Jahrgang 
1929
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Knallen seiner Peitsche. Stumm geht er in gleichmäßig wiegendem Schritt die Furchen entlang; doch plötzlich schaut er auf. Der Wind trägt ihm die abgerissenen Klänge eines Wanderliedes zu. Noch kann er die Sänger nicht erkennen, es scheinen Wandervögel zu sein. Doch jetzt sieht er sie, die Jungens, die fröhlich durch das taunasse Gras stampfen. Fröhlich sind sie und können es sein, denn Alltagssorgen und Pennälerängste haben sie hinter sich in Frankfurt gelassen. Gestern haben sie die Sehenswürdigkeiten Bambergs bewundert, heute sollen die Schönheiten des Frankenlandes sie erfreuen. Hell klingt von ihren Lippen das Scheffelsche Lied:Wohlauf, die Luft geht frisch und rein, wer lange sitzt, muß rosten. Rasch sind sie vorübergezogen, der Bauer wendet sich seinem Tagewerk wieder zu. Schon lange sahen wir auf der Höhe vor uns die verschwommenen Umrisse eines Schlosses durch den Herhbst- nebel schimmern. Langsam schlängelt sich unser Weg durch Wiesen und Felder, bis er an einem Flüßchen haltmacht. Ein Flüßchen, das uns allen bekannt sein sollte, das wir aber nicht wiedererkennen, es ist unser stolzer Main. Schmal, kaum steinwurfbreit ist er hier, der breite Strom, an dem unsere Heimatstadt liegt. Fin Fährmann bringt uns hinüber zum anderen Ufer. Der Aufstieg zum Schlosse beginnt. Die Sonne hat sich endlich durch den Nebelschleier durchgerungen. Der Wald des Schloßberges nimmt uns auf, der würzige Duft der taufrischen Natur atmet uns entgegen, die gelben Herbstblätter der Buchen rascheln unter unseren schnellen Schritten. Endlich haben wir die Höhe erklommen, Schloß Banz liegt vor uns, und entzückt schweift der Blick über die weite Fbene zu unseren Füßen. Das schillernde Band des Mains windet sich durch die fruchtbare Niederung, die roten Ziegeldächer freundlicher Frankendörfchen winken zu uns herauf, und herüber, über das Tal, grüßen die Türme der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen. Wieder drängt sich uns Scheffels Lied auf die Lippen, und weit hinaus Schallt unser Sang:

Zum heiligen Veit von Staffelstein komm ich emporgestiegen,

Und seh die Lande um den Main zu meinen Füßen liegen.

Von Bamberg bis zum Grabfeldgau umrahmen Berg und Hügel

Die breite stromdurchglänzte Au, ich wollt, mir wüchsen Flügel! Bewundernd schauen wir in das Land zu unseren Füßen, bewundernd schauen wir aber auch die Baudenk- mäler, die uns in Schloß und Kirche Banz von deutscher Kunst und Vergangenheit künden. Balthasar Neumann und Dietzenhofer, deren Namen mit der Geschichte Frankens eng verbunden sind, haben diese Werke ge- schaffen. Nun fordert auch das leibliche Wohl sein Recht. Das Frühstück in fröhlicher Runde stärkt uns zum Abstieg und zum Weitermarsch nach Vierzehnheiligen. Mit heiterem Scherz und lautem Halloh gehts wieder im schwan- kenden Kahn zurück über den Main. Noch einmal wenden wir den Blick nach dem Schloß, um dessen Türme die gleißenden Strahlen der September- sonne spielen, dann schreiten wir wieder tüchtig aus. Unser Weg führt durch ein verträumtes Frankendörfchen. dessen Gänse und Hühner erschreckt bei unserem Erscheinen fliehen. Die Kinder am Wegrand gucken uns neugierig erstaunt aus ihren runden, blanken Augen an. Ein paar Bauern blicken uns lächelnd nach, lächelnd über die Ausgelassenheit und Ungebundenheit der Groß- stadtiugend. Sie blicken uns nach, bis wir an der nächsten Wegkrümmung verschwinden. Alex Weber Ulc.

e. Die Würzburger Residenz.

Es war in den Mittagsstunden eines sonnigen Herbsttages, als wir in Würzburg vom Dome her durch die Gassen der Stadt schritten und plötzlich die Residenz vor uns liegen sahen. Ihr Bau machte einen gewaltigen Eindruck auf mich. Mächtig und klar im äußeren Aufbau lagen der etwas zurückgeschobene Hauptbau und die beiden Flügelfassaden vor unseren Augen. Verstärkt wurde dieser Findruck noch durch die gewaltige Ausdeh- nung eines freien Platzes, der wie ein weiter Vorsaal vor dem Schlosse liegt. Ein dreiteiliges Portal bildet den Eingang zum Mittelbau. Durch diesen Eingang gelangten wir in eine große Halle, die durch Pfeiler ge- stützt wird, in das Treppenhaus. Während das Aeußere der Residenz uns klare und einfache Formen bot, kamen wir nun in den Bereich des Verschnörkelten, des Barocks. Staunend bewunderten wir die Farbenpracht des riesigen Deckengemäldes, das der italienische Meister Tiepolo geschaffen hat, und die feinen Marmorstatuen auf der Freitreppe. Der Maler gab dem Bilde, das sich über die ganze Decke erstreckt, den TitelDie vier Weltteile. Er läßt die braunen, schwarzen, weißen und gelben Menschen bunt durcheinander wogen. Er stellt nicht nur die Menschen dar, sondern auch ihre Umwelt und ihre Tiere und gibt ein charakteristisches Stück des Bodens wieder, auf dem sie leben. Die Darstellungsform tritt am klarsten in den Gruppen der Orientalen und Wilden hervor, unter denen sich Menschen von prachtvoller, kräftiger und formvollendeter Natur finden. Im ganzen Gemälde ist überall dieselbe packende Gewalt der Farbe und der feinen Form zu spüren. Als besondere Eigentümlichkeit stellt das Bild eine Verbindung zwischen Malerei und Plastik dar. Während zum Beispiel die Figur eines Menschen gemalt ist, treten seine Füße plastisch aus der Wand hervor.

Auf der Rückseite des Schlosses dehnt sich das endlose Grün des Hofgartens aus. Der Garten ist nach Ver- sailler Muster angelegt und mit Terrassen und Balustraden reich geschmückt. Im Schatten der Bäume auf den Balustraden stehen barocke Kindergruppen. Bald sind es Kinder, die wie Große kokettieren oder mit- einander tanzen oder wie echte Kinder sich balgen und tolle Scherze treiben.

Am Ausgang des Hofgartens erregte ein handgeschmiedetes Gartentor des Meisters Oegg unsere Aufmerksam- keit. Unter dem Hammer des Meisters schmiegte sich das zähe Eisen zu natürlichem Laub und zierlichen Ranken. Das lebendige, formschwellende Tor Steht in wirkungsvollem Gegensatz zu der mächtigen Mauer, in die es eingespannt ist. Julius Koch Ula.

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