Jahrgang 
1929
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nach der anderen Seite der Unglücksstelle wandern, wo ein neuer Zug für uns hielt. Wir kamen deshalb erst sehr spät in Innsbruck an.

In hellem Sonnenschein begrüßten uns am nächsten Morgen die mächtigen Berge. Auf einem Rundgang lernten wir die Stadt kennen. Zum Mittagessen hatte uns der Bergführer eingeladen, mit dem Herr Otte noch am Vorabend bekannt geworden war. Auf seine Anregung hin änderten wir unsér Reiseziel. Nochmals bestiegen wir die Bahn, die wir in Gries am Brenner verließen, um am nächsten Morgen zu Fuß durch schöne Gebirgs- täler, auf beiden Seiten von hohen Bergen umrahmt, über Obernberg nach dem Obernberger See zu gelangen. In einer am See gelegenen Almwirtschaft fanden wir gute Unterkunft.

Die nächsten Tage benutzten wir, um uns zu einer Hochgebirgstour einzulaufen. Abwechslung und Frholung bot uns dabei der See durch Bootfahren und Baden. Die erste größere Wanderung brachte uns auf einen Ge- birgskamm nach der italienischen Grenze. Hier machten wir Bekanntschaft mit den italienischen Grenzposten. die wir zusammen mit unserem Führer in einer wohlgelungenen Aufnahme festgehalten haben. Viel Fdelweiß vom jenseitigen Gebiete ist uns eine Erinnerung an unsere erste Wanderung in höhere Regionen. Nach zwei- tägigem Ausruhen unternahmen wir die Besteigung des Tribulaun, um oben von 2770 m Höhe aus die Pracht der Alpen zu genießen. Es waren dies die herrlichsten Stunden auf unserer ganzen Reise, die unvergeßliche Eindrücke in uns zurückgelassen haben.

Am nächsten Tag galt es von dieser schönen Gegend Abschied zu nehmen. Wir verbrachten noch zwei Tage in Gries, von wo wir einen Abstecher nach dem Brenner-Paß machten. In Innsbruck verabschiedeten wir uns von unserem Führer. Nach langer Nachtfahrt über Bregenz und Radolfzell langten wir wieder wohlbehalten in unserer Vaterstadt Frankfurt an.

Wir haben auf dieser Ferienreise ein schönes Stück unserer deutschen Heimat und Oesterreichs kennen gelernt, was wir vor allem unserem Herrn Otte verdanken, de nicht die Mühe und Verantwortung gescheut hat, die mit unserer herrlichen Ferienreise verbunden waren. Heinz Zimmermann OllIlb.

