Jahrgang 
1929
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b. UÜber den großen Arber.

Bei Sonnenaufgang marschieren wir los. An armseligen Bauernhütten geht es vorüber, deren Bewohner bei harter Arbeit sind, um dem dürftigen Boden karge Nahrung abzugewinnen. Durch helle Laubwaldungen, düstere Tannenbestände steigen wir steil hinan, zum Großen Arber, dem höchsten Gipfel des Böhmerwaldes. Plötzlich stehen wir am großen Arbersee. Dunkel leuchtet sein Auge aus dem ragenden Felskessel hervor. Weiter hinauf geht es zum Gipfel. Knorriges Wurzelwerk, Felsblöcke hemmen den Schritt. Hier und da haftet noch schmutzi- ger Schnee an den Hängen. Bemooste Felsen, hier und da kleine Gruppen von verkrüppelten Fichten. Unter einer Felswand grüßt freundlich das Schutzhaus, blauer Rauch ringelt aus dem Kamin in den klaren, sonnenhellen Tag. Noch ein kurzes Stück, und wir sind auf der höchsten der beiden Kuppen. Endlos dehnt sich das Himmels- zelt und umspannt diesen herrlichen Fleck Erde, den wir überschauen. Fern von dem Großstadtleben, hier oben auf einsamer Höhe, da kommt erst die rechte Erkenntnis von der Größe und der Erhabenheit Gottes! Tief unter uns liegt eingebettet der Arbersee, weit schweift der Blick über das Donautal und verliert sich in bayrischen Landen. Ostwärts zieht der Grenzkamm dahin, dunkel bewaldet. Rauch steigt an vielen Stellen empor, Köhler sind dort an der Arbeit. Von der anderen Kuppe hat man einen schönen Ausblick auf das Hochtal, das sich zu Füßen des Arbers dahinzieht. Rote Dächer blinken in der Ferne, wo wir in einem der Dörfer heute unser Nacht quartier finden werden. Doch jetzt sind wir noch wanderfroh und steigen rüstig wieder bergab.

Ueber das Hochtal geht es hinweg in der sonnendurchtränkten Landschaft. Glitzernde Felsblöcke treten aus dem Boden hervor, dunkel grünen die Heidelbeerbüsche. Noch ein letzter Aufstieg, dann sind wir auf dem Grenzpfad. Ein Blockhaus steht da, ein schwerhöriger Alter weist uns den Weg. Hinunter geht es auf der an deren Seite, auf gut gepflegten Wegen zum Schwarzen See. Es ist einer der schönsten Seen des Böhmerwaldes. Steil türmen sich die Felswände ringsum. Schwarze Tannen an den Hängen, die sich in der klaren Flut wider- spiegeln. Leise plätschern die Wellen gegen das Ufer. Doch bald müssen wir auch diesen lerrlichen Fleck ver- lassen, denn noch eine lange Wanderung steht uns heute bevor. Wiederum haben wir es erlebt und genossen auf unserer Wanderfahrt: Ueberreich an Schönheit ist die Natur auch in den entferntesten Winkeln unserer deutschen Heimat. Alex Müller Ola.

c. Aufstieg zum hohen Burgstall.

