Jahrgang 
1929
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Am 13. November hielten die Unterprimaner an einem Elternabend vor Eltern und Schülern Lichtbildvorträge üher ihre Erlebnisse auf der Studienfahrt: 1. Stein und Licht: Zusammenhängender Bericht über die Fahrt zur Vorführung der aufgenommenen Lichtbildstreifen. 2. Weber: Morgenwanderung im Frankenland. 3. Wolf: Würz- burg. 4. Koch: Die Würzburger Residenz. 5. Adolph: Bamberg. 6. Wurm: Der Bamberger Dom. 7. Funk: Sonne- berg und Seine Industrie. 8. Michaelis: Eindrücke in der Glashütte. 9. Heddäus: Im Goethehaus zu Weimar. 10. Münchheimer: Auf der Wartburg. 11. Faller: Herbstwanderung durch den Thüringer Wald.

Die Ergebnisse der Wander- und Studienfahrten, die wir seit Jahren mit den oberen Klassen ausführen konnten, haben bisher unseren Erwartungen entsprochen. Wir hoffen, daß es uns gelingen wird, auch auf anderen Klas senstufen solche Fahrten in geschlossenen Klassen- und Interessengemeinschaften(wissenschaftliche, technische, künstlerische, sportliche Fahrten) zu unternehmen und mit den Aufgaben der Erziehung und des Unterrichts eng zu verbinden. Fröhliches Lernen und verständnisvolles Genießen ist ihr gemeinsamer Zweck. Es ist nicht immer leicht, größere Schülergruppen zu längeren Wander- und Studienfahrten zusammenzufassen und alle Schüler einer Klassen- oder Interessengemeinschaft, auch die minderbemittelten, an einer gemeinsamen Fahrt zu beteiligen, und doch ist der Zusammenschluß aller Schüler nötig, um die Zwecke zu erreichen, die wir mit den Fahrten verbinden. Wir haben bei den meisten Schülern ein freudiges Verständnis für diese Zwecke ge- funden und erfreuen uns auch der wohlwollenden Zustimmung der Fltern, insbesondere des Elternbeirates, zu den Aufgaben, die wir uns gestellt haben. Eine weitere und dauernde Sorge muß es für uns und die Eltern sein, die Mittel zu gewinnen, die in sozialer Verteilung an bedürftige Schüler die Teilnahme aller Schüler er- möglichen.

4. Schülerberichte von Wanderfahrten und Schulfesten.

a. Wie ich München erlebte.