I. Aufstieg zur Scesaplana.

In Amerlügen ist unser Standquartier. Verlockend schaut die Scesaplanaspitze mit ihren glitzernden Schnee feldern zu uns nieder. Sie soll unser Wanderziel sein. Von Bludenz aus stiegen wir unter Führung des Herrn Studienrat Gerstner über das liebliche Alpendörfchen Brand am Lünersee vorbei zur Douglashütte auf, wo wir zu Nacht blieben. Am Abend pflücken wir draußen an den Felsen Alpenrosen, Enzian, Alpenveilchen und andere Alpenblumen. Inzwischen wird es Schlafenszeit. Zu zweit müssen wir auf einem Matratzenlager schlafen, aber zu einem rechten Schlaf können wir nicht kommen. Späte Gäste trappen die Steige herauf. Eine ganze Weile rumort und poltert es dort oben, endlich ist es ruhig. Trotzdem finden wir keinen rechten Schlaf. Unser Lager ist nämlich ein bischen hart. Es ist noch dunkel, als wir erschreckt aus dem halben Schlafe auffahren.Was ist los? tönt es aus einer Ecke. Eine Stimme im Nebenzimmer ruft:Aufsteigen! Darauf wird mehrmals an die Bettwand geklopft. Eins, zwei, drei, geht es aus den Betten. Wir waschen uns alle an einem Eimer. Flugs ziehen wir die Kleider an. Nur das Nötigste wird in den Taschen verstaut. Rasch ist das Frühstück verzehrt. Bald darauf sind wir zum Aufstieg bereit. Um 5 Uhr marschieren wir los, einer hinter dem anderen. Hinter einer Biegung entzieht sich der Lünersee unseren Blicken. Bis jetzt ist das Wetter klar. Das erste, aber noch kleine Schneefeld wird mit Hallo begrüßt. Hoppla, da rutscht ein Bergstock den Hang hinunter auf Nimmer- wiedersehen. Verblüfft schaut ihm der Eigentümer nach. Zum Glück findet er bald einen Ersatzstock, sonst wäre er wohl kaum auf die Scesaplana gekommen. Das zweite Schneefeld müssen wir im Zickzack durchqueren. Jetzt müssen wir aber tüchtig klettern. Auf einmal verändert sich das Wetter. Undurchdringliche Nebel lagern in den Tälern. Einige Touristen fahren am dritten Schneefeld ab. O wehl! Dort verliert einer seinen Brems- Stock und rudert auf dem Bauche weiter. Nun liegt der Gipfel vor uns. Wir sind oben! Nebel, nichts als Nebel. Er weicht nur für Augenblicke. Unter uns liegt der Brandner Ferner, auf der anderen Seite die Schweiz, immer wieder versperrt uns der Nebel die Ausstcht. Wir warten, daß er verschwindet. Aber vergeblich. Wir frieren an den Füßen und steigen ab. Keiner wagt es, im ersten Schneefeld abzufahren. Erst am nächsten finden wir den Mut dazu. In sausender Fahrt ließen wir eine schöne Strecke zurück. Es ist gar nicht so schlimm, nur gehört eben ein bißchen Mut dazu. Bald kommt der Lünersee uns wieder zu Gesicht. Wir stehen vor der Douglashütte und machen Rast. Um 12 Uhr geht es weiter. Noch ein langer Marsch liegt vor uns, auf Fels- wegen und durch sonnige Wiesenhänge, an Sennhütten, am Schweizertor und an der Lindauer Hütte vorbei. Wir hören das schrille Pfeifen der Murmeltiere, und das trauliche Läuten der Kuhglocken klingt an unser Ohr. Wir besichtigen den Alpengarten bei der Lindauer Hütte, wo wir alle Alpenblumen vom Alpenveilchen bis zum Edelweiß bewundern können. Abends sind wir wieder in unserem Amerlügen angekommen. Eine schöne, unver geßliche Wanderung liegt hinter uns. Stolz und froh erzählen wir uns noch ietzt von unseren Erlebnissen.

Karl Walther Ollla.

m. Unser Sommerfest in Wilhelmsbad.

Wilhelmsbad, rings vom Walde umgeben, darüber der blaue Himmel mit der lachenden Sonne, die hernieder- schaut auf das lustige Treiben der Helmholtzschüler. Heute ist unser Schulfest, und wir sind lustig und guter Dinge. Inmitten der bunten Menge erklingt unser Schulorchester, das unter den Bäumen in einem Pavillon Plat- genommen hat. Am Kurhaus stehen viele Schüler vor den Gewinnen der Tombola. Was kann man da alles ge- winnen! Einen feinen Photographenapparat, den wohl jeder gewinnen möchte, und viele andere schöne Dinge. Zwei schöne Bilder, die Herr Grube und Herr Zickwolff gemalt haben, sind auch dabei. Da wird durch ein Sprachrohr bekanntgegeben, daß jetzt auf dem Sportplatz die Wettkämpfe beginnen. Alle eilen dorthin. Die Wettkämpfer haben sich um Herrn Böttger versammelt und werden von ihren Freunden angefeuert, ihre Sache beim Staffellauf recht gut zu machen. Einige lagern sich behaglich auf der Erde. Alle sind aber gespannt dar auf, was jetzt kommen wird. Nun haben die Staffelläufer sich aufgestellt.Auf die Plätze... Achtung

Fertig... Los. Ein Schuß, und die Läufer jagen los. In der grellen Sonnenglut laufen sie mit letzter Aufbie-

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