Jahrgang 
1914
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Nach mühſeligem Transporte wurde er auf ſeinem jetzigen Platze aufgeſtellt. Der Obelisk be⸗ ſteht aus einem einzigen Stücke roten Granits und ſtammt aus den berühmten Steinbrü⸗ zen zu Syene in Oberägypten. Die Höhe iſt 22 Meter und das Gewicht 600 Zentner. Auf allen Seiten iſt er mit Hiroglyphen bedeckt, aus denen hervorgeht, daß die Herſtellung auf Ramſes den Großen zurückzuführen iſt, und er demnach ein Alter von 3400 Jahren beſitzt. Nun über⸗ ſchritten wir die Avenue des Champs Elysée und beſahen den Palaſt des Präſidenten der leingehen Republik. Dann wandten wir uns einem der großartigſten Bauwerke von Paris, dem Arc de Triomphe auf der Place de l'Etoile zu. Es iſt wohl das bedeutendſte Monument dieſer Art, das man bis jetzt kennt. Es wurde mit einem Koſtenaufwand von zirka 10 Millionen Francs erbaut und iſt mit herrlichen Reliefs geſchmückt. Seine Höhe beträgt 49 Meter und ſeine Breite 45 Meter. Lon der Plattform hat man einen ſehr ſchönen Ausblick auf die Stadt, und wir konnten von hier aus noch einmal auf alles zurückſchauen, was wir an dieſem Morgen geſehen hatten.

Für den Nachmittag war ein Ausflug nach Lerſailles, wo an dieſem Tage das National⸗ feſt gefeiert wurde, und eine Beſichtigung des Schloſſes, vorgeſehen. Dieſes war ſeit der Zeit Ludwig XIV. bis zum Ausbruch der Revolution königliche Reſidenz. Hier kamen 1789 die Reichsſtände zuſammen. Hier bildete ſich die Nationalverſammlung, von hier mußte König Ludwig XVI. ſeinen letzten Weg nach Paris antreten. 1870 wurde in Lerſailles das Haupt⸗ quartier der deutſchen Armee eingerichtet. Im Spiegelſaale des Schloſſes fand die Proklamation ſtatt, durch die Deutſchland zum Kaiſerreich erhoben wurde. Das Innere des Schloſſes bildet jetzt das Muſeum von HLerſailles. Es enthält in zahlreichen Sälen zwei Abteilungen: Die Wohn⸗ und Feſträume der franzöſiſchen Könige und eine reichhaltige Sammlung von Skulpturen und Gemälden. Wir hatten auch Gelegenheit, den Saal zu beſuchen, in dem kurz vorher der neue Präſident Poincaré gewählt worden war. Am meiſten intereſſierten uns die Grands eaux, d. h. die großen Springbrunnen in dem herrlichen Park, die aus Anlaß des Feſtes in Betrieb geſetzt wurden. Dieſes herrliche Schauſpiel wird ſicherlich keiner der Teilnehmer wieder vergeſſen.

Nachdem wir uns am Montag zeitig aus den Federn erhoben hatten, machten wir uns auf den Weg, um einem der größten Warenhäuſer von Paris, den Magasins du Louvre, einen Beſuch abzuſtatten. Unter Führung eines Beamten durften wir alle Abteilungen beſichtigen. Um ein Bild von der Größe dieſes Unternehmens zu geben, bemerke ich, daß das Frankfurter Warenhaus von S. Wronker 8 Co., ca. 800 Perſonen beſchäftigt, während der Louvre ca. 5000. Menſchen Arbeit gibt. Für den Nachmittag war der Beſuch des Schlachthauſes oder beſſer Acendet der Schlachthäuſer von Paris vorgeſehen. Sie nehmen ein Gelände von 47 ha ein und beſtehen aus 64 einzelnen Hallen. Con hier gingen wir an dem Quai de la Marne vorbei, wo das Aus⸗ und Einladen der verſchiedenſten Waren das Intereſſe eines jeden erregten. Durch die Rue de l'Allemagne kamen wir nach dem Buttes Chaumont. Dies iſt ein herrlicher Park inmitten des Arbeitervierkels. Unſer nächſter Weg führte uns auf den Père Lachaise, den klaſſiſchen Friedhof von Paris. Er iſt Ruheſtäfte vieler Perſonen von Stand und Würden. Er verdient einen Beſuch ſowohl wegen der Anlagen und der wundervollen Ausſicht, als auch wegen der prächtigen Grabdenkmäler. Lor allem iſt hier das großartige KunſtwerkTriumph des Todes von Bartholomé zu erwähnen, während von den Denkmälern berühmter Männer die von Fontaine, Molière und Ney zu nennen ſind.

Da für den nächſten Morgen keine einheitliche Beſichtigung geplant war, ſo ſtand es jedem frei, ſeinen eigenen Wünſchen nachzugehen. Am Nachmittag machten wir uns ſchon gegen 1 Uhr auf den Weg, um das Leben und Treiben auf der Pariſer Börſe zu beobachten. Es iſt dies ein Gebäude in Form des römiſchen Leſpaſiantempels. Sehenswert ſind die künſtleriſch wertvollen Deckengemälde der Börſe. Als ſich einige von uns mitten unter das ſchreiende und feilſchende Publikum wagten, wurden ihnen die Hüte von den Köpfen gezogen und ſie ſelbſt gedrückt und geſtoßen, ſodaß ſie ſich ſchnell wieder in das Freie flüchteten. Wir verließen dieſen Platz mit dem ohrenbetäubenden Lärm und gelangten an der Nationalgalerie vorbei nach der Banque de France. Es dauerte eine Zeitlang, bis die Formalitäten, welche den Beſuch ermöglichten, erfüllt waren. Die Bank iſt eins der größten Geldinſtitute der Welt, und in ihren Kellern lagern Barbeſtände von 4 Milliarden Franken. Ein prächtiger Raum iſt das Sitzungszimmer. Die Wände ſind mit koſtbaren Holzſchnitzereien von Meiſterhand und herrlichen Gobelins berühmter franzöſiſcher Künſtler geſchmückt. Unſer nächſtes Ziel war die Madeleine⸗ kirche. Sie iſt wohl die merkwürdigſte und intereſſanteſte Kirche von Paris, ſowohl in Bezug auf Bauſtil, wie auch auf innere Ausſtattung. Schon ihre prachtvolle Lage an dem großen

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