Meist liegt das Merkwürdige und Schöne einer Stadt abseits vom Getriebe des großen Verkehrs. Jedes Fleckchen Erde, jedes stille Dörfchen und jede moderne Großstadt hat eine Eigenart, die ihren Reiz auf den schauenden Menschen ausstrahlt. Keines gleicht dem andern, und so habe ich auch München auf besondere Art erlebt. Durch alte Straßen und Tore, an prunkvollen Gebäuden vorbei, aus dem Getriebe der Großstadt gelange ich in den Hofgarten, der belebt ist von Spaziergängern und Fremden. Mitten aus diesem Idyll mit seinem zwitschern- den Vogelgesang, mit seinen duftenden und prangenden Anlagen ragt das Grabmal der Gefallenen, der unbe- kannten Soldaten. Ein ungeheurer Porphyrblock versinnbildlicht die gewaltige Grabplatte, unter der die gefal- lenen Helden schlummern. Stolz, ungefällt ist der deutsche Soldat zum letzten Appell gerüstet, den Sturmriemen des Stahlhelms unter dem Kinn gestrafft. Noch im Sterben umklammert die Faust das rauchschwarze Ge wehr, starrt das gebrochene Auge als lebendige Anklage zum Himmel empor. Um dieses Grabmal, in Marmor gehauen, sind die Namen von 30 000 gefallenen Münchnern verewigt. Schaudernd steht man vor dem Rätsel dieser Toten, und zögernd schaufelt man ein Grab zum ewigen Vergessen. Aber das Leuchten der deutschen Heldenaugen läßt sich nicht bannen. Es bleibt und glüht auch unter der Erde, künftigen Auferstehens Keim. Die Natur, die zu neuem Leben ersteht, keimt und blüht um dies tote, von Menschenhand errichtete Kunst- werk. Durch grünende Auen, um prächtige Haine, herrliche Blumen- und Moosbeete schlängeln sich die Arme der Isar. Leise rauscht das einsame Lied der Woge, freundlich lugt durch das geschlossene Blätterwerk der hochstämmigen Buchen das strahlende Licht der Sonne und zaubert auf feinen Sand und weißen Kies neckische Gestalten, die sich anmutig mit schwirrenden Schmetterlingen, schillernden Libellen und gutmütig-brummenden Käfern zu fröhlichem Gaukelspiel vereinen. Still und verschwiegen plätschert die grüne Isar zu meinen Füßen, und murmelnd berichten die Wasser von steilen, schneebeladenen Berghängen, von eisigen Gletschern, steinigen Klamms, von ödem, versandefem Flußbett und von der kleinen Donau, in der die letzten Seufzer ihrer Wogen verhallen. Aber so lebensmutig und feurig werfen die Wellen die gleißenden Sonnenstrahlen zurück, und so froh tollen sie am Ufer auf und nieder, als ob sie sich selbst über ihren allzu traurigen Gesang ergötzten. Lachend leuchtet das Blau des Himmels, lockend grüßt das reine Weiß der ziehenden Wolken, und so hell und freundlich umfließt klares Sonnenlicht die in weiter Ferne strahlenden Berge, daß das liebliche, eindringliche Glockenge läute mir den schönsten Sonnentag meines Lebens vorspiegelt. Gutmütig strahlt die Sonne herab, die Vögel jubeln ihre Weisen: Pfingsten überzieht München mit seinem Zauber und verleiht ihm ein neues, schöneres Gepräge.

Ich glaube, der Friedensengel wird lichter, das Maximilianeum größer und würdiger, der Glockenklang heller und freudiger, die Menschen nicken sich freundlicher einGrüeß Gott! zu. Zahlreicher strömen sie heute in die ehrwürdige, dunkle Frauenkirche, die mehr als Sonst eine mystische Stimmung dem Besucher aufzwingt. Sie knien am Sarkophag des heiligen Nepomuk, und sie schauen, wie der gütige Gott seinen gekreuzigten Sohn ans Herz zieht und der heilige Geist in Gestalt einer vergoldeten Taube den Menschen die ewige Erkenntnis bringt. Jetzt erwachen sie aus ihrem trüben Alltagsleben, ein Leuchten zieht über ihr Gesicht und gibt ihnen erst die rechte Pfingstweihe.

In dieser Stimmung wirkt auch Nymphenburg wie eine zauberhafte Märchenwelt. In prächtige Anlagen einge- bettet, erhebt sich das träumende Schloß, aber die Säle sind leer und öde, laut hallen die Schritte darin nach. Vorwurfsvoll sehen die Gemälde auf den herab, der ihre Ruhe stört. Dazu blitzt und gleißt und funkelt das Gold und Silber, spiegelt sich in der Sonne, Strahlt zurück und blendet mit seiner ganzen Pracht die Augen, die ein verwunschenes Schloß zu sehen wähnen. Leise rauschen draußen die Wipfel der Bäume, kräuselt sich das Wasser des kleinen Sees, langsamer ziehen die Schwäne dahin. leuchtender wird das Grün im Strahl der untergehenden Sonne, bis alles in einem violetten Dämmerschein ineinanderfließt und verschwindet. München versinkt mit seinem Glanz, die Nacht überzieht die Schö nheit mit ihrem Schatten.

Has ist das München, das auf mich einen tiefen Eindruck ausgeübt hat und mir zum Frlebnis wurde. Denn ich sah nicht eine Stadt, einen Fluß und ein paar Bäume, sondern ich erlebte greifbare Romantik, ein wirkliches Sonnenland. Harold Baumeister Olb.

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