beitete Mund und vor allem das herabhängende lockige Haar verleihen diesem Antlitz einen Ausdruck sprü- hender Jugend. Aus ihm kann man so recht die innere Jugendlichkeit, das rein Seelische dieses jungen Ritters erkennen. Karl Wurm Ulb.
h. In der Glashütte.
Dumpfe Schwüle. Spärliches Licht. Eine flache, weite Hütte mit rauchschwarzen Wänden, schmutzigen Fenstern. In der Mitte ein großer Rundofen mit sechs Türen. Eine steht offen. Stechende Hitze quillt uns entgegen. Ein riesiges Feuermeer. Flammen tanzen über einer gelb-roten Flüssigkeit, dem Glassatz. Ein Arbeiter kommt heran, hemdsärmelig. Seine Hose ist notdürftig mit einem Gürtel befestigt, ihr oberer Rand glänzt, als wäre er mit einer Salzkruste überzogen. Das schmutzige Hemd ist am Halse eingeschlagen, so daß ein kleiner, herzförmiger, behaarter Brustausschnitt sichtbar ist. Der Mann taucht eine Eisenstange, die„Pfeife“, in das Flammenchaos. Er dreht sie étwas in der Ofenmündung, und eine weißglühende Birne in Melonengröße hängt an der Pfeife. Geschickt schwingt er die Pfeife kopfan, so daß die rote Birne senkrecht über seinem Kopfe steht. So läuft er ein Stück, und schon saust der glühende Klumpen auf einen blanken Eisentisch. Nun be-— ginnt er zu formen. Wir stehen neben ihm, seine Augen gleiten an uns auf und ab. Das Antlitz kennt keinen Schweiß, es ist gehärtet, gebräunt, gestählt von der ewigen Glut. Herbe, tief eingegrabene Falten durchziehen die Backen. Die Stirn ist in Falten gelegt und rotbraunes Haar hängt unwirsch darauf hernieder. Die Birne ist mittlerweile zum abgestumpften Kegel geworden. Das durchsichtige, lebenswarme Rot dieses Kegels möchte man mit Händen fassen, es kneten, es durch die Finger quetschen, aber die beißende Hitze erinnert einen gleich an die nüchterne Wirklichkeit, daß es der Glassatz ist. Ein zweiter Arbeiter ist herbeigekommen. Er hat an seiner Pfeife eine flache Platte ebenfalls aus Giassatz. Er setzt die Platte gegen die Unterseite des Kegels. Beide Arbeiter treten in einen langen Seitengang, und nun beginnt ihr schweres Werk. Der eine bläst die Backen auf, die Brust hebt sich, der Oberkörper neigt sich nach hinten. Nun stampft er wie ein Pferd davon, ständig blasend. Allmählich verschwindet er in dem Dunkel des Ganges. Man sieht nur noch das glühende Rot, wie es mehr und mehr schwindet. Der andere Arbeiter ist inzwischen am Ende des Ganges an-— gekommen, denn seine Aufgabe war es, schnell davonzulaufen, damit die entstehende Röhre die nötige Länge bekam. Beide kommen nun zurück mit Glasresten an ihren Pfeifen, und ihr Werk beginnt von neuem. Im Gange aber liegen 25 m prächtige Glasröhren. So arbeiten diese Menschen Tag für Tag, denn morgen werden sie wieder formen und stampfen und die Backen blähen, um die zähe Masse in schmucke Röhren zu verwan- deln, und übermorgen und nächstes Jahr werden sie wieder dasselbe tun, nur um am Ende jeder Woche ihrem Weibe einige Mark auf den Tisch zu legen, daß die Kinder zu essen haben. Fduard Michaelis Ulb.
i. Zur W9artburg empor.
