Jahrgang 
1927
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25

Die Thüringer Studienfahrt der Unterprimen fand vom 22. 28. September statt und wurde von dem Direktor und den Herren Studienräten Dr. Ullrich, Dr. Gebhard, Dr. Schroe- der und Buss geleitet. Wir besichtigten in Erfurt auf flüchtigem Gang die Altstadt und den ehrwürdigen Dom, weilten in Weimar an den Erinnerungsstätten aus der Zeit Schillers und Goethes, besuchten in Jena unter kundigen Führungen die Sammlung der Optikerschule und den großen Ausstellungsraum der Zeißwerke, wo wir in fesselnder Belehrung zweier Führer einen Überblick über die wichtigsten Erzeugnisse der optischen Technik und die Herstellung der dazu nötigen Glaslinsen und Prismen erhielten. Am nächsten Tage besuchten wir in Ilmenau eine große Glasfabrik, in der wir die Herstellung des Glases aus den Rohmaterialien und seine Ver- arbeitung bis zu den feinsten Meßinstrumenten beobachten konnten. Am Nachmittag wanderten wir zum Goethehäuschen auf dem Gickelhahn und fuhren dann in fröhlicher Fahrt auf einem großen Lastauto zum Kamm des Thüringerwaldes hinauf über Oberhof und dann wieder hinab nach Reinhardsbrunn, wo wir spät abends in der Jugendherberge des Reinhardsbrunner Schlosses ankamen. Am nächsten Tage bestiegen wir auf verschiedenen Wegen den Inselsberg und wan- derten weiter nach Ruhla, von wo wir tags darauf auf einer Kammwanderung über die Hohe Sonne Eisenach erreichten. Hier bildete der Besuch der Wartburg den Abschluß der Fahrt.

In den Lichtbildvorträgen der Unterprimaner vor Schülern und Eltern am 25. Februar und 2. März sprachen: Schwab und Reichold über allgemeine Eindrücke von der Studienfahrt, Reb- holz und Reimold über die Erinnerungsstätten in Weimar aus Goethes und Schillers Zeit; Bech- told über die Rennsteigwanderung von Reinhardsbrunn über den Inselsberg nach Ruhla, Becher

und Reimold über einen Gang durch die Wartburg.

Stimmungsbilder von der MünchenergFahrt.

Im Hauptbahnhof in der Sonntagsfrühe: kalt, trübe, leer, Aber unsere Gesichter sind heiter und die Herzen voll warmer Freude. Geht es doch heute hinaus, und wie eine goldene Brücke, die aus Gewohntem in das Land des Neuen und Schönen führt, liegen 6 Tage vor uns, 6 volle Tage, die wir ausnutzen wollen mit Herz und Ver- stand, für Wesen und Wissen.

Nürnberg, du Feine! Freundlich lachtest du uns an mit dem traulichen Rot deiner Dächer und dem zarten Baumgrün dazwischen. Stolz und entdeckungsverheißend schauten deine Türme auf uns herab, schon als wir den Bahnhof verließen. Freudig und wissensdurstig zieht eine Truppe froher Schüler durch die Stadt, entdeckt hier etwas Schönes, dort etwas noch Schöneres, macht auf Schönheiten aufmerksam, belehrt und wird belehrt, schnup- pert in Winkeln umher, die viel oder auch nichts erzählen, zeichnet, photographiert und entdeckt schließlich ein heimlich-trautes Plätzchen, wo man weilen und träumen könnte, wenn jugendlicher Scherz und Frohsinn es dazu kommen ließen. Erst im Abendschein findet man sich nach Hause, reich an Geschautem und müde vom Laufen. Doch lange noch dauert es, bis man den Schlaf auf dem Strohsack findet. Scherz folgt auf Scherz und hält uns munter, bis endlich um Mitternacht die ersehnte Ruhe kommt.

Die rot-bedachte Stadt, wo so wunderbar Mittelalter und Neuzeit in ein harmonisches Ganzes zusammen- fließen, liegt hinter uns. Durch das zerrissene, weißfelsige Tal der Altmühl mit seinen ärmlichen, kalkschiefer- gedeckten Alpenhäusern geht es hinaus ins Donautal; und dann, nachdem der Flußz bei Ingolstadt überschritten ist, braust der Zug bergan durch das fruchtbare Lößgebiet des Alpenvorlandes München zu. Welche wunder- bare Farben- und Formsymphonie überrascht uns am Isarufer, wo weißes Geröllbett, grün-weiß schäumendes Gebirgswasser, kalkweiße, wuchtig geformte Brücken und Bauten zu einem erhabenen und ernsten Bild sich vereinen.

Erwartungsvoll stehen wir vor dem stolzen Bau des deutschen Museums, und dann umfängt uns drinnen die gewaltige Menge des zu Schauenden, Truppenweise ziehen wir treppauf und treppab durch die endlos sich reihenden Säle, um von dem Reichtum, der dort aufgespeichert ist, zu kosten und zu genießen, was uns gerade zusagt. In poetisch-verklärter Andacht schauen wir im obersten Stockwerk das zaubervolle Bild des wandelnden Sternenhimmels im Ptolemäischen Planetarium, mit kühlem Verstehen beobachten wir den scharfsinnigen Mecha- nismus, der das kopernikanische Weltbild darstellt., Wir schauen durch Fernrohre weit über die Stadt und das Land bis zur fernen weiß gegipfelten Alpenkette und beobachten Sonnenflecken durch gewaltige Refraktoren, Dann geht es wieder hinab in die Säle, um das für uns Wesentliche herauszufinden, UÜberblicke zu gewinnen und Zu- sammenhänge zu erfassen. Der nächste Tag sieht im Museum hier einen notierenden, dort einen Apparate probie- renden, dort einen photographierenden Oberrealisten, und jeder forscht in der überwältigenden Masse der Ein- drücke nach dem Stoff, der zu seinem Sondergebiet gehört, Erst das Schlußläuten kann die Tiefgründigen vertreiben.

Donnerstag: Erholung nach Wunsch und freier Wahl. Die eine Gruppe zieht hinaus zum Herzogstand, dem Nasenrücken zwischen dem düster-grünen Auge des Kochel und dem tiefblauen des Walchensees, schaut zwischen zerfetzten Wolken hindurch die Gebirgszüge im Süden, die höher und höher in gewaltigem Aufbau ihre Ketten spannen, erlebt die überwältigende und erhebende Macht der Gebirgswelt und kehrt reich und beglückt am Abend zurück.

Andere Gruppen besuchen Gemäldesammlungen und Museen je nach Neigung und Verständnis. Einige machen einen Gang hinaus zur Bavaria und durchstreifen die Stadt, und der Abend bis zur frühen Torschluß- stunde der Jugendherberge findet uns in einem der vielen Keller, die ein Wahrzeichen der Stadt sind, zum Studium der Münchener Volkskunde, das mit Scherz und Frohsinn gewürzt wird,