wirklich feine Uebungen. Die prachtvollen Uebungen machten die Zuschauer bald schwindlig. Aber da wurde geklatscht! Als Letztes und Lustigstes kam das Bodenturnen. Die Schüler schlugen Purzelbäume, machten Saltos bis über 5 Schüler hinweg und rollten zuletzt zu zweien, zu dreien und zu vieren auf dem Boden. Zum Schluß marschierten die Schüler beim Klange des Deutschlandliedes über die Bühne. Alle sangen mit, und dann klatschten alle Zuschauer zum Abmarsch den Takt.
Die folgenden zwei Theaterstücke waren von Hans Sachs, dem Schuhmacher, der immer wußte, wo die Leute der Schuh drückte. Wie mußten wir alle über die lustigen Schwänke lachen! Das erste Stückehen war„Der fahrende Schüler im Paradeis“, wo sich die Grobheit des Bauern in Liebe und Sanftmut verwandelte. Das an— dere hieß„Der tote Mann“, wo die Frau sich erst 5 Eier backen und ein Glas Wein trinken wollte, um dann besser um ihren toten Mann weinen zu können. Da sieht man, wie unser Geschlecht von den Frauen sich so anführen läßt. Das ist einfach unerhört! So einen Bauerntölpel habe ich auch noch nicht gesehen.
Hierauf wurde kräftig getanzt, wobei sich unsere Herren Lehrer eifrig beteiligten. Beim Tanz sah man kleine und große Pärchen, dicke und dünne. Ab und zu war eine Pause, die die Herren benutzten, um ein anderes schönes Mädchen zu suchen. Einige Damen, die sich auch sehr gern im Reigen drehen wollten, die aber keinen Herrn hatten, tanzten zusammen. Wir konnten noch nicht tanzen und mußten früher nach Hause gehen. AlS wir weggingen, wurde gerade gespielt:„Zwei rote Rosen.“ Wir hatten schöne Stunden im Kreise der Schule verbracht. An diesem Abend hat die Schule einmal gezeigt, was sie kann. Wir hatten gesehen, daß die Schul- leitung, wenn sie ihr strengés Gesicht abgelegt hat, auch ganz munter und froh sein kann. Wir hoffen, daß wir auch 1930 wieder ein so schönes Fest feiern können.
VII. Verfügungen der Behörden.
Ausbildung von Volksschullehrern(Ministerialerlaſ vom 22. Januar 1929).
Am 1. Mai 1920 werden in die bereits bestehenden Pädagogischen Akademien je 50 Studenten aufgenommen, und zwar in Elbing und Kiel zur Ausbildung evangelischer Volksschullehrer und-lehrerinnen, in Bonn zur Ausbildung katholischer Volksschullehrer und in Frankfurt a. M. zur Ausbildung von Volksschullehrern und Jehrerinnen. Ferner wird beabsichtigt, zum gleichen Zeitpunkte neue Pädagogische Akademien zur Ausbildung evangelischer Volksschullehrer und Jehrerinnen in Breslau, Erfurt, Hannover und Dortmund zu eröffnen und dort ebenfalls je 50 Studierende aufzunehmen.
Der Bildungsgang ist zweijährig. Studiengebühren werden nicht erhoben. Unter besonderen Voraussetzungen können Studienbeihilfen gewährt werden, die bei den Akademien zu beantragen sind. Internate sind mit den Akademien nicht verbunden. Arbeitspläne und weitere Auskünfte Sind bei den Sekretariaten der Pädagogischen Akademien erhältlich. Näheres ist auch zu ersehen aus dem Merkblatt für Berufsberatung B4:„Der Volks- schullehrer“ von Akademiedirektor Dr. Karl Weidel in Elbing, zu beziehen durch den Verlag Trowitzsch& Sohn in Berlin SW 48, Wilhelmstraße 29, gegen Voreinsendung von 35 Rpf.
Das Aufnahmegesuch ist bis spätestens zum 10. März 1929 unmittelbar an eine der Pädagogischen Akademien zu richten. Beizufügen sind:
1. ein Lebenslauf mit Angabe des Bekenntnisses,
2. eine beglaubigte Abschrift des Reifezeugnisses einer neunstufigen höheren Lehranstalt oder eine Bescheini- gung des Anstaltsleiters über die bestandene Reifeprüfung oder über ihr voraussichtliches Bestehen.
ein Gesundheitszeugnis eines zur Führung eines Dienstsiegels berechtigten Arztes,
ein amtlicher Ausweis über die Staatsangehörigkeit,
ein polizeiliches Führungszeugnis, falls seit der Erlangung des Reifezeugnisses mehr als ein halbes Jahr verstrichen ist.
Bald nach Ablauf der Meldefrist werden die Bewerber, die für die Aufnahme in Betracht kommen, zu einer Prüfung ihrer musikalischen Kenntnisse und Fertigkeiten am Akademieort einberufen. Die Bewerber müssen mit der allgemeinen Musiklehre vertraut sein, ein einstimmiges schlichtes Motiv nachsingen und niederschreiben, ein einfaches Lied vom Blatt und eine Anzahl Volkslieder auswendig singen können. Im Spiel eines der drei Instrumente Geige, Klavier oder Orgel müssen die Grundlagen vorhanden sein.
Ob in besonderen Fällen von der Forderung hinreichender turnerischer, musikalischer und technischer Vor— bildung abgesehen werden kann, werde ich auf besonderen Antrag der Akademien nach erfolgter Aufnahmeprü- fung entscheiden. Becker.
Ferienordnung Schuljahr 1929/30.
5‿
Schluß des Unterrichts Wiederbeginn des Unterrichts Osternn........ Mittwoch, den 27. März Mittwoch, den 10. April Piingsten........ Freitag, den 17. Mai Dienstag, den 28. Mai Sommer....... Samstag, den 13. Juli Freitag, den 16. Kugust Herbst....... Donnerstag, den 3. Oktober Mittwoch, den 16. Oktober Weilnachten...... Samstag, den 21. Dezember Mittwoch, den 8. Januar 1930 Ostern 1930...... Mittwoch, den°. April Frankfurt a. M., 1. Mai 1929. Dr. BRUNO ESSGERT, Oberstudiendirektor.
31