Stille ist rings! Wogende Nebelmassen füllen weit das Tal. Keine drei Schritt weit sehe ich vor mir den Pfad. So folge ich ihm tappend und suchend wie blind. Wohin wird er mich bringen, wo bin ich denn überhaupt? Aber es geht aufwärts, ich muß doch wohl recht sein. Geraume Zeit vergeht. Nebel. grauer niederdrücken- der Nebel, sonst nichts.— Da auf einmal blitzt ein Strahlenbündel durch das Grau, und noch ein paar Schritte, dann stehe ich im gleißenden Lichtmeer. Fern entrückt ist nun der brodelnde Nebelsumpf. Weit, weit dahinten blieb er, aber über mir glänzt und flammt in der Sonne des neuen Tages die Wartburg.
An der Schildwacht vorüber trete ich durchs Tor. Ein eigenartiges Gefühl hängt sich an mich, denn es ist doch die Wartburg! Was klingt in diesem Worte alles für uns. Von raunender Sage spricht es, von kühnem Wollen und hoher Tat. Und was hat sie schon alles vorüberbrausen sehen, seit dem Tage, als der Landgraf die Worte sprach:„Warte, Berg. du sollst mir eine Burg werden“, und welche Zeiten hat sie aufsteigen und sinken sehen, bis sie so stand, wie sie uns jetzt grüßt, So Stolz, So frei. Mächtige Mauern, Remter und Zinnen türmt sie übereinander. Drinnen aber huscht es über Gänge und Trepplein, rauscht durch den hohen Saal, flüstert in stillen Kemenaten und Klingt in der schlafenden Kapelle aus. Denkt man dann an jene ungarische Prinzessin, die als heilige Elisabeth hier lebte? Hier brausten und klangen die Lieder der Sänger. Wir schauen uns um, hier war ja das alles. Gedämpftes Licht fällt durch die romanischen Fenster und malt uns das Bild des Vergangenen, des längst Verwehten.— Dann kommt ein anderes Bild. Hier tat er das Werk, zu dem er be- rufen war,— er, Martin Luther. Hier hat er mit Satan den bitteren Kampf gekämpft und hat siegen dürfen. Hier war es, da er uns das Wort wiedergab, das Menschenwerk schon gar verdunkeln und verhüllen wollte, das Wort von der frohen Botschaft.— von der Botschaft vom Kreuz! Auch Luther hat seine Stätte hier. Dort in den Niederungen braut der Nebel. Von dort unten hat er sich durchringen müssen, bis er auf freier Höhe stand. Dann aber hat er gestanden in seiner blanken Wehr in all den Wellen, die heranbrausten und rollten, ihn zu fällen. Dort unten brandet der Nebel den Berg empor und wird ihn doch in Ewigkeit nicht verschlingen, zergischtend sinken die Fetzen zurück. Ueber allen Gipfeln und Höhen aber liegt Ruh'’, und wie ein Leuchten, das herniederglänzt, strahlt von der Wartburg das Kreuz! Kurt Münchheimer Ulb.
k. Unsere Ferienreise nach Tirol.
Am 16. Juli versammelte sich schon um 6 Uhr früh im Hauptbahnhof eine fröhliche Schar von 15 Knaben. Freude leuchtete aus aller Augen, denn wir sollten unter der Führung unseres Herrn Otte eine Ferienreise nach dem schönen Tirol machen. Die Bahnfahrt war uns nicht langweilig. Ueberall gab es ia etwas zu sehen. Wir fuhren durch den herrlichen Schwarzwald nach dem alten Städtchen Konstanz. Schon wartete der Dampfer, um uns bei herrlichstem Wetter die Fahrt über den Bodensee nach Lindau genießen zu lassen. Dort stiegen wir auf den Bregenzer Dampfer, um nach etwa halbstündiger Fahrt bei einbrechender Dunkelheit auf dem österreichischen Ufer, in Bregenz, zu landen.
Am nächsten Morgen besichtigten wir die Stadt, um dann mit dem D-Zug in abwechslungsreicher Fahrt unse- rem Endziele ein Stück näher zu kommen. Plötzlich hielt der Zug unterwegs auf freier Strecke. Der Eisen- bahndamm war hier vor einiger Zeit in den Inn gestürzt. Alle mußten aussteigen und mit ihrem Gepäck
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