Inhalt unserer Sinnesempfindungen, sondern nur in deren unwandelbarem Zusammenhang ent- gegen, den wir als Naturgesetz bezeichnen, Daß im Wechsel der Erscheinungen immer und ewig die gleichen Verhältnisse wiederkehren, die dasselbe Gesetz bestimmt, ist uns nach Helmholt⸗ die Offenbarung der bestehenden Wirklichkeit, die hinter der flüchtig wechselnden Erscheinungs- welt liegt. Sie ist uns die Offenbarung der höchsten und allgewaltigen Macht, die uns in Goethes Faust als Erdgeist erscheint:„In Lebensfluten, im Tatensturm, wall ich auf und ab, webe hin und her. Geburt und Grab, ein ewig Meer, ein wechselnd Weben, ein glühend Leben, so schaff ich am sausenden Webstuhl der Zeit und wirke der Gottheit lebendiges Kleid'. So führt uns die Wissenschaft dazu, aus der Natur wie auch aus der Geschichte in ihren mannigfaltigen Formen und ihren wechselvollen und vergänglichen Erscheinungen eine Ahnung zu schöpfen von den ewigen Werten, die unabänderlich und nach immer gleichen Gesetzen im Weltgeschehen und im Menschenschicksal sich gestalten. Darum ruft Schiller uns zu:„Sucht das vertraute Gesetz in des Zufalls grausenden Wundern, suchet den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht!“
Das ist nach Helmholtz der tiefe Sinn aller wissenschaftlichen Forschung, das ist auch der Sinn des Bildungszieles, das unsere höheren Schulen erstreben, eine feste und gesicherte Weltauffas- sung, die in der wechselnden Fülle vergänglicher Erscheinungen die Einheit eines inneren Wirkens erkennt, und die immer bleibt, wenn auch die Erscheinung der Tatsachen längst ver- blaßt ist,
Liebe Abiturienten! Die wissenschaftliche Arbeit, die Sie zu einer Weltauffassung führen soll, weist Ihnen auch den Weg zu einer Lebensauffassung. Nehmen Sie die äußere Erscheinung auch im Getriebe des menschlichen Lebens nicht für bare Münze, Sie ist wechselnd und vergäng- lich und trügt gar oft. Wie das Wirken und Leben in der Natur, so folgt aber auch das Leben und Treiben der Menschen ewigen Gesetzen, die alle äußere Erscheinung beherrschen. Es sind die Gesetze, die auch in Ihnen, in jedem einzelnen von Ihnen, lebendig sind, die unser Lieben und Hassen, unser Streben und Handeln, unser Glück und unser Unglück bestimmen. Suchen Sie im Sinne wissenschaftlicher Forschung auch in den wechselnden Formen des menschlichen Lebens nach Gesetzen, lernen Sie die Leitgründe verstehen, die im Tun und Lassen der Menschen liegen, Solche Erkenntnis ist der sichere Boden für die festen Grundsätze, nach denen Ihr eigenes Tun und Lassen sich gestalten soll.
Ewige Wahrheit zu erkennen im wissenschaftlichen Gesetze, soweit unser menschliches Ver-— ständnis reicht, das ist das letzte Ziel unserer wissenschaftlichen Forschung; ewige Wahrheit
zu bekennen in der Gesetzmäßigkeit unseres menschlichen Handelns, ist unseres Daseins höchstes Ziel.
Schulwanderungen und Schülerfahrten.
Wanderungen der ganzen Schule fanden am 6. Mai, 21. Juni, 17. August, 26. und 27. Sep- tember, 2, Dezember, 27. Januar, 29. Februar und 30. März statt,
In den Pfingstferien unternahm Herr Studienassessor Dr. Marcus mit Schülern aus Olla und UIla eine Ferienwanderung durch die Rhön über Gersfeld, Dammersfeld, Kreuzberg, Wasser- kuppe(Segelflieger), Milseburg, Schloß Bieberstein.
In den Pfingstferien unternahm Herr Studienrat Fries mit Schülern der OIIIb eine 5tägige Ferien- wanderung am Main entlang von Aschaffenburg nach Lohr.
In den Sommerferien unternahm Herr Studienrat Gerstner vom 4.—9, Juli mit Schülern der UIIla eine Ferienwanderung von Boppard an die Mosel nach Cochem, Manderscheid, Mayen, Laacher See, Andernach und Koblenz(Rheinausstellung)-
Vom 25,— 28. September unternahm die Ollb unter Führung des Herrn Oberschullehrer Böttger eine Ferienwanderung über Koblenz, Andernach, Maria Laach(See und Abtei), Mayen(Basalt- brüche), Eltztal, Burg Eltz, Moselkern.
Vom 26.—27. September unternahm Herr Studienrat Grube mit der Olla einen zweitägigen Ausflug nach Runkel, Limburg und Diez.
Der Knabenchor wurde, nachdem er im März 1927 Braunfels' Ammenuhr im Saalbau erfolgreich aufgeführt hatte, von der Stadt Mannheim eingeladen, am 19. März 1928 die Aufführung des
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