Jahrgang 
1914
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Nachdem wir noch dem Schneid- und Miſchraum einen Beſuch abgeſtattet hatten, verließen wir die Fabrik, um die Porzellanmanufaktur zu beſichtigen. Wir fuhren mit der Straßenbahn nach Sévres, wo wir bald vor den Werkſtätten anlangten.

Nachdem wir das reichhaltige Muſeum beſichtigt hatten, traten wir unter Führung eines Beamten die Beſichtigung der Werkſtätten an. Von hier begaben wir uns nach dem Dampfer, um die Seine hinab nach Suresnes zu fahren. Nun wandten wir uns nach dem Bois de Boulogne. Es iſt eine wunderbare Waldesidylle mit einſamen, lauſchigen Gängen und herrlichen Anlagen. Hier befindet ſich auch das Longchamp, der bekannte Rennplatz von Paris.

Am nächſten Morgen machten wir uns auf den Weg, um das auch in Deutſchland durch ſeine Inſerate bekannte Kaufhaus Bon Marché zu beſuchen. Hier iſt alles auf das Feinſte und Bequemſte ausgeſtattet, ſelbſt eine elektriſche Treppe iſt vorhanden, welche einen, ohne daß man einen Schritt zu gehen braucht, von Stock zu Stock befördert. Nach dem Beſuch dieſes Warenhauſes zerſtreuten ſich die Teilnehmer nach den verſchiedenſten Richtungen der Stadt, um die Sehenswürdigkeiten, welche für ſie ein beſonderes Intereſſe hatten, nochmals zu beſuchen. Für den Nachmittag war eine Beſichtigung der in der ſüdlichen Stadthälfte liegenden berühmten Gärten und Bauten geplant. Nach dem Nittageſſen verließen wir ſehr früh das Hotel, um nach UÜberſchreiten der Seine nach dem Palais du Luxembourg zu gelangen. Dies wird von 3 Seiten von dem Luxemburggarten begrenzt. Der Bau wurde ſchon im Jahre 1615 unter Maria von Medici begonnen. Es iſt eine Nachbildung des Palazzo Pitti in Florenz, ausgezeichnet durch Schönheit und Eleganz. Hier wohnten berühmte Männer und Frauen Frankreichs, Anhänger des Königtums, ſowie Anhänger der Republik. Von hier kamen wir nach kurzer Fahrt vor dem Invalidendom an. Er iſt ein Nationalheiliglum, deſſen vergoldete Kuppel nach allen Seiten weithin ſichtbar iſt. Die mächtige Kuppel ruht auf 40 Säulen und iſt mit vergoldeten Bleiplatten bedeckt. Ihre Höhe mißt 102 Meter; das Kuppeldach hat einen Flächenraum von 105 qm. Dem großartigen AÄußeren entſpricht ganz das Innere. Hier iſt nur Marmor, Bronze und Gold zu einer wunderbar feierlichen, erhabenen Dekoration verwendet, alles iſt von unbeſchreiblicher Pracht und Koſtbarkeit, birgt doch der Dom auch die Reſte Napoleons J. Man betrift eine Galerie im Innern der Kuppel und blickt von da hinab in eine 6 Meter tiefe, oben offene Grabkammer aus poliertem Granit, mit weißem und ſchwarzem Marmor getäfelt und von Marmorſäulen umgeben. Der Sarkophag des großen Korſen iſt aus einem einzigen Block roten Granits gearbeitet, 4 Meter lang, 4,50 hoch, 2 Meter breit und erhebt ſich inmitten des koſtbaren Moſaikfußbodens, der einen mächtigen Lorbeerkranz bildet, auf deſſen Blättern die ſiegreichen Schlachten Napoleons ein⸗ graviert ſind. Das durch die bunten Fenſter der Kuppel eindringende gedämpfte Licht erhöht noch die Würde und Feierlichkeit des Raumes. Marmorſtufen führen hinter dem Hauptaltar zu dem Sarkophag hinab; am Ende der Treppe iſt eine reichverzierte Bronzetür, aus dem Metall erbeuteter Geſchütze gegoſſen, angebracht. Beim Eintritt in dieſes Kaiſergrab kann man ſich des Gefühls nicht erwehren, daß hier ein bedeutender, von ſeinem Lolke frotz aller Unbill geliebter Mann ruht.

Nach einem Beſuch der Militärkirche, in welcher viele eroberte Fahnen angebracht ſind, gelangten wir über den Ehrenhof durch das Haupftor auf den Boulevard de la tour Maubourg, von wo wir dann an der Seine entlang gehend bald vor dem mächtigen Werk der Ingenieur⸗ kunſt, dem 300 Meter hohen Eiffelturm, ſtanden. Er wurde zum Andenken an die Jahrhundert⸗ feier der Revolution errichtet. Der Erbauer dieſes Koloſſes war der Ingenieur Eiffel, durch den der Turm auch ſeinen Namen erhielt. Das ganze Bauwerk gliedert ſich in 3 Stockwerke, die durch hydrauliſche Aufzüge und Treppen verbunden ſind. In der erſten Etage befinden ſich Reſtaurants, Spielſäle, Bazare und Tabakläden, ſowie ein Theater. Auf der oberſten Platt⸗ form genießt man bei klarem Wetter einen Rundblick von 60 Kilometern. Höchſt reizvoll iſt es, von der gewaltigen Höhe aus den regen Lerkehr auf den Straßen und der ſilbern ſchimmernden Seine zu beobachten. Menſchen, Wagen und Schiffe erſchienen von winziger Kleinheit und das Geräuſch der Weltſtadt klingt nur wie ein leichtes, fernes Summen herauf.

Der nächſte Morgen, unſer letzter Tag auf Frankreichs Erde, ſah die meiſten im Hotel beſchäftigt, ihre eingekauften Geſchenke und Erinnerungen zu verpacken. Nach dem Mittags⸗ mahl gingen wir noch einmal fort, um einen letzten Spaziergang durch Paris zu machen. Anſer Ziel war das Conservatoire des Arts et Metiérs, welches mit Inſtrumenten aller Art und für die verſchiedenſten Zwecke angefüllt iſt. Cor allen Dingen möchte ich erwähnen, daß Rer der Flugapparat, mit welchem der Erfinder Blériot im Jahre 1909 als erſter den Kanal über⸗

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