Jahrgang 
1928
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Werkes im Nibelungensaal zu Mannheim zu wiederholen. 63 Schüler unter Führung des Herrn Oberschullehrer Otte beteiligten sich an der Fahrt nach Mannheim, wo sie gastfreundlich auf- genommen und bewirtet wurden, die Stadt und das Schloßmuseum besichtigten und den Komponisten, dessen Werk sie aufführen sollten, Herrn Walter Braunfels, persönlich kennen- lernten. Am Nachmittag wurde eine Fahrt nach Heidelberg zur Besichtigung des Heidelberger Schlosses unternommen, Am Abend wurde der Chor zum Konzert im Nibelungensaal von den über 4000 Zuhörern überaus freudig empfangen und nach der Aufführung mit reichem Beifall belohnt. Ein kleiner Quintaner bezeichnete den Tag auf der Heimfahrt als den schönsten seines ganzen Lebens.

Studienfahrten.

Die größeren Studienfahrten der oberen Klassen, insbesondere der Besuch des Deutschen Museums in München, konnten wiederum in vollzähligen Klassengemeinschaften ausgeführt wer- den, und es ist zu hoffen, daß sie in Verbindung mit den allgemeinen Aufgaben des Unterrichts und der Erziehung zu einer ständigen Einrichtung der Schule werden, Die gemeinsame Teil- nahme aller Schüler einer Klasse ist dazu nötig.

Die Frage, wie weit jeder einzelne Schüler in der Lage ist die Reisekosten zu tragen, bildet hierbei eine besondere Schwierigkeit, Wir bemühen uns, die Erfahrungen der Jugendwanderungen über billiges und anspruchloses Leben für unsere Studienfahrten nutzbar zu machen, regen die Schüler dazu an, im Laufe des Schuljahres eine für jede Klasse gemeinsame Reisekasse zu- sammenzusparen und lassen bedürftigen Schülern aus dem Ertrag von Schüleraufführungen und Schülervorträgen, die mit den Studienfahrten im Zusammenhang stehen, eine Unterstützung zukommen, So ist es uns bisher gelungen, allen Schülern einer Klasse die Teilnahme an den Studienfahrten zu ermöglichen.

Der unterrichtliche und erziehliche Wert der Studienfahrten läßt sich nur dadurch sichern, daß in der Arbeitsgemeinschaft der Klasse die Aufgaben der Studienfahrten eingehend vorbe- reitet und ihre Ergebnisse nachträglich ausgiebig gewürdigt und vertieft werden. Die Vorberei- tung unserer Studienfahrten fand in den einzelnen Unterrichtsfächern im Sinne einer einheit- lichen Zusammenfassung verschiedenartiger Lehrstoffe statt. Die Auswertung ihrer Ergebnisse fiel zum Teil dem Unterricht zu und kam außerdem in Lichtbildvorträgen zum Ausdruck, die von den Teilnehmern an der Studienfahrt vor Schülern und Eltern gehalten wurden., Wir hatten Gelegenheit in einem Lehrgang zur Durchführung der Schulreform, der vor einer größeren An- zahl von Direktoren und Studienräten unserer Provinz im August und September abgehalten wurde, die Auswertung einer Studienfahrt in das rheinisch-westfälische Industriegebiet als Lehr- beispiel für eine Konzentration des Unterrichts im Sinne der neuen Lehrpläne vorzuführen,

Die beiden Unterprimen unternahmen vom 15.19. August eine Studienfahrt durch das rheinisch-westfälische Industriegebiet unter Führung der Herren Dr. Frei- ling und Dr. Wagner und zum Teil in Begleitung des Direktors. Zweck der Fahrt war, den Schülern neben den Schönheiten des deutschen Landes wichtige Stätten deutscher Kultur und Geschichte zu zeigen und ihnen den gewaltigen Wirtschaftsprozeß des wichtigsten deutschen Industriegebietes vor Augen zu führen, In Wetzlar besichtigten wir die Leitzwerke, den Dom und das Lottehaus, das Dill- und Siegtal bot Gelegenheit die Technologie des Eisens von der Förderung im Bergwerk bis zum Hochofenprozeß, der Stahlbereitung und der weiteren Verarbei- tung zu Fertigfabrikaten zu beobachten, Besonders lehrreich war die Besichtigung der Geis- weider Hüttenwerke bei Siegen. Durch das Lennetal trug uns die Eisenbahn zum Ruhrgebiet, wo wir einige Zechen und die Kruppschen Werke besichtigten. Den Abschluß bildete der Be- such des Duisburger Rheinhafens. Wir beobachteten Land und Leute, Siedlungen und Verkehr und suchten zu erkennen, wie die verschiedensten Wirtschaftsgebiete dieses Landes ineinander- greifen.

Der zweite Teil unserer Studienfahrt führte uns in das schöne Rheintal. Landschaft, geschicht- liche Kulturzeugen in Domen, Burgen, alten Städten und Museen beschäftigten uns, In Köln und Koblenz genossen wir nach Tagen der Anstrengung die Reize des Stadtbildes und die Schätze einiger Sammlungen. Den Abschluß der ertragreichen Studienfahrt bildete der Besuch

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