Jahrgang 
1914
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Place Madeleine, umgeben von majeſtätiſchen Gebäuden, vor ſich die breite Rue Royale mi dem Ausblick auf der Place de la Concorde, den Obelisken, die Brücke de la Concorde und jenſeits derſelben das der Madeleine ſo ähnliche Gebäude desRates der 500, der Deputiertenkammer, bieten ein prachtvolles Bild in dieſer Millionenſtadt. Die Madeleine ſollte ein Siegestempel ſein zur Lerherrlichung der Schlachttage von Jena und Auſterlitz. Jedoch übergab eine königliche Order im Jahre 1816 den Tempel der kirchlichen Beſtimmung. Das Innere der Kirche iſt an Koſtbarkeit in Ornamentik, Skulpturen, Cergoldung u. ſ. w. unüber troffen. Con hier aus gingen wir über den Boulevard de la Madeleine und Boulevard des Capucines nach der großen Oper. Sie bedeckt einen Flächenraum von 11 235 qm und iſt das größte Theater der Welt, obwohl es nur ca. 2200 Plätze enthält. Der ganze Bau einſchließlich Bauplatz koſtete ungefähr 50 Millionen Franken. Den Abend benutzten wir heute, wie an den anderen Tagen dazu, um unſere Erlebniſſe aufzuſchreiben und Briefe an unſere Angehörige zu ſenden.

Am MNittwoch begaben wir uns nach dem Louvre, um demſelben im Innern einen Beſuch abzuſtatten. Da das Muſeum erſt um 9 Uhr geöffnet wird, machten wir erſt einen kleinen Spaziergang an der Kirche Notre Dame vorbei. Auf dem Wege ſahen wir ein Denkmal Kaiſer Karls des Großen, welches ihn zu Pferd darſtellt und bezeugt, daß die Franzoſen ihn ebenfalls als ihren Kaiſer anſehen. Mit einem ſachverſtändigen Führer beſichtigten wir die ungefähr 3000 Bilder umfaſſende Gemäldegalerie des Louvre, welche durch die Meiſter⸗ werke der franzöſiſchen, italieniſchen, deutſchen, ſpaniſchen, holländiſchen und flämiſchen Künſtler zu den bedeutendſten der Welt gehört. Wir hatten hier auch Gelegenheit, den Prachtdegen Napoleons III., ganz mit Diamanten beſetzt, ſowie die berühmte Cenus von Milo zu ſehen. Nach dem Mittageſſen machten wir uns auf den Weg, um die Manufacture de Tapisserie des Gobelins zu beſuchen. Sie iſt ſchon 1603 unter Henri IV. durch Jean Gobelin gegründet worden. Wenn man bedenkt, daß an den Gobelins, welche hier angeferkigt werden, jeder Künſtler an 1 qm ein Jahr zu tun hat, ſo iſt man nicht über die hohen Preiſe erſtaunt, welche für echte Gobelins bezahlt werden. Nach Lerlaſſen dieſer Werkſtäfte gingen wir durch weniger belebte Straßen dem Panthéon zu. Die Nationalverſammlung entzog 1791 dies Gebäude ſeiner kirchlichen Beſtimmung und weihte es als Nationaltempel dem Andenken der großen Bürger Frankreichs. In den Gruftgewölben ruhen unter anderem Lickor Hugo, Rouſſeau, Coltaire und andere große Männer der Nation. Der Reſt des Tages wurde einer Beſichtigung des Jardin des Plantes gewidmet.

Für den nächſten Morgen war als gemeinſchaftliche Beſichtigung ein Beſuch der großen Markthallen, Halles centrales, vorgeſehen. Da hier der Lerkehr ſich in den erſten Morgen⸗ ſtunden abwickelt, waren wir früh aufgeſtanden, um einen richtigen Einblick in das Leben zu tun. Die Hallen ſind ganz aus Eiſen und Glas erbaut und mit allen Einrichtungen der Neu⸗ zeit ausgeſtattet. Sie dienen ausſchließlich dem Cerkauf von Nahrungsmitteln im Großen und Kleinen. Es bedarf großer Geſchicklichkeit, um ſich während der Hauptverkaufszeit durch die einzelnen Abteilungen zu drängen, ohne geſtoßen, gedrückt oder gar umgeworfen zu werden. Lor allen Dingen fielen mir die großen Mengen Salat auf, die hier aufgeſtapelt waren, nicht in Körben, nein, zu zirka 2 Meter hohen Salatmauern. Nach Lerlaſſen der Halles centrales begab ich mich mit einigen Reiſegefährten nach der auf einem 200 Meter hohen Hügel liegenden, berühmten Kirche Notre Dame du Sacré Coeur. Sie wurde 1875 begonnen und im Jahre 1900 eingeweiht. Das herrliche Gebäude, deſſen Vollendung 37 Millionen Franken gekoſtet hat, bildet ſowohl ſeiner Größe, als auch ſeiner Schönheit und herrlichen Lage wegen eine Haupt⸗ ſehenswürdigkeit. Erwähnenswert iſt die große GlockeSavoyarde, die ſchönſte Glocke Frank⸗ reichs. Ihr Geläut hört man 10 Stunden in der Nunde. Die Ausſicht vom Turme der Kirche über die Stadt iſt die ſchönſte, die ſich denken läßt. Der Nachmittag dieſes Tages war für eine Dampferfahrt auf der Seine beſtimmt, und wir begaben uns daher ſehr früh zur Dampfer halteſtelle, um auf dem Waſſerwege Paris zu durchqueren. Wir beſtiegen einen der zahlreichen, ſchnell fahrenden kleinen Dampfer, welche in großer Anzahl die Fluten des Stromes beleben. Mir ſteht zu wenig Raum zur Lerfügung, um hier alles zu beſchreiben, was wir geſchaut haben. Die vielen Brücken, Paläſte, öffentlichen Gebäude und Denkmäler bieten den Augen des Reiſenden Abwechslung in ſo reicher Fülle, daß er nur immer ſchauen muß. Am Pont d'Auteuil verließen wir das Schiff, um die Tabakmanufaktur zu beſuchen. Nachdem uns die Erlaubnis dazu erteilt worden war, begann unter Leitung eines Führers die Beſichtigung. Unter anderem erklärte uns ein Arbeiter, daß die Maſchine, welche er bediene, zirka 500 Zigaretten in der Minufe, das ſind 30 000 Stück in der Stunde herſtelle, ohne daß er etwas zu tun brauche.

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