gach unserer Münchener Studienfahrt Sollten wir die Schönheit der Alpenwelt schauen, die wir fast alle noch nicht kannten. Herr Dr. Wagner führte uns über Berchtesgaden und Innsbruck in das Stubaital nach Fulpmes. Höher schlug uns das Herz, als wir in dem kleinen Städtchen inmitten der schneebedeckten Berge ankamen! Der Hohe Burgstall sollte für uns Neulinge in der Alpenwelt das kühne Ziel eines Aufstieges in die Schnee- und Gipfelwelt sein. In froher Erwartung zogen wir am frühen Morgen durch die schmucken Gäßchen der Stadt den Bergen zu, dann über saftige Wiesen und durch den Wald und aufwärts über Steingeröll und nackte Felsen zur 1340 m hohen Fronebenalpe. Nach kurzer Rast auf der schönen Alm geht es weiter hinauf. Bald liegt der Wald hinter uns, nur einzelne krumme und knorrige Bäumchen haben dem Kampf mit Sturm und Wetter noch getrotzt. Bei der Knappenhütte begrüßen wir jubelnd den ersten Schnee, und droben winkt schon die Starkenburger Hütte, die wir nach mehrstündigem Anstieg über bemooste Abhänge erreichen. Da liegt auch als nächster Bergriese der Hohe Burgstall mit schneebedecktem Haupte majestätisch vor uns, dicht bei ihm der Habicht mit 3280 m Höhe und in weiterer Entfernung der Alpeiner Ferner, der wilde Freiger, der wilde Pfaff und das Zuckerhütl. Nun klettern wir weiter. Es ist kein Gehen mehr. Mit Händen und Füßen müssen wir dem steilen Berge Meter um Meter abringen. Ueber Schluchten und Risse geht es hinweg, die der Schnee verdeckt. Vorsicht ist not. Immer häufiger sinkt hier und da einer von uns in den tiefen Schnee ein. Aber immer höher geht es nach kurzen Atempausen hinan. Hinter uns liegt die Starkenburger Hütte schon winzig klein in der Tiefe, und näher rückt uns in der Höhe das weitragende Kreuz auf dem Gipfel unseres Berges, das uns den Weg weist. Noch um zwei Felsen müssen wir herum. Wir können der Tiefe des Schnees nicht trauen, aber auch der Kalkfels birgt Gefahr, er ist Stark zerklüftet und bröckelt ab. Doch wir müssen es wagen. Dicht an der Felswand geht es vorsichtig über steil abrutschendes Geröll hinüber, und es ist uns eine Lust in ernster Lage, wenn ein Stein sich loslöst, über das Geröll hinunterpoltert und auf dem Schnee feld sich zur kleinen Lawine formt, die in rasendem Lauf zur Tiefe geht. Ein letztes Hindernis tritt uns ent- gegen. Doch ein Drahtseil, das in den Felsen geschlagen ist, hilft uns schnell über den schwindelnden Gang hinweg. Der Berg ist unser!

Wir halten Rast am Gipfelkreuz. Alles ist still, jeder hat seine eigenen Gedanken! Ein heiliger Friede, ein Ahnen geht aus vom schlichten Holzkreuz. Es ist, als ob hier oben in einsamer lichter Höhe die Welträtsel sich lösen könnten, um die tief unten die Menschen in ruheloser Hast und in dumpfem Brüten sich ewig mühen. Und rings um uns die herrliche Welt der weißen Kuppen! Wie klein fühlen wir uns doch inmitten der allge waltigen Bergesnatur. Noch sind wir stumm, doch auf jedem Angesicht der naturarmen Großstädter blinkt ein Schimmer wunderbaren Erlebens. Noch einen verlangenden Blick in die Schönheit der Berge, und wir müssen uns trennen. Viel stiller wird es beim Abstieg, als es beim Aufstieg war. Ist es doch, als müßten wir etwas zurücklassen von einem neuen Glück, das wir hier genossen. Doch bald kommt die Freude wieder über das Erlebte. Und mit ihr mischtf sich ein Gefühl der Dankbarkeit für die lieben Menschen, die uns jenes Glück bescherten. Karl Mathis Olb.

d. Morgenwanderung im Frankenland.

Noch wogen die Frühnebel im Tale und breiten ihren Schleier über die Erde. Die Natur schläft noch, und nichts unterbricht die Stille als das leise Flüstern der Blätter im Herbstwind. Das fröhliche Zwitschern der Vögel ist verstummt, denn der Herbst mit seinen naßkalten Tagen hat seinen Einzug gehalten und sie nach dem sonnigen

Süden vertrieben..... Bedächtig schreitet ein Bauer hinter seinem Pfluge drein. Nichts stört die weihevolle Ruhe als das zeitweilige

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