweg sprang, mitten ins Orchester hinein, einem der Herren Flötenspieler auf den Kopf. Alle lachten, auch der Flötenspieler und der Weitspringer, der gleich wieder mitturnte. Dann turnten die Schüler wie die reinsten Akrobaten am Reck und am Barren. Jeder Schüler machte eine andere Uebung. Es waren

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