Jahrgang 
1876
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Der gehobenen Mädchenſchule iſt indeſſen von dem Magiſtrate der Name Petersſchule, den Schulen an der Adlerflychtſtraße die Namen Adlerflychtſchule(Knaben) und Humboldtſchule(Mädchen), der bisherigen höheren Bürgerſchule der Name Bethmannſchule beigelegt worden. Die letztere wird ihren bisherigen Lehrgang einſtweilen bis Oſtern 1877 beibehalten.

Von der Mädchenſchule haben ſich einer an die Eltern gerichteten Aufforderung gemäß eine Anzahl von Schülerinnen zum Uebertritt in die Petersſchule, in welcher mit einziger Ausnahme des Unterrichtes in der engliſchen Sprache der Lehrgang derſelbe ſein wird, wie an der Mädchenabtheilung der bisherigen höheren Bürgerſchule, angemeldet; doch ſind es ihrer nicht ſo viele, daß jene beabſichtigte Reducierung auf eine Schule ohne Parallelklaſſen ſchon jetzt hätte vorgenommen werden können. Von der Petersſchule wird vorläufig nur die unterſte Klaſſe eröffnet werden.

Die jetzt die Schule beſuchenden Knaben werden dem oben Bemerkten gemäß für das kommende Jahr in derſelben Weiſe wie bisher unterrichtet werden, auch wird von den Schülern der oberſten Klaſſe zu Oſtern 1877 noch das Examen abgelegt werden können, deſſen erfolgreiches Beſtehen die Berechtigung zum einjährigen freiwilligen Militärdienſte verleiht. Nach dieſem Zeitpunkte wird jedoch die höhere Bürger⸗ oder Bethmannſchule ſowohl das ihr proviſoriſch verliehene Recht zur Abhaltung von Abgangsprüfungen als auch den Charakter einer höheren Schule verlieren, wenn es auch noch der ſchließlichen Entſcheidung der Behörden vorbehalten bleibt, ihre Stellung unter den übrigen hieſigen Schulen definitiv zu beſtimmen. Für die die jetzige höhere Bürgerſchule beſuchenden Schüler entſteht durch dieſe Veränderung, abgeſehen von dem zu entrichtenden höheren Schulgelde*) kein Nachtheil, da es ihnen freiſtehen wird, zu Oſtern 1877 in die Klingerſchule, Realſchule 2. Ordnung mit 3 Vorſchul⸗ und 7 Realklaſſen, überzutreten, deren unterſte Klaſſe Oſtern 1876 und deren ſämmtliche andere Klaſſen zu Oſtern 1877 in dem dann vollſtändig zu Schulzwecken bereitſtehenden Waiſenhausgebäude eröffnet werden. Der Charakter der Klingerſchule wird im Weſentlichen derſelbe ſein wie der der Ablerflychtſchule, welche ebenfalls eine Realſchule 2. Ordnung mit 10 Klaſſen ſein wird, nur daß etwa die Klingerſchule, welche zugleich Erſatz für die eingehende hieſige Gewerbeſchule bieten ſoll, in ihrem Lehrplan Rückſicht auf diejenigen Schüler nehmen wird, welche dem höheren Gewerbeſtande ſich widmen wollen.

Der Geburtstag ſeiner Majeſtät des Kaiſers und Königs wurde in der Schule durch einen feierlichen Actus begangen, bei welchem Dr. Scholderer eine Anſprache an die Schüler hielt.

Auch der Jahrestag der Schlacht bei Sedan wurde von der Schule wiederum gefeiert. An den im Turnſaal gehaltenen Actus ſchloß ſich ein von Herrn Turninſpector Danneberg geleitetes Schauturnen der fünf oberen Klaſſen im Schulhofe an. Am Nachmittage nahmen die Schüler der oberen Klaſſen und eine Anzahl ihrer Lehrer an der auf dem Sachſenhäuſer Friedhof veranſtalteten Gedächtnis⸗Feier Theil.

Am 18. October und den folgenden Tagen wurde an der Schule unter dem Vorſitze des Königlichen Kommiſſarius, Herrn Provincialſchulrathes Kretſchel und unter Aſſiſtenz des Herrn Königlichen Regierungs⸗ und Schulrathes Eſſer ſowie in Anweſenheit des Kommiſſarius des Herrn Biſchofs von Limburg, Herrn geiſtlichen Rathes Münzenberger, die Prüfung der Lehramtsaſpirantinnen für die Provinz Heſſen⸗Naſſau abgehalten. Als Examinatoren fungierten dabei ferner die Herren Seibt, Dr. Noll und Dr. Scholderer. Von den 17 Aſpirantinnen, welche ſich gemeldet hatten, beſtanden 13 die Prüfung für mittlere und höhere Schulen und 2 für Elementarſchulen, während eine vor beendigter Prüfung zurücktrat, eine andere die Prüfung nicht beſtand.

*) Das Schulgeld iſt für die Adlerflycht⸗ und die Klingerſchule vorläufig auf 100 Mark, für die Bethmannſchule (Knaben und Mädchen) auf 55 Mark, für die Petersſchule auf 36 Mark feſtgeſetzt.

Höhere Bürgerſchule 1876. 4